In Belgien können voraussichtlich bald auch Kinder legal Sterbehilfe erhalten. Der Sozial- und der Justizausschuss des belgischen Senats stimmten mit breiter Mehrheit für eine Erweiterung des bisherigen Gesetzes. Danach können kranke Minderjährige Sterbehilfe bekommen, wenn sie unter unerträglichen körperlichen Qualen leiden. Sie müssen sich außerdem schon in der Endphase ihrer Erkrankung befinden. Sowohl Kinder als auch Eltern müssen dem Schritt zugestimmt haben.   

Vertreter der christlichen Kirchen, des Judentums und des Islams in Belgien äußerten sich enttäuscht über die Entscheidung. "Dem Leben ein Ende zu setzen, ist nicht nur ein Akt des Tötens. Es zerstört auch mehr und mehr den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft", teilten sechs hochrangige Religionsvertreter der christlichen Kirchen, des Judentums und der Muslime in einem gemeinsamen Schreiben mit. Sie forderten mehr Engagement für eine Schmerztherapie. "Die Medizin hat die Mittel, das Leiden zu lindern", schrieben sie. 

Der Gesetzentwurf wird nun im Plenum der beiden belgischen Parlamentskammern debattiert. Experten zufolge könnte das Gesetz pro Jahr etwa ein Dutzend Kinder betreffen, etwa junge Patienten mit einer unheilbaren Krebserkrankung. Die neuen Regelungen für Minderjährige wären strenger als die schon existierenden Vorgaben für Erwachsene: Letztere können auch bei schweren, aber nicht-tödlichen Leiden Sterbehilfe erhalten. So hatten jüngst zwei taubblinde Männer aus Flandern die Möglichkeit des Freitods mit ärztlicher Hilfe genutzt.

Belgien sowie das Nachbarland Niederlande besitzen die liberalsten Sterbehilfe-Regelungen Europas. Die aktive Sterbehilfe ist in Belgien seit dem Jahr 2002 erlaubt. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Land mehr als 1.400 Fälle, gegenüber 235 im ersten Jahr nach der Legalisierung. Befürworter argumentieren, dass die rechtliche Freigabe eine verborgene Praxis teilweise ans Licht geholt habe.

Anfang November hatten 16 belgische Kinderärzte in einem Offenen Brief die legale Sterbehilfe für Minderjährige gefordert. Bei schwerkranken Kindern sei oft eine große persönliche Reife zu beobachten. Indessen komme ein solcher Schritt nur als letzte aller verfügbaren Möglichkeiten infrage.