Die russische Küstenwache hat das Greenpeace-Expeditionsschiff Arctic Sunrise in der Arktis gestürmt. Wie eine Umweltschützerin telefonisch schilderte, kamen etwa 15 bewaffnete Männer an Borddes Schiffes, mit der Greenpeace gegen Ölbohrungen in den dortigen Gewässern protestierte. Die Küstenwache hätte die 29 Umweltschützer in einem Raum zusammengetrieben und den Kapitän separat auf der Kommandobrücke festgehalten. 

Mit Maschinenpistolen bewaffnete Männer hätten sich von einem Hubschrauber auf den Eisbrecher abgeseilt, hieß es. Daraufhin hätten sie mit einer Durchsuchung des Schiffes begonnen. Besatzungsmitglieder müssten auf dem Deck knien und würden von Grenzsoldaten mit Maschinenpistolen bedroht, teilte Greenpeace mit.   

Sergej Tsyplenkow, der Geschäftsführer von Greenpeace Russland, teilte mit, die Küstenwache habe "effektiv das Schiff beschlagnahmt", ohne jedoch die rechtliche Grundlage dafür zu besitzen. Der russische Inlandsgeheimdienst, dem auch die Küstenwache unterstellt ist, erklärte dazu, ihm lägen keine Informationen über diese Beschwerden vor.

Nach Angaben der Umweltorganisation lag die Arctic Sunrise, die unter niederländischer Flagge fährt, zu dem Zeitpunkt in internationalen Gewässern in der Barentssee. Greenpeace wirft Russland vor, das ökologisch sensible Gebiet mit den Bohrungen zu gefährden.  

Greenpeace-Aktivisten wollten russische Ölplattform besetzen

Am Mittwoch hatten Greenpeace-Aktivisten versucht, die Ölplattform Priraslomnaja des Staatskonzerns Gazprom in der Petschorasee zu besetzen. Dabei waren eine Finnin und ein Schweizer festgenommen worden. Russische Grenzsoldaten hatten zuvor Warnschüsse abgefeuert und die Arctic Sunrise zur Umkehr aufgefordert.

Das Außenministerium in Moskau bestellte nach dem Vorfall den niederländischen Botschafter ein. Die Aktivisten hätten "provozierend und lebensgefährdend eine ökologische Katastrophe in Kauf genommen", teilte die Behörde mit.

Greenpeace wies die Vorwürfe zurück. Die Küstenwache halte entgegen internationalen Rechts weiter die beiden Aktivisten fest, ohne ihnen konkrete Vorwürfe zu machen, teilte die Organisation mit. Vor der Gazprom-Zentrale in Moskau demonstrierte Greenpeace für die Freilassung seiner Mitglieder. Für diesen Freitag rief Greenpeace zu Protesten vor russischen Botschaften in aller Welt auf.