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Die katholische Kirche in Deutschland will ihre internen Akten über sexuellen Missbrauch offenlegen. Sie startet ein neues Forschungsprojekt zur sexuellen Gewalt, das erstmals von einem unabhängigen Forschungsbeirat kontrolliert werden soll. Das sagte Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, der ZEIT.

Pfeiffer hatte im Auftrag der Kirche die erste externe Studie zur Aufklärung von sexuellem Missbrauch begonnen. Sein Forschungsvertrag wurde jedoch im Januar 2013 von der Kirche gekündigt, nachdem Pfeiffer ihr Zensur vorgeworfen hatte. Wer diese neue Studie übernimmt, wird Mitte März während der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe bekannt gegeben.  

Pfeiffer begrüßte die Berufung eines Forschungsbeirates durch den Verband der Diözesen Deutschlands (VDD). "Ich bin positiv beeindruckt, dass die Kirche sich kein Zensurrecht mehr einräumt", sagte er. Er bedaure nicht, dass andere jetzt weiterforschten.

Viele Akten wahrscheinlich vernichtet

Pfeiffer warnte seine Nachfolger vor Hürden für die Forschung innerhalb der Kirche. So sei mit einem Ausstieg einzelner Bischöfe aus dem Projekt zu rechnen. "Jede Diözese muss sich diesmal verpflichten, den Vertrag umzusetzen", sagte er.

Außerdem forderte Pfeiffer uneingeschränkte Informationen über die etwaige Vernichtung von Missbrauchsakten. "Es muss Klarheit über die Aktenbestände herrschen", sagte er. Pfeiffer bezog sich auf einen Passus im Kirchenrecht, der vorschreibt, dass der Inhalt einer Missbrauchsakte nach einer bestimmten Frist vernichtet werden soll. "Das wird den Opfern nicht gerecht", sagte er.

Mehrere deutsche Bistümer sind nach Pfeiffers Auskunft der Vorschrift nicht gefolgt und haben alle Akten aufbewahrt. "Wir hörten aber gerüchteweise, dass in manchen Bistümern viel, ja alles vernichtet wurde", sagte er.

Die Vereinten Nationen hatten der katholischen Kirche kürzlich vorgeworfen, das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche zu verschleiern. Der Vatikan weist das zurück.