Double Cheeseburger in einem Fastfood-Restaurant in Florida © Joe Raedle/Getty Images

Wir stehen heute vor der größten Gefahr für unsere Kultur seit der Erfindung des Hamburgers. Im Verborgenen arbeiten Politiker eben jetzt auf beiden Seiten des Atlantiks an einem Vertragswerk, das unsere Kultur mit Füßen treten und unsere Gesellschaft für immer korrumpieren wird. Ja, ich spreche vom kommenden Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA.

Kaum einer hat es wahrgenommen, aber dieses Abkommen ist so gestaltet, dass das ganze Land mit billigen Waren überflutet wird, die unserer Jugend die Werte rauben, unsere Künstler in die Banalität treiben und unserem Volk seine historische Identität rauben werden.

Wenn ich "das ganze Land" sage, meine ich natürlich nicht Deutschland, sondern Amerika. Werden die Tore einmal geöffnet, wird meine Heimat mit deutschen Waren überzogen und es heißt: "Bye bye, american way of life." Ich weiß schon, dass man es hierzulande anders sieht.

So sprach ein Kommentator in der Deutschen Welle neulich von einer Art "Handels-Nato", die die Welt wieder spaltet wie im Kalten Krieg und vor allem den Amis nützt. Ein durchaus nicht abgeneigter Artikel in der Süddeutschen Zeitung warnte vor dem ganzen Billigfleisch, das von Amerika nach Europa schwappen wird, und vor einer neuen Fastfood-Welle, vor allem durch die Brathähnchen-Kette KFC. Ein Verleger sagte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein großes Buchhandelssterben voraus, und auch in Frankreich geht die Angst um, die großartige französische Filmkultur werde von billigen Hollywood-Produktionen verdrängt.

Es ist wieder soweit: Die Europäer suhlen sich in der uralten Angst vor der "Amerikanisierung". Die Furcht vor einem transatlantischen Freihandelsabkommen ist tatsächlich nur eine Neuauflage jener allzeit beliebten Theorie, die zuerst bei den Nazis Hochkonjunktur erlebte, dann wieder von der 68er-Generation ausgegraben wurde.

Die Deutschen sehen sich gern als Opfer subversiver ausländischer Kräfte. Schon Stefan Zweig schrieb, die größte Gefahr für die europäische Kultur stelle die amerikanische Populärkultur mit ihren billigen Unterschichtentänzen wie dem Charleston dar. Acht Jahre später kam Hitler mit dem Versprechen an die Macht, Deutschland vor genau solchen ausländischen Übergriffen zu retten, und machte mit der deutschen Kultur das, was der Charleston nie konnte. Manche Leute wittern die Gefahr dort, wo es keine gibt, und sehen die Gefahr gar nicht, die auf sie zukommt.

Gibt es so etwas wie eine Amerikanisierung? Fangen wir bei Fastfood an. Es gibt in Deutschland rund 1.700 Hamburgerrestaurants, wenn man McDonalds und Burger King zusammenrechnet. Dafür gibt es etwa 3.500 China-Restaurants, 12.000 Döner-Läden und 23.000 Pizzerien. Wir Amis würden Deutschland schon gern amerikanisieren, aber die anderen waren wohl schneller.