Das Nötigste über Sex hat Ewiya in der Schule gelernt. "Ich wusste, wie das geht, es war kein Wunder, dass ich schwanger wurde", sagt die jugendliche Uganderin. In zwei Monaten will sie im Hauptstadtviertel Naguru im Krankenhaus ihr erstes Kind zur Welt bringen.

Im nahe gelegenen Teenage Information and Health Center sitzt sie auf einer der Holzbänke zwischen den Gebäuden und wartet auf ihren nächsten HIV-Test, bislang war immer alles in Ordnung. "Ich bin glücklich, ich wollte das Kind" – ohne ein Lächeln klingt das nicht überzeugend. Ebenso wie Ewiyas Alter: 20, behauptet sie. "Nicht alle Mädchen sind da ehrlich", sagt Gorreth Nakiwala, die hier als Hebamme die Schwangeren bis zur Geburt berät und unterstützt. "Viele, die noch minderjährig sind, wollen das nicht zugeben, und wir prüfen es nicht."

Die kleine Gesundheitsstation in Naguru hilft besonders 10- bis 24-Jährigen und war in den neunziger Jahren eine der ersten, die sich speziell auf junge Menschen einstellte. Aufklärung über sexuell übertragbare Krankheiten und Familienplanung, Betreuung vor und nach der Schwangerschaft, HIV-Tests und -Behandlung – gerade in Entwicklungsländern sind dies wichtige Angebote: Jede fünfte Frau wird dort inzwischen schwanger, bevor sie 18 Jahre alt wird; jährlich werden 7,3 Millionen Minderjährige Mutter (weltweit: 13,1 Mio.); täglich sterben fast 200 Mädchen zwischen 15 und 19 in Entwicklungsländern infolge von Komplikationen während Schwangerschaft oder Geburt. Auf das Thema Teenagerschwangerschaften hat eben erst der Weltbevölkerungsbericht aufmerksam gemacht.

Sex ist ein Tabu

Das Interesse ist groß, und viele Jugendliche nehmen die Beratungsangebote gern an. "Aber in vielen afrikanischen Kulturen, auch in Uganda, ist es sehr schwierig, über diese Dinge zu sprechen: Sex ist ein Tabu", sagt die Sozialarbeiterin Rose Omega Aliru. Das Wichtigste sei deshalb, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Jugendlichen willkommen und verstanden fühlen. "Ihre Eltern oder andere Verwandte können sie vieles nicht fragen, sie schämen sich oder stoßen auf Ablehnung. Auch deshalb müssen wir mit den Nöten und Bedürfnissen hier vertraulich und sehr respektvoll umgehen."

Inzwischen gibt es viele junge Leute, die sich rund um die Gesundheitsstation engagieren: Sie organisieren Angebote in einem Klub, geben ihr Wissen über Familienplanung weiter, tragen mit Musik, Tanz und Theater Informationen zur Sexualaufklärung spielerisch in die Gemeinden – oder werben einfach für die Beratung in Naguru. Vor allem haben sie es aufgrund ihres Alters sehr viel leichter, mit den anderen Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

Nicht alles so, wie die Jungs sagen

Unterstützt werden diese Aktivitäten auch von der in Hannover ansässigen Stiftung Weltbevölkerung: Sie bildet die Jugendberater aus, produziert Broschüren, Plakate oder auch Zeitungen, an denen die Jugendlichen sich beteiligen können, gibt Anschubfinanzierungen für kleine Geschäftsideen, um die Arbeit der Klubs nachhaltig abzusichern – insgesamt an rund 400 Stellen in Uganda.

Ewiya hat mit ihren beiden Schwestern viel über die Schwangerschaft gesprochen. Was die Eltern dazu sagen, bleibt im Dunkeln. Doch ihre Mutter, verrät sie, wird sich mit um das Kind kümmern – Ewiya will ihre Schule abschließen und später Betriebswirtschaft studieren.

Hinter ihr läuft in verwaschenen Bildern ein Video, überall hängen Poster, die für Impfungen werben, über Verhütung informieren, zum Schutz vor Infektionen raten. Fast alle schauen auf den kleinen Fernseher in der Ecke. Der Film soll das Warten verkürzen, vielleicht bleibt auch ein wenig davon hängen, was die romantische Geschichte vermittelt: wie ein Paar eine Schwangerschaft vermeiden kann oder sich die Partner vor Ansteckungen schützen können – und das es eben nicht immer so ist, wie die Jungs sagen. Peter Mpinga, der Direktor der Gesundheitsstation, benennt das Problem: "Die Jugendlichen holen sich ihre Informationen von allen möglichen Stellen, manches davon ist gut und richtig, manches ist irreführend oder sogar gefährlich."