Mehr als acht Jahre nach dem Mord an der Deutschtürkin Hatun Sürücü in Berlin, der als sogenannter Ehrenmord für Aufsehen sorgte, ermitteln türkische Behörden jetzt gegen zwei ihrer Brüder. Die Berliner Staatsanwaltschaft habe umfangreiches Ermittlungsmaterial übersandt, teilte die Justizverwaltung mit. Beide Brüder hatten sich in die Türkei abgesetzt.

Das Landgericht Berlin hatte für die tödlichen Schüsse auf die junge Frau den jüngsten Bruder 2006 wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten verurteilt, die er noch absitzt. Der zur Tatzeit 19-Jährige hatte ausgesagt, im Februar 2005 seine Schwester auf offener Straße erschossen zu haben, weil er glaubte, die Ehre der Familie retten zu müssen. Die Familie soll den westlichen Lebensstil der 23-jährigen Hatun nicht akzeptiert haben.  


Die Rolle der beiden älteren Brüder bei dem Mord konnte das Gericht damals nicht klären. Daher sprach es die beiden 2006 frei. Der Bundesgerichtshof hob die Freisprüche aber ein Jahr später auf und verwies den Fall zurück ans Landgericht. Der Prozess konnte in Berlin aber nicht mehr aufgenommen werden, weil die Brüder in die Türkei geflohen waren und wegen ihrer türkischen Staatsbürgerschaft nicht ausgeliefert wurden.

Der Mord an der Deutschtürkin hatte in Deutschland eine intensive Debatte über die Integration türkischer Einwanderer, Zwangsehen und Ehrenmorde ausgelöst.