Ägyptische SynagogeVereint im Hass gegen Juden

Die jüdische Gemeinde in Kairo hat nur noch zwölf Mitglieder, für die wichtigsten Feiertage kommt ein Rabbiner aus dem Ausland eingeflogen. Anfeindungen sind Alltag. von 

Die Shaar Hashamayim Synagoge in Kairo

Die Shaar Hashamayim Synagoge in Kairo  |  © Samir Raafat/Getty Images

Sie warten hinter dem Eisentor. Die Männer, Uniform, strammer Blick, gerade Haltung, haben die Gewehre fest über die Schulter geschnallt. Mit einem Kopfnicken winken sie die Besucher durch die Schleuse. Dahinter folgt der Sicherheitscheck: Taschen werden ausgeräumt, Kameraobjektive auseinandergeschraubt, Blöcke durchblättert. Die Shaar Hashamaim Synagoge in der Kairoer Innenstadt, Zentrale der Jüdischen Gemeinde, gleicht in diesen Tagen einem Hochsicherheitstrakt.

"Wir Juden haben in Ägypten schon immer in Angst gelebt", sagt Magda Silvera. Die Direktorin der Jüdischen Gemeinde in Kairo, Brille, halblanges Haar, weiße Bluse, sitzt in ihrem Büro gegenüber der Synagoge und zieht an ihrer Zigarette. "Aber im Moment sind wir in Alarmbereitschaft."

Anzeige

Denn seit den blutigen Kämpfen zwischen der Armee und den Anhängern der Muslimbrüder herrscht im Nil-Land ein Klima des Hasses. Beide Seiten treiben die Polarisierung weiter voran: Die Armee geht hart gegen ihre Kritiker vor, die Muslimbrüder rufen zum "Kampf der Märtyrer" auf. Eines indes eint beide Gruppen: ihr Groll gegen die Juden.

In den vom Militär gelenkten Medien und in den Pamphleten etlicher Unterstützergruppen dominieren antizionistische Parolen. Die Islamisten wiederrum propagieren verstärkt das "Ende des Staates Israel".

"In diesem Land schützt uns niemand", sagt Magda Silvera. "Entweder ignorieren uns die Ägypter oder sie jagen uns. Im Moment jagen sie uns."

Judentum in Ägypten begann vor 2.300 Jahren

Die jüdischen Gemeinden Ägyptens gehören zu den ältesten der Welt: In Alexandria lebten Juden schon seit der Stadtgründung durch Alexander den Großen. In der Nähe von Aswan entdeckten Forscher eine Synagoge aus der griechisch-römischen Zeit, was belegt: Die Geschichte des Judentums in Ägypten begann vor mehr als 2.300 Jahren.

Doch diese einst so großen Gemeinden am Nil sind heute fast verschwunden. Ein Grund sind die massiven Anfeindungen, denen die ägyptischen Juden seit der Gründung des Staates Israel 1948 ausgesetzt sind – auch wenn das Land seit 1979 einen Friedensvertrag mit Israel hat.

Leserkommentare
  1. ..die Juden sind eine Minderheit und beschweren sich. Was soll da erst die Mehrheit sagen, wenn ihre demokratische Wahl durch das Militär zunichte gemacht wird und ein Massaker anrichtet?

    In Àgypten sind die größten Leidtragenden immer noch die Menschen, die dieMehrheit der Bevölkerung ausmachen...

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    mehr fällt Ihnen dazu nicht ein?
    solange diese kranke ideologie das bewusstsein der ägyptischen massen verkleistert und sich allein im kollektiven hass auf die juden so etwas wie einigkeit herstellt, braucht man sich keine großen hoffnungen auf eine demokratische zukunft für dieses land machen.
    auch die 'demokratische' wahlentscheidung der "leidtragenden bevölkerungsmehrheit" ergab sich wohl nicht zuletzt aus dem versprechen mursis, den friedensvertrag mit dem judenstaat aufzukündigen und so den weg für die ersehnte finale lösung der judenfrage in der islamischen welt freizumachen.

    "In Àgypten sind die größten Leidtragenden immer noch die Menschen, die dieMehrheit der Bevölkerung ausmachen..."

    - dazu würde ich sagen, die Leidtragenden sind all jene, die leiden. Ganz unabhängig von politischer Einstellung, Religion oder ethnischer Zugehörigkeit.

    bevor Sie einen solchen Unsinn posten. Der demokratische Rechtsstaat zeichnet sich dadurch aus, dass die Mehrheit der Minderheit dieselben Rechte gewährt, die sie sich für sich in Anspruch nimmt und die Rechte der Minderheit auch zu verteidigen bereit.
    Mehrheit alleine ist noch keine hinreichende Legitimation zur Ausübung von Herrschaft. Erst und nur dann, wenn Minderheiten wie die Mehrheit behandelt werden, kann man von einer Demokratie sprechen.
    Minderheiten vorschreiben zu wollen, wie sie sich zu verhalten haben geht zu weit.

  2. Vielleicht bekommen wir auch mal einen Bericht über die Lage der shiitischen Minderheit in Ägypten?

    Gab es da nicht erst vor kurzem ein Massaker als ein Mob aus 3000 Menschen eine shiitische Moschee überfiel, 5 Personen mit Eisenstangen und Tritten zu Tode prügelten und weitere 30 schwer verletzte, während die Sicherheitskräfte seelenruhig dabei zuschauten?

    Der shiitische Sheikh Hassan Shehata wurde durch die Straßen Ägyptens geschleift. Die Videos auf Youtube dazu machen fassungslos!

    Komisch, wenn so etwas für die Medien kein Grund zur Berichterstattung ist!

    7 Leserempfehlungen
    • Mortain
    • 31. August 2013 18:37 Uhr

    Es ist eine der "tollen" Glanzleistungen im Orient, wie im Okzident, daß die Menschen es nicht schaffen zwischen gläubigen Juden unterschiedlichster Couleur, Menschen jüdischen Glaubens, Zionisten, Israelis und Menschen jüdischer Abstammung zu unterscheiden.

    Juden pauschal für Israel angebliche und reale Verfehlungen verantwortlich zu machen steht in guter Tradition des Antisemitismus.

    Hirn wo bist du hin?

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gläubige Juden, Menschen jüdischen Glaubens, Menschen jüdischer Abstammung - nicht nur in Orient und Okzident ist es schwer, das zu trennen. Das Judentum ist vom Selbstverständnis her anders als Christentum oder Islam. In ihm klingt noch heute ein sehr altes Volks- und Religionsverständnis an, in dem beides zusammenfällt. Juden missionieren auch nicht, und wer übertreten will, hat einiges vor sich. Im Christentum muss man sich nur taufen lassen, und im Islam reicht es schon, ein paar Worte zu sagen.

    Früher wussten die Juden in Deutschland selbst nicht, ob sie nun deutsche Juden oder jüdische Deutsche waren. Das wurde ihnen auch von deutschnationaler Seite vorgeworfen. Ob die Verbände heute eine einheitliche Sprachregelung haben, weiß ich nicht.

    Und so ist es auch schwer, Israel vom Judentum getrennt zu betrachten, denn der Staat existiert ja nur wegen des Zionismus. Immer wenn Journalisten ein Alternativwort für Israel suchen, schreiben sie "jüdischer Staat".

  3. mehr fällt Ihnen dazu nicht ein?
    solange diese kranke ideologie das bewusstsein der ägyptischen massen verkleistert und sich allein im kollektiven hass auf die juden so etwas wie einigkeit herstellt, braucht man sich keine großen hoffnungen auf eine demokratische zukunft für dieses land machen.
    auch die 'demokratische' wahlentscheidung der "leidtragenden bevölkerungsmehrheit" ergab sich wohl nicht zuletzt aus dem versprechen mursis, den friedensvertrag mit dem judenstaat aufzukündigen und so den weg für die ersehnte finale lösung der judenfrage in der islamischen welt freizumachen.

    25 Leserempfehlungen
    Antwort auf "okay, aber..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Muslimbrüder gehören zu den moderatesten islamischen Gruppen, denen soetwas vorzuwerfen ist nicht nur oberflächlich, sondern auch unfair.

    Der demokratische Umsturz von einer 5000 Jahre alten Diktatur in eine Demokratie lief absolut friedlich. Schauen Sie doch einfach auf die Demokratiebewegungen in Frankreich oder Deutschland. Als der franz. Kaiser gestürzt wurde, gabs ca. 30.000 Tote. Deutschland brauchte 2 Weltkriege bis zur stabilen Demokratie. Aber unter Mursi gab es keine Toten. Selbst während der Demos gegen ihn fiel kein einziger Schuss auf Demonstranten. Das gabs in Ägypten nie wieder. Vor ihm, zur Zeit von Mubarak wurden Demonstranten getötet, auch nach ihm, zur Zeit von Sisi, gabs und gibts Massaker.

    Sind nun dieMuslimbrüder, die keine toten Demonstranten auf ihr Konto verzeichnen krank und antidemokratisch?

    Und falls Sie jetzt auf brennende Kirchen verweisen, so sage ich Ihnen, dass die MB 6 Wochen friedlich protestiert haben, und die Kirchen erst dann anfingen zu brennen, als das Ultimatum des Militärs abgelaufen war....Verschwörungstheoretiker sehen darin einen Zusammenhang...

    des Vokabulars unserer Großväter? Mursi hat mit Israel in Sicherheitsfragen pragmatisch und verantwortlich kooperiert. Herzlich lieben muss er den Nachbarn im Norden hoffentlich nicht, oder? Die Aufkündigung des alten Friedensvertrages kann politische Ursachen haben, weil man der Auffassung ist, er sei für Ägypten nicht vorteilhaft. Natürlich müsste er dann durch einen anderen, neu verhandelten ersetzt werden. [...] Der Rückgriff auf dieses Vokabular stellt den hilflosen Versuch dar, die Muslimbrüder nachträglich noch als Antisemiten darzustellen. Ironischerweise zählt zu große Nachgiebigkeit gegenüber Israel zu den Anwürfen, mit denen Mursi diskreditiert und zugleich der Vulgär-Patriotismus der ägyptischen Straße angeheizt werden sollte. Dieser hat seit Nasser auch eine widerwärtige antisemitische Note. Nicht zufällig ist Nasser das Idol der neu/alten Machthaber und ihrer Unterstützer. Was man jetzt vom Militär erleben wird, ist die Wiederbelebung der kunstvollen Dialektik Mubaraks: auf unterer Ebene wird dem Israel-Hass und Antisemitismus nicht nur freie Bahn gelassen, sondern dieser auch angeheizt und politisch instrumentalisiert. Auf oberster Ebene aber wird ein engstmöglicher Kuschelkurs mit Israel betrieben, für sie die Schmutzarbeit mit Abriegelung des Gaza-Streifens betrieben und das gemeinsame Feindbild Palästinenser und Iran gepflegt.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf beleidigende Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/ff

    Das dürfte aber zu einem großen Teil daran liegen, dass die Ägypter sich mit einer Inbrunst und vaterländischen Begeisterung der Verhetzung und Gehirnwäsche durch die gelenkten Medien hingeben, wie ich es nie für möglich gehalten hätte, und wovon ich auch persönlich stark enttäuscht bin. Jüngstes Beispiel ist der Umgang mit den syrischen Flüchtlingen; zuvor bereits die Hasskampagnen gegen Personen, die die Absetzung Mursis erst unterstützt haben, sich angesichts der mit ihr verbundenen Massaker und anlaufenden polizeistaatlichen Verfolgung aber mit Grausen abgewandt haben, we z.B. der unglückliche Herr Baradei. Jetzt möchte ich die scheinheiligen Argumente hören, die gegen die Muslimbrüder ins Feld geführt worden waren, à la die Mehrheit macht noch keine Demokratie und es kommt auf den Umgang mit den MInderheiten an. Wer jetzt nicht das Kind beim Namen nennt, wird angesichts des von der Militärregierung gehegten Vulgär-Antisemitismus und Nationalismus die politisch begründete Israel-Kritik Mursis bald vergeblich zurückwünschen...

  4. "In Àgypten sind die größten Leidtragenden immer noch die Menschen, die dieMehrheit der Bevölkerung ausmachen..."

    - dazu würde ich sagen, die Leidtragenden sind all jene, die leiden. Ganz unabhängig von politischer Einstellung, Religion oder ethnischer Zugehörigkeit.

    14 Leserempfehlungen
    Antwort auf "okay, aber..."
  5. Die Muslimbrüder gehören zu den moderatesten islamischen Gruppen, denen soetwas vorzuwerfen ist nicht nur oberflächlich, sondern auch unfair.

    Der demokratische Umsturz von einer 5000 Jahre alten Diktatur in eine Demokratie lief absolut friedlich. Schauen Sie doch einfach auf die Demokratiebewegungen in Frankreich oder Deutschland. Als der franz. Kaiser gestürzt wurde, gabs ca. 30.000 Tote. Deutschland brauchte 2 Weltkriege bis zur stabilen Demokratie. Aber unter Mursi gab es keine Toten. Selbst während der Demos gegen ihn fiel kein einziger Schuss auf Demonstranten. Das gabs in Ägypten nie wieder. Vor ihm, zur Zeit von Mubarak wurden Demonstranten getötet, auch nach ihm, zur Zeit von Sisi, gabs und gibts Massaker.

    Sind nun dieMuslimbrüder, die keine toten Demonstranten auf ihr Konto verzeichnen krank und antidemokratisch?

    Und falls Sie jetzt auf brennende Kirchen verweisen, so sage ich Ihnen, dass die MB 6 Wochen friedlich protestiert haben, und die Kirchen erst dann anfingen zu brennen, als das Ultimatum des Militärs abgelaufen war....Verschwörungstheoretiker sehen darin einen Zusammenhang...

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "?......"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    .

    >>Und falls Sie jetzt auf brennende Kirchen verweisen, so sage ich Ihnen, dass die MB 6 Wochen friedlich protestiert haben, und die Kirchen erst dann anfingen zu brennen, als das Ultimatum des Militärs abgelaufen war..<<

    Ihnen ist schon aufgefallen, dass es kein Ultimatum der Kirchen sondern ein Ultimatum des Militärs war?
    Und was ist daran moderat, wenn man "immerhin" 1 1/2 Monate braucht, bevor man fremde Gotteshäuser anzündet?

    und diesen aufgeblasenen Unsinn schreiben Sie jetzt im Zusammenhang mit dem herrschenden Antisemitismus?

  6. Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Schade..."
  7. >>Und falls Sie jetzt auf brennende Kirchen verweisen, so sage ich Ihnen, dass die MB 6 Wochen friedlich protestiert haben, und die Kirchen erst dann anfingen zu brennen, als das Ultimatum des Militärs abgelaufen war..<<

    Ihnen ist schon aufgefallen, dass es kein Ultimatum der Kirchen sondern ein Ultimatum des Militärs war?
    Und was ist daran moderat, wenn man "immerhin" 1 1/2 Monate braucht, bevor man fremde Gotteshäuser anzündet?

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Schade..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die 6 Monate habe ich genannt, um zu verdeutlichen, dass die Muslimbrüder friedlich protestert haben. Dann kam das Ultimatum des Militärs und zeitgleich brannten Kirchen. Verschwörungstheoretiker verweisen auf Algerien im Jahre 1992, wo ebenfalls islam. Parteien die Wahl gewonnen haben und das Militär dies annuliert hatte. Nachweislich hat das Militär Zivilisten angegriffen und dies der islamischen Partei angehängt, um eine Rechtfertigung für ein Eingreifen des Militärs zu finden. Verschwörungen meinen, dass das ägyptische Militär ebenfalls die gleiche Taktik verwendet...

    Quellen

    http://de.wikipedia.org/w...

    http://de.wikipedia.org/w... Abschnitt ,,schmutziger Krieg".

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ägypten | Feiertag | Israel | Judentum | Synagoge | USA
Service