Der Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern muss vor Gericht und sich dort ab März der Steuerhinterziehung verantworten, doch die Verantwortlichen des Vereins stellen sich hinter ihn. Der Aufsichtsrat, hieß es am Montag in einer Mitteilung, sei "einvernehmlich" der Meinung, dass Uli Hoeneß an der Spitze des Kontrollgremiums bleiben soll. Das stößt in Teilen von Politik und Gesellschaft auf Empörung und Unverständnis.

So kritisierte der SPD-Fraktionsvize Joachim Poß den Aufsichtsrat des Bundesliga-Vereins für seine Haltung. "Die rechtsstaatliche und moralisch-ethische Ignoranz dieser Spitzenmanager schlägt dem Fass den Boden aus", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger. "Ich habe jedenfalls andere rechtsstaatliche und moralische Vorstellungen als diese hochmögenden Herren. Das verschlägt einem schon gelegentlich die Sprache." Hoeneß sei zur "Symbolfigur der Oberschichtenkriminalität geworden – der Oberschichtenkriminalität mit Namen Steuerbetrug", fügte Poß hinzu.

Kritik am Votum des Aufsichtsrats kam auch von Transparency International. Es gehe um eine "moralische" Frage und darum, wie glaubwürdig ein Mensch für die Einhaltung von Regeln stehe, erklärte die Anti-Korruptions-Organisation. Auch Linken-Parteichef Bernd Riexinger forderte im Handelsblatt, Hoeneß sollte sein Amt als Aufsichtsratschef "mindestens" ruhen lassen.

Gutachten spricht Aufsichtsrat frei

Im Aufsichtsrat des Klubs sitzen unter anderem Audi-Chef Rupert Stadler, VW-Chef Martin Winterkorn, Adidas-Boss Herbert Hainer und der künftige Chef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges. Angesichts zu erwartender Debatten über die Diskrepanz zwischen den propagierten Ethik-Standards der Konzernchefs und ihrem Abstimmungsverhalten im FC-Bayern-Gremium haben sich die Kontrolleure nach Informationen der Süddeutschen Zeitung juristischen Beistand geholt. So kommen zwei Juristen in einem Gutachten zu dem Ergebnis, dass die Aufsichtsräte "ausschließlich den Interessen" des Vereins verpflichtet sind. Aus den Grundsätzen der Konzerne, so die beiden Rechtsexperten, dürfe man keine "Null-Toleranz-Politik" des FC Bayern gegen Hoeneß ableiten.

Der langjährige Bayern-Manager Hoeneß hatte Anfang des Jahres beim Finanzamt Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung erstattet. Der 61-Jährige soll über ein heimliches Konto in der Schweiz Steuern in Höhe von 3,2 Millionen Euro hinterzogen haben. Weil die Selbstanzeige nicht vollständig gewesen sein soll, leitete die Staatsanwaltschaft München II wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung Ermittlungen gegen Hoeneß ein. Die entsprechende Anklage hat das Landgericht München nun in vollem Umfang zum Hauptverfahren zugelassen, ein Haftbefehl gegen Hoeneß war zuvor gegen Zahlung einer Kaution in Millionenhöhe außer Kraft gesetzt worden. Im Falle einer Verurteilung droht Hoeneß eine Haftstrafe.