CIA-GefängnisseDie CIA und der hochgeheime Staubsauger

Die Foltermethoden des US-Geheimdienstes CIA haben schon manche Terrorverdächtige um den Verstand gebracht. Einer erholte sich, indem er einen Staubsauger konstruierte.

Ein Inhaftierter in Guantánamo wird mit Fußfesseln an den Boden gekettet. (Archiv)

Ein Inhaftierter in Guantánamo wird mit Fußfesseln an den Boden gekettet. (Archiv)  |  © Michelle Shephard/AFP/Getty Images

Der Wunsch des Häftlings war ungewöhnlich, wurde ihm aber gewährt: Chalid Scheich Mohammed, mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, bat vor etwa einem Jahrzehnt in einem rumänischen Geheimgefängnis der CIA um die Erlaubnis, einen Staubsauger bauen zu dürfen. Das wurde ihm nach Absprache mit der CIA-Zentrale erlaubt, um einen psychologischen Schaden wieder gut zu machen, wie ein Ex-Mitarbeiter des US-Geheimdienstes der Nachrichtenagentur AP nun sagte.

Als Mohammed nach der Schließung eines CIA-Gefängnisses in Polen 2003 in die rumänische Hauptstadt Bukarest kam, hatte er bereits brutalste Verhörmethoden hinter sich. In Polen wurde der gelernte Maschinenbau-Ingenieur durch Schlafentzug gefoltert: Laut einem CIA-Bericht hielten Agenten ihn 180 Stunden am Stück wach. 183 Mal wurde er der Methode des simulierten Ertränkens ausgesetzt, dem sogenannten Waterboarding.

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Die Foltermethoden sollten die Häftlinge nach CIA-Darstellung "psychologisch aus der Bahn werfen". Waren die Verhöre beendet, musste der psychologische Schaden wieder gut gemacht werden. Denn sollte Mohammed eines Tages vor einem Militärtribunal erscheinen, musste er bei Verstand sein. "Wir wollten nicht, dass sie verrückt werden", sagte der Ex-Geheimdienstmitarbeiter. Und so begann der mutmaßliche Chefplaner des 11. September, mithilfe von Bauplänen aus dem Internet einen Staubsauger zu bauen.

Im Gegensatz zu anderen Mitgliedern des Terror-Netzwerks Al-Kaida ist Mohammed den Berichten zufolge heute bei guter Gesundheit. Ramsi Binalschibh und Abdel al-Naschiri dagegen, Mithäftlinge von Mohammed in Polen und Rumänien, leiden an Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Binalschibh bekommt wegen Schizophrenie anti-psychotische Medikamente.

In Rumänien stellte das Gefängnis seinen Häftlingen Bücher zur Verfügung. Mohammed las gerne Harry-Potter-Bände. War ein Häftling mit einem Buch durch, wurde der Lesestoff Seite für Seite auf geheime Botschaften für andere Insassen abgesucht. Mohammed wurde angeblich erwischt, wie er seine Mithäftlinge davor warnte, über den Kurier von Osama bin Laden zu reden. 

Existenz des Staubsaugers nicht offiziell bestätigt

Als das rumänische CIA-Gefängnis Anfang 2006 schloss, wurde Mohammed nach Guantánamo verlegt, wo er bis heute inhaftiert ist. Seinem Militärverteidiger Jason Wright war es nach eigener Darstellung untersagt, mit seinem Mandanten über das Staubsauger-Thema zu reden. "Es klingt lächerlich, doch die Beantwortung dieser Frage, oder überhaupt die Bestätigung oder Verneinung der Existenz eines Entwurfs für einen Staubsauger, einen Staubwedel oder auch nur ein besseres Handtuch, setzt die US-Regierung und ihre Bürger offenbar außerordentlich großer Gefahr aus", sagt Wright dazu.

Mohammed machte 1986 seinen Abschluss in Maschinenbau an der staatlichen Universität von North Carolina. Ob er in Gefangenschaft einen besseren Staubsauger entwickeln oder einfach nur in den Bauplänen geheime Informationen verstecken wollte, ist unklar. Auch ob die Pläne noch existieren oder wie weit er mit seinen Entwürfen kam, bleibt ein Geheimnis. "Sofern sie existieren", gälten die Pläne als operative Unterlagen und wären damit streng vertraulich, heißt es bei der CIA.

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Leserkommentare
    • Bazini
    • 12. Juli 2013 21:15 Uhr

    siehe oben

    3 Leserempfehlungen
    • FPopp
    • 12. Juli 2013 21:16 Uhr

    Dass man über etwas eigentlich so Unglaubliches in der Zeitung lesen kann, einfach so, als wäre nicht länger etwas dabei, zeigt doch, in was für einer kranken Welt wir (mittlerweile?) leben. Die USA, das Reich der Finsternis, und seine Schergen ohne Moral und Verstand ...

    27 Leserempfehlungen
  1. Die USA sind nicht der Staat, mit dem ich eine Wertegemeinschaft empfinde.

    34 Leserempfehlungen
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    ... das stört niemanden, am allerwenigsten einen US Amerikaner.

  2. 4. [....]

    Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/fk.

    Eine Leserempfehlung
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    • autist
    • 13. Juli 2013 0:42 Uhr

    Entfernt. Fragen zur Moderation richten Sie bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/ls

  3. Die USA sollte von allen Verbündeten dafür moralisch zumindest verurteilt werden.
    Oder gilt wie damals: Was damals Recht und billig war, kann heute kein Unrecht sein....?

    9 Leserempfehlungen
  4. würde ich ja lachen. Der Artikel entbehrt nicht einer gewissen Tragik-Komik.

    Bush, Cheney, Rumsfeld und Kohorten gehören vor's Gericht gezerrt!

    16 Leserempfehlungen
  5. "Im Verlauf der Verhöre gab Chalid an, bei einem Treffen um die Jahreswende 1999/2000 in Afghanistan mit Mohammed Atta, Ziad Jarrah und Marwan Alshehhi, drei der mutmaßlichen Piloten der Terroranschläge vom 11. September, und Osama bin Laden dabei gewesen zu sein.

    Chalid Scheich Mohammed hat auch gestanden, „mit seiner gesegneten rechten Hand“ den amerikanischen Juden Daniel Pearl in Karatschi eigenhändig enthauptet zu haben.] ...Eine Studie der Georgetown University im Januar 2011 belegt, dass Chalid Scheich Mohammed der Mörder von Pearl ist. Durch einen Abgleich verglichen sie die Hände des Mörders mit jenen von Chalid Scheich Mohammed und kamen anhand der Venen zum Schluss, dass es sich um die gleiche Person handeln muss. Der Untersuchung zufolge waren sich die ursprünglichen Entführer nicht einig, was sie mit Pearl anstellen wollten. Zeitweise hätten sie über eine Freilassung nachgedacht. Da schaltete sich den Erkenntnissen zufolge die al-Qaida-Spitze ein. ... Mohammed schnitt Pearl die Kehle durch. Durch einen Fehler seines Komplizen bei der Bedienung der Kamera konnte kein Propagandafilm erstellt werden. Um doch noch an eine Aufnahme zu kommen, stellte Mohammed der Untersuchung zufolge den Mord nach und schnitt dabei Pearl den Kopf ab.

    Chalid hat insgesamt 31 Anschläge und Anschlagsversuche zugegeben."

    Trifft das zu, ist das nicht die feine Art, und Empathie hält sich in Grenzen, Staubsaugerpläne und Foltergeständnisse hin, oder her.[

    7 Leserempfehlungen
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    • -lupo-
    • 12. Juli 2013 23:36 Uhr

    Auch wenn er ein Mörder ist: Er hat dennoch Menschenrechte und darf nicht gefoltert werden.

    • autist
    • 13. Juli 2013 0:39 Uhr

    Mag ja sein, dass es ein Verbrecher war, der gefoltert wurde. Bloß verbietet sich Folter, sei es aus christlicher Überzeugung oder allgemeiner Menschlichkeit. Denn es geht hierbei offensichtlich um Strafe, die die Folter selbst schon ist.

    Denn wenn es um die "Wahrheitsfindung" gegangen wäre, hätte man nach Ihrer Logik doch gleich die University of Georgetown beauftragen können.

    Also: wer 180 h Schlafentzug oder waterbording durch was auch immer legitimiert, stellt sich abseits jeder Zivilisation.

    • grrzt
    • 13. Juli 2013 1:56 Uhr

    Sie erinnern sich vielleicht nach an den Fall eines entführten Jungen; der ermittelnde Kommissar drohte (!) dem Täter mit einem schmerzhaften Verhör, im Glauben das Leben des Jungen zu retten, die deutsche Staatsanwaltschaft fand das nicht sehr witzig, und ein Großteil der Menschen im Land wohl auch nicht. Rechtsstaatlichkeit ist nicht nur für die "Guten", das hat mit Empathie für einen Verbrecher nichts zu tun.

    Man sieht, wie man mit ein wenig Sachlichkeit diese Zeit-Berichterstattung dahin befördern kann, wo sie hingehört - jedenfalls wenn man die bis auf's i-Tüpfelchen mit der Hetze in den Onlineforen von NPD, SED & Co gleichlautenden Kommentare liest: In die rot-braune Ecke des USraelhasses. Der Zeitbeitrag ist von A bis Z eine Fälschung, weil er alles außer Acht lässt, was die von ihm beschriebenen Zustände erst herbeigeführt hat, er beschreibt nicht, dass in Zeiten massentötungsbereiter religiöser Wahnsinniger, die es für einen göttlichen Auftrag halten, den ganzen Westen zu beseitigen, nicht mit betulichen deutschen Gerichtsverfahren reagiert werden kann, das "Folter" nicht das ist, was deutsche pharisäische USraelhasser definieren - Denzel Washington hat sich übrigens bei seiner Waterboarding-Szene nicht doubeln lassen und auf die Frage eines deutschen Redakteurs, wie es denn war, gemeint: "Nicht so schlimm", woraufhin der Redakteur angesichts seines zusammenbrechenden Welt- bzw. Feindbildes schnell das Thema wechselte -, die die wirklichen Verstümmelungs- und Tötungsfoltermethoden z.B. in den Snowden-Fan-Staaten selten mit gleicher Empörungsroutine erwähnen. Aus der gleichen Ecke kommt ja auch gerne die Empfehlung an Juden, sich doch gefälligst...

    ...erst mal Töten zu lassen, bevor man vom Mossad vorbeugend Massentöter von KZ-haftem Ausmaß beseitigen lässt, natürlich immer unter dem empörungsbebenden Hinweis auf Völkerrecht, Menschenrecht und UNO-Resolutionen.

    Bevor dem/der Zeit-RedakteurIn der Finger juckt, diesen Kommentar durch die Standardphrase vom unangemessenen Ton zu ersetzen, möge er/sie sich fragen, was eigentlich brutaler ist: Ein zwar gediegen formulierter, aber klassischen rot-braun-antiUSraelischen Hass transportierender Beitrag, der entsprechend hasserfüllte Leserkommentare aus der entsprechenden Ecke provoziert oder eine klare Kante, die darauf hinweist und die Fakten benennt.

    "Chalid Scheich Mohammed hat auch gestanden, ..."

    Was immer eine Person, die gefoltert wird, gesteht, ist für mich irrelevant.

    Wäre es relevant, müsste ich ja bei all den Geständnissen, die man in Moskau in den verschiedensten Schauprozessen 1938 hören konnte, zu einem völlig anderen Urteil kommen. Was ich eigentlich nicht vorhabe.

    Wer foltert, muss damit leben, dass ich Geständnisse, die ich von den Folteropfern höre, für erfoltert halte.

    ...und warum sitzt er dann nicht schon lange in Strafhaft!?

  6. 8. [...]

    Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/fk.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AP, lab
  • Schlagworte Chalid Scheich Mohammed | CIA | AP | Maschinenbau | Nachrichtenagentur | Polen
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