Mit gewaltiger Wucht ist der Taifun Haiyan über die Philippinen hinweggezogen. Noch ist unklar, wie viele Menschen dabei umgekommen sind. Bisher ist von bis zu 10.000 Toten die Rede, Helfer befürchten aber eine noch größere Katastrophe. Die Vereinten Nationen schätzen, dass in der Region 4,3 Millionen Menschen Hilfe benötigen könnten. Der Sturm erreichte Geschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometern pro Stunde, an den Küsten brachte er mehr als drei Meter hohe Flutwellen.   

Helfer des UN-Katastrophen-Einsatzteams erreichten die besonders betroffene Stadt Tacloban bereits wenige Stunden nach dem Unglück. Sie berichteten von einer Verwüstung, die an den Tsunami am Weihnachtstag 2004 erinnere. Mehr als 80 Prozent der Gebäude seien zerstört worden. Der Strom ist ausgefallen, Nahrung und Trinkwasser fehlen.    

Auch viele Mitarbeiter der Hilfsorganisationen fühlen sich an die Tsunami-Katastrophe von Ende 2004 im Indischen Ozean erinnert. "Damals war das betroffene Gebiet ungleich größer", sagt Caritas-Sprecher Achim Reinke. "Aber unsere Ersthelfer berichten von einer ähnlichen Verwüstung vor Ort." Auch damals habe es zunächst viele unzugängliche Gebiete gegeben, die Opferzahlen seien dann binnen weniger Tage drastisch gestiegen.

Die Caritas hat bereits mit ersten Hilfslieferungen begonnen. Aus Beständen im Land brachte die Organisation 18.000 Zeltplanen, 18.000 Hilfsgüterpakete und eine Million Tabletten zur Trinkwasserbereitung in die betroffenen Gebiete. Zudem sei ein Flugzeug mit einem weiteren Helferteam unterwegs.

Auch von staatlicher Seite kommt Hilfe. Deutschland etwa zahlt 500.000 Euro an die Philippinen. Die EU-Kommission sagte drei Millionen Euro Soforthilfe zu. Zudem seien Experten der Kommission vor Ort.   

"Aus vielen abgeschiedenen Küstenregionen haben wir noch keine Nachrichten, das macht uns Sorgen", sagt Caritas-Sprecher Reinke. "Wir wollen Caritas-Helfer dorthin bekommen." Allerdings seien noch viele Straßen unpassierbar und viele Flughäfen geschlossen. Unklar sei auch, wie viele Verletzte es gebe, sagt der Caritas-Sprecher. "Das feucht-warme Klima könnte die Ausbreitung von Seuchen fördern."

"Da ist kein Stein mehr auf dem anderen"

Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks sind unterwegs nach Manila. Dort sollen sie prüfen, welche Hilfen benötigt werden. Die Organisation geht aber davon aus, dass sie Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen in die Region bringen wird. "Dafür gibt es sicher eine große Notwendigkeit", sagt ein THW-Sprecher.

Ein Kriseninterventionsteam der UN-Kinderschutzorganisation Unicef sei bereits in den Philippinen eingetroffen, ein weiteres sei unterwegs. "Ähnlich wie nach dem Tsunami sind sehr arme Gebiete betroffen mit schlechter Gesundheitsversorgung", sagt Unicef-Sprecher Rudi Tarneden. Die Zerstörung dort sei gewaltig, "da ist kein Stein mehr auf dem anderen".

Der Leiter des Unicef-Gesundheitsprogramms in den Philippinen, Will Zeck, schätzt, dass 1,7 Millionen Kinder von den Folgen der Katastrophe betroffen sind. "Wir wissen, dass diese Kinder schon vor dem Taifun schlechte Gesundheits- und Ernährungszustände hatten." Auch sei davon auszugehen, dass viele ihre Eltern verloren hätten. Unicef plant eine Hilfsaktion, damit die Betroffenen ein Dach, Essen und Zugang zu hygienischen Einrichtungen bekommen. "Die Situation momentan ist selbst für uns bei den Vereinten Nationen beinahe unvorstellbar", sagt Zeck. "Es wird sich erst weisen, wie viele Opfer es gibt."