Eine Mutter mit ihrem unterernährten Kind in Mauretanien © Susana Vera/Reuters

Einer Studie der Walk Free Foundation zufolge sind knapp 30 Millionen Menschen weltweit Opfer moderner Sklaverei. Sie werden wie Eigentum behandelt, ohne selbst etwas besitzen zu dürfen. Die Unterdrückten dürfen sich nicht frei äußern oder selbst Entscheidungen fällen, sie werden von anderen kontrolliert und missbraucht. Häufig sind sie Gewalt, Drohungen oder Nötigungen ausgesetzt. Manche Opfer werden entführt und weiterverkauft, zwangsverheiratet oder als kostenlose Arbeitskräfte ausgenutzt.

Der Studie zufolge findet man diese Art der Ausbeutung vor allem in Teilen Westafrikas und im Süden Asiens. Dort würden auch noch immer Menschen in die Sklaverei hineingeboren, heißt es in dem Bericht, der erstmals weltweit die Bedingungen für Sklaverei untersucht und die Verhältnisse in 162 Ländern dargestellt hat.  Die für die Studie verantwortliche Stiftung Walk Free ist in Australien ansässig. Sie wird unter anderen von der früheren US-Außenministerin Hillary Clinton und dem Mitgründer des US-Technologiekonzerns Microsoft, Bill Gates, unterstützt.

Mit 14 Millionen Sklavenarbeitern liegt Indien zahlenmäßig an der Spitze der von Walk Free aufgestellten Liste, gefolgt von China (2,9 Millionen) und Pakistan (2,1 Millionen).

Was den Anteil der modernen Sklaven an der Bevölkerung betrifft, liegt Mauretanien mit vier Prozent auf dem ersten Platz. In dem westafrikanischen Land gebe es noch "erbliche Sklaverei", sagte der Generaldirektor von Walk Free, Nick Grono. Kinder würden dort "als Sklaven geboren" und zur Arbeit im Haushalt oder zur Feldarbeit gezwungen.

Auf den Plätzen zwei und drei landen laut dem Bericht Haiti, wo die Versklavung von Kindern extrem zugenommen hat, und Pakistan. In Freiheit leben die meisten Menschen in Island, Irland und Großbritannien.

Keine exakten Daten aus Deutschland

Deutschland belegt Platz 136. Allerdings lagen den Forschern für Deutschland keine konkreten Zahlen vor, sodass sie auf Hypothesen angewiesen waren. So formulierten die Forscher, dass kein Land frei von Sklaverei sei und mutmaßten, dass der deutsche Wert höher liegen müsse als der in Großbritannien und niedriger als in Amerika. Ihr Fazit: In Deutschland müssten zwischen 10.000 und 11.000 moderne Sklaven leben.

"Das ist sicherlich nicht der beste Weg, um genaue Zahlen zu erheben", heißt es in der Studie. Man hoffe, für den zweiten Bericht mehr Material auswerten zu können.