Dreieinhalb Jahre nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten stehen die Ermittlungen offenbar kurz vor dem Abschluss. Medienberichten zufolge zeichnet sich ab, dass die Staatsanwaltschaft zehn der 16 Beschuldigten anklagt. Es handele sich dabei um sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Verantwortliche der Firma Lopavent, die die Techno-Veranstaltung 2010 organisiert hatte, berichtet der Spiegel

Der Hauptbeschuldigte soll der inzwischen pensionierte Baudezernent Jürgen Dressler sein. Nach Spiegel-Recherchen soll er sich lange gegen die Genehmigung der Veranstaltung gestellt haben. Erst kurz vor dem Termin der Loveparade soll er dann auf Druck des Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe eingelenkt haben, heißt es.

Rabe werde allerdings nicht angeklagt und auch nicht der Leiter des Ordnungsamts, Hans-Peter Bölling. Ebenso soll der damalige Polizei-Einsatzleiter nicht mit einer Anklage rechnen müssen. Für eine Stellungnahme war die Staatsanwaltschaft zunächst nicht zu erreichen.

Tod auf der Rampe

Am 24. Juli 2010 war auf der Loveparade eine Massenpanik im Zugangsbereich zum Veranstaltungsgelände ausgebrochen. Der Eingang, der gleichzeitig auch Ausgang war, führte durch zwei Tunnel zu einer Rampe – und von dort auf das Partygelände. Die Tunnel waren wie Nadelöhre, durch die sich Hunderttausende zwängten. Die einen rein, die anderen raus.

Die Verantwortung für die Loveparade sollte laut dem ursprünglichen Plan beim Ordnungsamt liegen, da es sich bei dem Veranstaltungsort um ein öffentliches Gelände handelte. Das Gelände wurde aber auf Betreiben des Veranstalters Lopavent umzäunt – juristisch gesehen wurde es damit ein Stadion, für das das Bauamt zuständig war. Damit wurde sein ehemaliger Leiter Dressler nun zu einem der Hauptbeschuldigten.

Im Zuge der Ermittlungen wurden mehr als 3.500 Zeugen vernommen, mehr als 900 Stunden Videomaterial gesichtet, Hunderte Terabyte Daten ausgewertet. Laut Staatsanwaltschaft haben allein die Hauptakten zum Loveparade-Verfahren 35.000 Blatt.