Der US-Filmregisseur Woody Allen mit seiner damaligen Lebensgefährtin Mia Farrow, der Adoptivtochter Dylan O'Sullivan (links) und dem gemeinsamen Sohn Satchel (Archivbild von 1988) © Photoreporters/dpa

Woody Allens Adoptivtochter Dylan Farrow hat dem amerikanischen Regisseur sexuellen Missbrauch vorgeworfen. Die heute 28-jährige Farrow erhebt die Beschuldigungen in einem offenen Brief, den sie dem US-Kolumnisten Nicholas Kristof zukommen ließ und den die New York Times veröffentlichte. Darin schildert sie angeblichen Missbrauch, als sie sieben Jahre alt war.

Der Vorwurf gegen Allen ist nicht neu. In den 1990er Jahren hatte die US-Schauspielerin Mia Farrow ihren langjährigen Partner Allen bezichtigt, er habe die gemeinsame Adoptivtochter Dylan sexuell missbraucht. Mit dem Brief äußert sich Kristof zufolge Dylan Farrow erstmals schriftlich in der Öffentlichkeit zu dem angeblichen Missbrauch. Sie hatte die Vorwürfe schon in einem Interview mit Vanity Fair erhoben.

Nach Angaben von Kristof hat es Allen auf Nachfrage abgelehnt, den Brief seiner Tochter zu kommentieren. "Es ist wichtig festzuhalten, dass Woody Allen in diesem Fall niemals strafrechtlich belangt wurde und stets jede Schuld bestritten hat", schreibt Kristof in einer Vorbemerkung zu dem Brief von Farrow. Daher gelte die Unschuldsvermutung.

Unter anderem beschreibt die Adoptivtochter einen Vorfall, der sich in einem "dunklen Speicher" des Elternhauses ereignet haben soll. "Er sagte mir, dass ich mich auf den Bauch legen und mit der elektrischen Eisenbahn meines Bruders spielen soll. Dann missbrauchte er mich sexuell", schreibt Farrow. Er habe ihr dabei zugeflüstert, dass dies ihr Geheimnis sei. "So lange ich mich erinnern kann, hat mein Vater Dinge getan, die ich nicht mochte", schreibt Farrow weiter. Nun könne sie nicht mehr schweigen.

Mia Farrow und Allen hatten sich 1992 nach zwölf gemeinsamen Jahren getrennt. In einem Sorgerechtsprozess erhob die Schauspielerin den Verdacht, Allen habe das Mädchen sexuell missbraucht. Der Regisseur verlor das Sorgerecht, die Ermittlungen wurden aber eingestellt. Der vierfache Oscar-Preisträger hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Allen ging damals eine Beziehung zu Farrows erwachsener Adoptivtochter Soon-Yi ein. Sie sind seit 1997 verheiratet und haben zwei Töchter.

Vorwürfe an das schweigende Hollywood

Allen ist in diesem Jahr mit dem Original-Drehbuch für seinen Film Blue Jasmine für einen Oscar nominiert. Mitte Januar wurde ihm bei den Golden Globes ein Lebenswerk-Preis überreicht. 

Über viele Jahre habe die große Anerkennung für Woody Allen sie schweigen lassen, schreibt Dylan Farrow. Die Filmwelt von Hollywood habe, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Augen verschlossen und so getan, als sei nichts vorgefallen. Allen sei davon gekommen und als Künstler hofiert worden. "Was, wenn es dein Kind gewesen wäre, Cate Blanchett?", wendet sich Farrow in ihrem Brief an die australische Schauspielerin, die in Allens Film Blue Jasmine die Hauptrolle spielt. Sie spricht auch andere Stars aus Allen-Filmen direkt an, unter ihnen Alec Baldwin, Emma Stone, Scarlett Johansson und Diane Keaton.

Sie selbst habe viele Jahre stark unter den Missbrauchsfolgen gelitten, schreibt Farrow. Nun wolle sie anderen Opfern Mut machen, die Wahrheit zu sagen.