An den Lebertransplantationszentren der Uni-Krankenhäuser Münster und Essen geht es möglicherweise nicht mit rechten Dingen zu. Die Süddeutsche Zeitung berichtete, die nach den Skandalen vom vergangenen Jahr einberufene Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK) habe an zwei weiteren Kliniken Auffälligkeiten entdeckt. Nach Informationen der Zeitung handelt es sich um Einrichtungen in Münster und Essen. In den beiden Transplantationszentren gehe es aber nicht um so eindeutige Vergehen, wie es sie in Göttingen, Regensburg, München und Leipzig gegeben hat. Dort waren Krankenakten manipuliert worden, um Patienten vorzeitig eine der begehrten Spenderlebern zu verschaffen.

In Münster gab es den Angaben zufolge Unregelmäßigkeiten bei Dialysen. Die Prüfer bezweifelten, dass in allen Fällen eine für eine Transplantation relevante Indikation vorgelegen hat. Die Vorgänge seien "noch nicht endgültig bewertet", heißt es. "Die Frage ist: War das nur ein bisschen inkorrekt, oder waren das klare Verstöße gegen die Vergaberichtlinien?" In Essen steht laut SZ der Umgang mit den Spenderlebern in der Kritik.

Das Klinikum akzeptiere viele Organe niedriger Qualität, die anderswo abgelehnt werden, weil sie etwa verfettet sind oder von alten Spendern stammen. Auch deshalb komme Essen bundesweit auf die mit Abstand höchste Zahl an Lebertransplantationen. Die Frage sei, ob in Essen zu kranke Patienten solche Organe transplantiert bekamen. Fast 17 Prozent der Lebertransplantierten seien dort 2011 noch im Krankenhaus gestorben. Der Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Essen, Eckhard Nagel, sagte der Zeitung, er habe keine Hinweise auf Probleme von der PÜK erhalten.   

Offiziell äußerte sich die bei der Bundesärztekammer (BÄK) angesiedelte PÜK laut SZ nicht. Die Kommission kontrolliert im Auftrag ihrer Trägerorganisationen – BÄK, Deutsche Krankenhausgesellschaft und Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen – derzeit die 47 Transplantationszentren in Deutschland, darunter die 24 Leberzentren, und fahnden nach Auffälligkeiten bei der Vergabe von Spenderorganen. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) wollte den Bericht der PÜK ursprünglich im Juni präsentieren. Dies war auf Anfang September verschoben worden.    

Manipulationen künftig strafbar

Am 14. Juni hat der Bundestag Konsequenzen aus den Skandalen gezogen und eine Verschärfung der Transplantationsregeln beschlossen. Manipulationen an Wartelisten von Empfängern von Organspenden sind künftig strafbar. Ärzte müssen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren rechnen.

Nach dem Organspendeskandal an der Universitätsklinik Leipzig wurde zudem in der vergangenen Woche gegen drei Ärzte ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Die Leipziger Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung nach. Den Ärzten wird vorgeworfen, Patientendaten manipuliert zu haben, um Wartenden schneller zu einer Spenderleber zu verhelfen. Ob dadurch andere Patienten zu Schaden gekommen oder sogar gestorben sind, soll nun geklärt werden.

Im Juli 2012 hatte zunächst ein Göttinger Universitätsarzt für Schlagzeilen gesorgt. Er hatte Krankendaten gefälscht, um eigenen Patienten schneller eine Lebertransplantation zu ermöglichen. Daraufhin kamen Manipulationen bei Organtransplantationen auch an den Universitätskliniken Regensburg und München ans Licht.