Das Landgericht Bonn hat ein Urteil wegen der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener gegen den Bonner Burschenschafter Norbert Weidner bestätigt. Richter Marc Ermann verwarf die Berufung Weidners und bestätigte das Urteil der Erstinstanz, demnach der Verurteilte 40 Tagessätze á 30 Euro zahlen muss.   

Der studierte Wirtschaftsjurist war eine zentrale Figur im seit Jahren währenden Konflikt zwischen liberalen Verbindungsbrüdern und dem ultrakonservativen Flügel der Burschenschaften. Nach langem Machtkampf verlor er während des Burschentages 2012 seinen Posten als Chefredakteur der Verbandszeitschrift Burschenschaftliche Blätter. Er hatte Ende 2011 in einem internen Mitteilungsblatt die Verurteilung des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffers als "juristisch gerechtfertigt" bezeichnet. Der Theologe sei "zweifelsfrei ein Landesverräter" gewesen, schrieb Weidner.  

Er merkte zwar auch an, dies dürfe "nicht als Sympathiebekundung für den Nationalsozialismus verstanden werden". Das Eintreten gegen eine "totalitäre Diktatur" sei "ehrenwert". Landesverrat auf Kosten Tausender Soldaten an der Front sei aber kein "probater Weg" und zeuge von mangelnder Moral.

Die Staatsanwaltschaft wurde aufmerksam, ermittelte und stellte ein "besonders öffentliches Interesse" an der Angelegenheit fest. Ein Strafbefehl folgte. Weidner zahlte nicht, das Amtsgericht Bonn verurteilte ihn, Weidner ging in Berufung.    

Bonhoeffer unmoralisch?


Wie auch schon im ersten Prozess hatte das Landgericht mit großem Medienandrang gerechnet, die Sitzplatzvergabe für Journalisten und Prozessbesucher penibel geplant, die Foto- und Filmaufnahmen genau geregelt. Am Ende hielt sich der Andrang in Grenzen, als Weidner Platz nahm – begleitet von zwei Burschenschaftern und das Gesicht mit einem Aktendeckel abgeschirmt.

Richter Ermann kam nach Angaben eines Gerichtssprechers zu der Einschätzung, dass Weidners Beitrag in dem Mitteilungsblatt den Eindruck erwecke, dass Bonhoeffer mit seinem Widerstand gegen das NS-Regime unmoralisch handelte. Das sei "nicht hinzunehmen". Weidners Anwalt Björn Clemens hatte zuvor argumentiert, in der einschlägigen Literatur werde der Theologe häufig als Landesverräter bezeichnet. Den Richter überzeugte das nicht.     

Erster Strafprozess seit Jahrzehnten

Weidner war nach dem Schuldspruch in Berufung gegangen, weil er grundsätzliche Fragen berührt sah. Unterschiedliche Bewertungen historischer Sachverhalte dürften nicht zu strafrechtlichen Ermittlungen führen, sagte er damals. Der Burschenschafter will sich auch mit dem zweitinstanzlichen Urteil nicht zufriedengeben: Weidner kündigte an, in Revision zu gehen.

Nachtrag: Norbert Weidner legt Wert auf die Feststellung, dass er nicht die Hinrichtung, sondern die Verurteilung Bonhoeffers zum Tode für  juristisch gerechtfertigt hält, die Hinrichtung dagegen kritisierte. Wir haben die Passage entsprechend geändert.