FreihandelszoneGegen die Germanisierung Amerikas

Nur noch Fastfood und Hollywood – der Freihandel zwischen Europa und Amerika als Ende der europäischen Kultur? Die Amis müssen viel mehr fürchten, findet Eric T. Hansen. von 

Double Cheeseburger in einem Fastfood-Restaurant in Florida

Double Cheeseburger in einem Fastfood-Restaurant in Florida  |  © Joe Raedle/Getty Images

Wir stehen heute vor der größten Gefahr für unsere Kultur seit der Erfindung des Hamburgers. Im Verborgenen arbeiten Politiker eben jetzt auf beiden Seiten des Atlantiks an einem Vertragswerk, das unsere Kultur mit Füßen treten und unsere Gesellschaft für immer korrumpieren wird. Ja, ich spreche vom kommenden Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA.

Kaum einer hat es wahrgenommen, aber dieses Abkommen ist so gestaltet, dass das ganze Land mit billigen Waren überflutet wird, die unserer Jugend die Werte rauben, unsere Künstler in die Banalität treiben und unserem Volk seine historische Identität rauben werden.

Anzeige

Wenn ich "das ganze Land" sage, meine ich natürlich nicht Deutschland, sondern Amerika. Werden die Tore einmal geöffnet, wird meine Heimat mit deutschen Waren überzogen und es heißt: "Bye bye, american way of life." Ich weiß schon, dass man es hierzulande anders sieht.

So sprach ein Kommentator in der Deutschen Welle neulich von einer Art "Handels-Nato", die die Welt wieder spaltet wie im Kalten Krieg und vor allem den Amis nützt. Ein durchaus nicht abgeneigter Artikel in der Süddeutschen Zeitung warnte vor dem ganzen Billigfleisch, das von Amerika nach Europa schwappen wird, und vor einer neuen Fastfood-Welle, vor allem durch die Brathähnchen-Kette KFC. Ein Verleger sagte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein großes Buchhandelssterben voraus, und auch in Frankreich geht die Angst um, die großartige französische Filmkultur werde von billigen Hollywood-Produktionen verdrängt.

Veranstaltung mit Eric T. Hansen

Eric T. Hansen – Amerikaner, Berliner, Buchautor und Satiriker – schreibt regelmäßig eine Kolumne für ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Die ängstliche Supermacht – Warum Deutschland endlich erwachsen werden muss ist im Mai erschienen. Bei uns stellt er es vor:

am Donnerstag, 18. Juli 2013, um 19 Uhr im Newsroom von ZEIT ONLINE, Askanischer Platz 1, 10963 Berlin

Moderation: Carsten Luther, Politik-Redakteur bei ZEIT ONLINE

Der Eintritt ist frei, Anmeldung erbeten unter:

http://de.amiando.com/lesung3_zeitonline

Es ist wieder soweit: Die Europäer suhlen sich in der uralten Angst vor der "Amerikanisierung". Die Furcht vor einem transatlantischen Freihandelsabkommen ist tatsächlich nur eine Neuauflage jener allzeit beliebten Theorie, die zuerst bei den Nazis Hochkonjunktur erlebte, dann wieder von der 68er-Generation ausgegraben wurde.

Die Deutschen sehen sich gern als Opfer subversiver ausländischer Kräfte. Schon Stefan Zweig schrieb, die größte Gefahr für die europäische Kultur stelle die amerikanische Populärkultur mit ihren billigen Unterschichtentänzen wie dem Charleston dar. Acht Jahre später kam Hitler mit dem Versprechen an die Macht, Deutschland vor genau solchen ausländischen Übergriffen zu retten, und machte mit der deutschen Kultur das, was der Charleston nie konnte. Manche Leute wittern die Gefahr dort, wo es keine gibt, und sehen die Gefahr gar nicht, die auf sie zukommt.

Gibt es so etwas wie eine Amerikanisierung? Fangen wir bei Fastfood an. Es gibt in Deutschland rund 1.700 Hamburgerrestaurants, wenn man McDonalds und Burger King zusammenrechnet. Dafür gibt es etwa 3.500 China-Restaurants, 12.000 Döner-Läden und 23.000 Pizzerien. Wir Amis würden Deutschland schon gern amerikanisieren, aber die anderen waren wohl schneller.

Schafft es KFC mithilfe von Billigfleisch, Deutschland endlich flächendeckend zu erobern, wie sie das seit Jahren mit recht mäßigem Erfolg versuchen (bisher gibt es nur rund 100 Filialen)? Da muss ich spontan an Wendy's denken, die drittgrößte Fastfoodkette der Welt. In den achtziger Jahren fiel ihr auf, dass es in Deutschland nur zwei Hamburgerketten gab – eine Marktlücke also. Fleißig bauten sie Dutzende von Filialen auf. Und mussten sie nach wenigen Jahren wieder schließen. Es gibt in Deutschland nur zwei Hamburgerketten, nicht, weil es eine Marktlücke gibt, sondern weil die Nachfrage arg begrenzt ist.

Und das gilt nicht nur für Fastfood: In den neunziger Jahren versuchte die größte Bekleidungskette der Welt, Gap, in Deutschland Fuß zu fassen. Andere haben es schließlich geschafft: H&M aus Schweden, Benneton aus Italien, Zara aus Spanien, Primark aus England. Als die GAP-Läden wie Pilze aus dem Boden schossen, sagte ein Freund von mir: "Wenn das so weiter geht, gibt es bald an jeder Ecke einen GAP." Ein paar Jahre später schon gab es keinen GAP an keiner Ecke.

Was die Deutschen nicht wissen, die Amerikaner aber immer wieder schmerzhaft erfahren müssen: Deutschland ist der härteste Markt der Welt. Ganz im Gegensatz zu Amerika: Wir kaufen jeden Scheiß, der aus Europa kommt.  

Amerika ist kein Exportland

Und nicht nur Gummibärchen, BMWs und Zeugs, das von Heidi Klum beworben wird. Deutsche Banken, Chemie- und Technikfirmen gehören zu den wichtigsten Arbeitgebern in den USA; es gibt wenige Roboter an amerikanischen Fließbändern, die nicht mindestens zum Teil aus Deutschland kommen. Unser größter und wichtigster Verlag, Random House, gehört Bertelsmann. Für jede amerikanische Firma, die in Deutschland eine Niederlassung hat, gibt es zwei deutsche Firmen, die in Amerika Geschäfte machen.

Die Deutschen waren immer erfolgreicher in Amerika als die Amerikaner in Deutschland – und werden es immer sein. Der Grund: Nur rund zehn Prozent des amerikanischen Nationalproduktes stammt aus dem Export. In Deutschland dagegen liegt dieser Wert zwischen einem Viertel und einem Drittel. Deutschland ist ein Exportland, Amerika ist ein Binnenmarkt.

Deshalb sind die Europäer so scharf auf eine transatlantische Freihandelszone und die Amis eher nicht: Lange bevor Deutschland amerikanisiert wird, wird in meiner Heimat die Germanisierung schon stattgefunden haben.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. und Herr Hansen kann sich gern mit der Realität befassen, statt mal eben zu behaupten, Westdeutschland wäre nicht amerikanisiert worden.

    49 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Mari o
    • 16. Juli 2013 1:51 Uhr

    aber was ist deutsch? was ist amerikanisch? was ist europäisch? Wieviele bin ich? wo? für immer?oder ist das alles nur die Ablenkung von der Katastrophe,die uns nach der Wahl erwartet?
    german angst,Spezialität einer Bevölkerung der es schon mehrmals wie Schuppen von den Augen gefallen ist.

    • Suryo
    • 16. Juli 2013 15:46 Uhr

    Waren Sie schon einmal in Amerika?

    Selbst bei einem kurzen Besuch fallen einem auf Schritt und Tritt die Unterschiede zu Deutschland auf. Wenn das nach 60 Jahren "Amerikanisierung" herauskommt, dann hat Deutschland erstaunliche kulturelle Widerstandskräfte. Nur, weil man lieber Hollywoodfilme guckt als Filme von Doris Dörrie oder Jeans statt Dirndl anzieht, ist man noch lange nicht amerikanisiert.

  2. gibt es ja auch bei ALDI und Lidl genug (bzw. schon viel zu viel), und Hähnchenbräter stehen überall auf den Supermarkt-Parkplätzen. Außerdem hört sich "Kentucky Fried Chicken" in Deutschland komisch an und lädt zur Verballhornung ein: "Kentucky schreit F.....!"

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • simlei
    • 15. Juli 2013 18:57 Uhr

    Immer noch genialer plumper Humor >=)

    fritiertes und paniertes Hähnchen gegen gegrilltes Hähnchen (Broiler, wie man hier so schön sagt). Da steht für mich der Sieger fest.

    Ich war einmal in einem KFC. Und dann nie wieder...

  3. meine persönliche sorge ist, das zb firmen wie montsanto durch ddas freihandelsabklommen durch die hintertür doch noch ihre gen veränderten saatgute in europa verkaufen werden. und wir dann zum schluss gen mais vom biobauern beommen da der samen kein katasteramt kennt und dort hinfliegt wo der wind ihn trägt.

    ganz nebenbei heist das freihandelsabkommen wieder mehr markt konzentration bei den großen firmen, kleine und mittelständige unternehmen werden es noch schwerer haben zu überleben.

    wenn es alleine nur der abbau von zöllen wäre und die vereinheitlichung von zulasungsstandarts wie zb bei medikamenten hätte ich nichts dagegen. aber hier werden durch die hintertür entscheidungen aufgehoben gegen welche die bürger in europa lange gekämpft haben.

    74 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Ängste" - "Angst" ist schon längst in den US Sprachgebrauch eingegangen. Niemand auf der Welt hat so viele Ängste, wie die Deutschen.

    Auch hier hat Herr Hansen vielleicht nicht ganz Unrecht:

    "Von herausragender Bedeutung sind die Kooperationen mit Biotechnologieunternehmen wie Bayer CropScience und Monsanto."

    Die Angst der Amerikaner vor Bakterien in französischem Weichkäse ist da wohl mehr berechtigt. Im Gegensatz zu gentechnisch veränderter Nahrung sind daran nämlich schon nachweislich Menschen gestorben.

    Das die deutschen bei Gentechnik endlich mal rational durchgeschüttelt werden.
    Aber ich glaub eh nicht das es kommt. "Standarts harmonieren" klingt schön einfach. Aber wir haben die EU geschaffen damit die Standarts harmonisiert. Die Minister treffen sich alle paar Monate und ein Ganzes Parlament wurde gegründet. Und die EU gibt es ein halbes Jahrhundert.

    Und mit den USA, soll man das mal so eben in 2 Jahren nen Wisch aushandeln? Die Idee ist an naivität nicht zu übertreffen.

    Vor allem hat die USA selbst keine einheitlichen Standarts. Kalifornien macht seine eigenen Richtlinien, wie es ihnen passt.

    • an-i
    • 15. Juli 2013 23:55 Uhr

    ...und das ist gut so. Den US Amerikanern würde ein bisschen mehr Angst gut tun, um nicht nach dem Motto zu verfahren:
    1- macht euch die Erde Untertan!
    2- viel zu viel Elend in die Länder der Welt zu exportieren!

    durch die hintertür doch noch ihre gen veränderten saatgute in europa verkaufen werden.

    Ihnen ist aber schon klar, dass wir die "modernen" Sorten ebenfalls durch Genmanipulation erhalten haben, oder?

    Zur natürlichen, klassischen Züchtung gehört unter anderem die Verwendung von erbgutschädigender Substanzen wie Radioaktivität oder Giften. Diese Methode unterliegt keinerlei Auflagen und mehr als 3.000 Sorten wurden damit geschaffen, wie z.B. die Grapefruitsorten “Star Ruby” und “Ruby Red”, die heute oft in Bioläden verkauft werden.

    Im übrigen ist es auch nicht unüblich, per Gentechnik Veränderungen vorzunehmen, die auch durch eine Mutation entstanden sein könnten. Man schaltet z.B. ein Gen aus. Auch ein beliebter Anwendungsfall für obige Methode. Man erzwingt solange zufällige Mutationen, bis das Gen ausgeschaltet ist.

    Man macht also nichts anderes als die “Natur selbst” bei einer zufälligen Mutation getan hätte, nennt sich auch Evolution..

    da haben Sie völlig recht.

    Es geht um die Beseitigung von 'Handelshemmnissen', um alles also, daß die gnadenlose Konkurrenz um die letzten noch erreichbaren Profite beinträchtigen könnte.

    Es geht um die An/Gleichschaltung von rechtlichen und sozialen Standards, alles was dem ProfitHunger der Großanleger, den KonzernKomglomeraten - davon beherrschen, laut einer respektierten Schweizer Studie, gerade einmal 147 dieser Konglomerate mehr oder weniger die WeltWirtschaft - im Wege steht muß weg.

    Was bedeutet also dieses 'Abkommen'?

    Nun, zunächst einmal wird die €U keine Möglichkeit mehr haben, sich gegen Monsanto und Konsorten zu wehren - wg.Handelshemmnis - , gleiches gilt für Hormonfleisch etc etc. Wir müssen uns klar darüber sein, wer die Nahrung in der Hand hat hat alles in der Hand.

    Logischerweise werden alle Systeme von Bildung, Arbeitsrecht, PatentRecht, UrheberRecht, Sozialer Absicherung, Medizinischer Versorgung, Datenschutz mag man schon gar nicht mehr nennen, - es ist eine endlose Liste.

    Ach, bevor ich das vergesse - zugegeben nur eine Kleinigkeit - US-Bürger haben Anspruch auf zwei Wochen Urlaub, ja ja. grinsen Sie nur.

    Nach Besiegelung dieses 'Abkommens' werden Sie das auch kennenlernen.

    Denn die heimischen €liten werden es durchsetzen, weil ein längerer Urlaub natürlich die Kosten erhöht.

    Europa war und ist eine eine naheliegende und symphatische Idee

    Der Schritt von Europa zur €U war zerstörerisch. Das Abkommen zerstört Europa.

  4. bei Herr Hansen weiß man nie, wen er eigentlich gerade parodiert...

    31 Leserempfehlungen
  5. "Wenn das so weiter geht, gibt es bald an jeder Ecke einen GAP."

    Dafür gibt es an jeder Ecke andere Filialen, gerade in den Großstädten, was zu einer Vereinheitlichung der Einkaufs-Meilen führte.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... hat Hansen ja auch geschrieben. Warum wiederholen Sie das?

  6. "Bye bye, american way of life".

    Ist unser ultra-patriotischer Autor (ich habe Grund zur Annahme, er nächtigt in Ronald-Reagan-Bettwäsche) wirklich schon so germanisiert, dass er sich sogar den aller-dämlichsten Fehler der Deutschen im Englischen zueigen gemacht hat - "american" statt "American"?

    Oder ist dies am Ende nicht gar als ein bedenkliches Zeichen der Resignation zu werten?

    Was aber, wenn nicht einmal Eric T. mehr an "America, the greatest" glaubt? Wird es dann, liebe amerikanische Freunde der Heimatpropaganda, nicht langsam Zeit, ihn auszuwechseln? Mal echt jetzt. .

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    DAS soll der aller-dämlichste Fehler der Deutschen sein? Glaub ich kaum.

    By zee way: Schreibt man "allerdämlichste" nicht zusammen bzw. auseinander. Die Bindestrich-Variante erscheint mir die aller'--Verrückteste possible MöglichkeiD. Juckt es jetzt bei Inen?

    "Was aber, wenn nicht einmal Eric T. mehr an "America, the greatest" glaubt? Wird es dann, liebe amerikanische Freunde der Heimatpropaganda, nicht langsam Zeit, ihn auszuwechseln? Mal echt jetzt. "

    Oh nein, der Mann ist eloquent, intelligent, das ist der richtige Mann am richtigen Platz.

    Hansen ist ganz offensichtlich ein ausgekochter PR-Profi im Dienst der US-Eliten, nicht umsonst hat er eine Rubrik in einer Zeitung, deren Herausgeber der Atlantikbrücke angehört.

    Es ist nicht Hansen, der hier den Naivling gibt.

  7. ...Herr Hansen, wie so oft.

    >>Kaum einer hat es wahrgenommen, aber dieses Abkommen ist so gestaltet, dass das ganze Land mit billigen Waren überflutet wird, die unserer Jugend die Werte rauben, unsere Künstler in die Banalität treiben und unserem Volk seine historische Identität rauben werden.<<

    Wir sind uns also einig:
    Die USA müssen vor billigen Waren minderwertiger Qualität aus Europa geschützt werden! Amerikanische Waren für amerikanische Bürger, jawohl!

    Die Verbildung der amerikanischen Jugend mit fremdartigen europäischen Werten wie z. B. Datenschutz ist zu verhindern!
    Die Europäer tragen ja noch nicht mal Waffen, wenn sie volljährig sind, alles totale Weicheier!

    Die großartige Kunst von...ähmmm...da fällt mir gerade niemand ein...auf jeden Fall muß das erhalten bleiben, basta!
    Emmerich darf nie wieder einen Hollywoodfilm drehen!

    Und auf keinen Fall darf man den Amerikanern ihre überwältigende Geschichtsfülle der letzten 237 Jahre nehmen, das wäre mindestens ein Verbechen am Weltkulturerbe!

    Darauf kann es nur eine Antwort geben: diese sogenannte Freihandelsabkommen darf niemals abgeschlossen werden.
    Wie bereits gesagt, Herr Hansen - wir sind uns völlig einig.
    Falls Sie jetzt noch ihrer Regierung einen entsprechenden Hinweis geben könnten... ;-)

    65 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Lassen Sie mich doch bitte rekapitulieren:

    Einerseits gibt es seit 1776 in den USA eine Demokratie mit einer Verfassung (Constitution) die seit ihrer Entstehung 1788 nur massvoll dem Zeitgeist angepasst wurde. Bislang war es auch so, dass die schlimmsten Präsidenten, davon gab es einige, widerspruchlos nach dem Ende der zulässigen Amtszeit bzw. ihrer Abwahl den Stuhl geräumt haben.

    Was ist in dieser Zeit in Deutschland passiert:

    Es gabe eine Kleinstaaterei, die teilweise noch heute exisiert. Dann kam Napoleon, der dringend Soldaten für seine Armeen und Königreiche für seine Verwandten brauchte. Dann gab es wieder Kleinstaaterei. Ein Aufstand, der 1848 zu einem Land führen sollte, wurde blutig niedergeschlagen. Dann kam das Kaiserreich in Form einer Demokratur, ganz zum Schluss mit einem Irren auf dem Thron, der nichts besseres zu tun hat, als kräftig dabei mitzuhelfen, die Welt in Brand zu stecken. Dann gab es eine Demokratie, die von fast allen Bewohnern angefeindet und von den Parteien bekämpft wurde. Dann kam die tausendjährige Diktatur, die nach 12 Jahren und -zig Millionen Ermordeten zu Ende gegangen wurde. Dies hauptsächlich dank der USA. Den Rest, der auch nicht besonders toll war, den sollten Sie kennen.

    Welche Geschichtsfülle ist jetzt "überwältigend"?

    So suspekt mir die USA auch in manchen Angelegenheiten sind, aber allein die zeitliche Kürze oder die Andersartigkeit der Kultur oder Werte ist kein Grund, der Kultur ihr Existenzrecht abzusprechen oder einen Kulturimperialismus anderer Kulturen gutzuheißen.
    Leider hat sich der Begriff "kulturelle Unschärferelation", der mal von einem Politologen benutzt wurde, noch nicht bei uns festgesetzt. Man neigt dazu, seine eigene Kultur als die einzig richtige und gute einzuschätzen, und alle anderen sollten sich dies als Ziel setzen.

    • genug
    • 16. Juli 2013 13:10 Uhr

    ..findet gerade vor unseren Augen in der Agonie der uns vertrauten Staatsform statt: eine Demokratie in Freiheit und Sicherheit ist ein kulturell hochstehendes, komplexes, sich selbst regulierendes System, das auf die Mitwirkung der Bürger, deren freie Meinungsäußerung und die Sicherheit vor Überwachung angewiesen ist.

    Wie wir aktuell erleben, wird diese Demokratie mit Füßen getreten, um nicht von deren Beerdigung zu sprechen, wenn man die massiven Verstöße gegen unsere Grundrechte wahrnimmt. Vor diesem Hintergrund ist es die Pflicht der vom deutschen Volk gewählten Regierung, die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen auszusetzen, da man ein solches Abkommen nicht mit hinterlistigen "Partnern" vereinbaren kann.

    Solange durch Offenheit und Ehrlichkeit und das Eingeständnis von Schuld das Fundament von Vertrauen nicht wieder hergestellt ist, wäre ein Freihandelsabkommen politischer Selbstmord aus opportunistischen Gründen.

    Abgesehen davon glaube ich, dass es hier z.Zt. noch etwas zu früh ist für Satire im Stile eines Hansens. Die Probleme der unterschiedlichen Kulturen USA-Europa sind noch kaum erfasst, geschweige denn gelöst.

  8. "Schon Stefan Zweig schrieb, die größte Gefahr für die europäische Kultur stelle die amerikanische Populärkultur mit ihren billigen Unterschichtentänzen wie dem Charleston dar."
    ... der übrigens Jude war, und relativ unverdächtig gegenüber völkischen Ressentiments. Also - vielleicht hatte er ja nicht unrecht...
    Freihandel hat ohnehin wenig mit Wirtschaft zu tun - die Hollywood-Blockbuster erreichen uns auch bereits so -, interessantere Punkte wäre beispielsweise die Landwirtschaft, wo die USA bereits Mexikos Binnenwirtschaft mit genmanipuliertem subventioniertem Mais so weit ruiniert haben, daß dieses Mutterland des Mais' mittlerweile von Importen abhängig ist.
    Und daß es in den USA kaum noch unabhängige Buchläden gibt, ist leider auch Fakt.

    25 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    gegenüber völkischen Ressentiments?
    Derartiges war bis in die 30er Jahre nicht nur Sache der Rechten sondern weiter Kreise der Bevölkerung, darunter auch mehr oder weniger assimilierter Juden.

    " Bei einem Freihandelsabkommen geht es nur bedingt um Kultur."

    Machen Sie weiter, verbreiten Sie Ihre Erkenntnisse, tun Sie alles, um jederMensch zu verdeutlichen, was auf dem Spiel steht.

Service