Kirchenoberhaupt : Papst Franziskus meldet sich per Telefon

Der Papst hat erneut seine unkonventionelle Art unter Beweis gestellt. Ein junger Mann hatte ihm geschrieben – da rief er einfach an: "Hallo, hier ist Papst Franziskus."
Papst Franziskus © Alessandro Bianchi/Philippe Huguen/AFP/Getty Images

Papst Franziskus hat einen Gläubigen angerufen, um mit ihm zu plaudern. Der 19-jährige Italiener Stefano Cabizza soll dem Kirchenoberhaupt einen Brief geschrieben haben, den der Papst während eines Telefonats beantwortet hat, berichtet die Zeitung Il Gazzettino

"Hallo, hier ist Papst Franziskus", soll sich der Argentinier gemeldet haben und anschließend acht Minuten lang mit dem Gläubigen geredet, gelacht und gescherzt haben. Der Papst habe Wert darauf gelegt, dass der Schüler ihn duze. "Meinst du etwa, die Jünger hätten Jesus gesiezt?", habe Franziskus gesagt. "Wir sind nun Freunde und ich duze meine Freunde."

Jorge Mario Bergoglio, wie der Papst mit bürgerlichem Namen heißt, ist bekannt für seine Bürgernähe und seine unkonventionelle Art. Er ruft gerne Freunde oder auch Journalisten an und erkundigt sich nach einem kranken Angehörigen, nach Prüfungsergebnissen oder nach Geburtstagen. Der Papst hält nichts von aufwändiger Kleidung oder Zurschaustellung von Reichtum. Auf seinen Reisen schüttelt er Hunderte Hände – und hebt sich damit von seinem Vorgänger Joseph Ratzinger ab.

Papst Franziskus, der seit dem 13. März 2013 das oberste Amt der katholischen Kirche inne hat, ist seinen Anhängern schon häufig durch seine bescheidene Art aufgefallen. Auf dem Weltjugendtag nahm Franziskus fünf Jugendlichen die Beichte ab – auf einer einfachen Holzbank mitten in der Menge anstatt hinter dem extra für ihn aufgebauten Altar. Obwohl es vorgesehen ist, dass diese Ehre nur Männern zu teil wird, wusch der Papst zwei Frauen die Füße und verärgerte damit einige eher konservative Kirchenmitglieder. Auch bei großen Veranstaltungen verlässt Franziskus sein Papamobil und wird zu einem greifbaren Bürger.

Papst Franziskus fordert die Menschen dazu auf, sich für "eine Welt der Gerechtigkeit, der Liebe, der Brüderlichkeit, der Solidarität" einzusetzen. Mit seiner unkonventionellen Art erreicht der Papst viele Menschen. Vielleicht hofft er auch darauf, dass sich wieder mehr Leute mit der katholischen Kirche indentifizieren können – und Mitglied bleiben oder werden.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Jetzt kennenlernen

Kommentare

27 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Es ist doch wohl ein wenig komplizierter

Vielleicht sollten sie sich erst einmal verinnerlichen, was die letzten 100 Jahre rund um den Globus geo-politisch passiert ist.

Der Zusammenhang erschließt sich mir einfach nicht und ist kurz gedacht.

Stellen sie sich vor jemand würde behaupten, dass es ja schon merkwürdig auffällig sei, dass überall wo überwiegend Schwarze leben, die Länder vor die Hunde gehen.
Da muss doch ein Zusammenhang sein!

Viele dieser "islamischen" Länder haben in den letzten Jahrzehnten furchtbares durchgemacht.
Meist regiert von fiesen Typen. Fiese Typen, die nicht zuletzt auch vom Westen hofiert wurden.
Mit fiesen Typen lassen sich halt leichter Geschäfte machen.

.oOo.

Die Ayatollahs haben ihm aber auch kein Brief geschrieben, und legen auch kaum Wert darauf mit dem Papst ein Dialog zu beginnen, so wie sich die Ayatollahs des Maghreb oder Arabiens öffentlich äußern.

- der Maghreb gehört ebenfalls zur Arabischen Welt
- Ayatollahs sind schiitische Geistliche und als solche nicht von einer besonders hervorgehobenen Bedeutung in den mehrheitlich sunnitischen Arabischen Staaten, wenn man vom Irak und dem Libanon absieht.