Die Rede von Putin zum Krim-Beitritt wird in einem Café in Simferopol ausgestrahlt. © Thomas Peter/Reuters

Mit Beschimpfungen und Schlägen haben ein ukrainischer Abgeordneter und mehrere Handlanger den Chef des Staatsfernsehens zum Rücktritt gezwungen. Die Szene ist auf einem Youtube-Video zu sehen. Sie warfen ihm vor, mit der Ausstrahlung der Rede von Kreml-Chef Wladimir Putin über den Beitritt der Krim russische Propaganda verbreitet zu haben.

Igor Miroschnitschenko von der rechtspopulistischen Partei Swoboda (Freiheit) drang gemeinsam mit mindestens fünf Helfern in das Büro von Alexander Pantelejmonow in Kiew ein und attackierte ihn. Der Senderchef unterzeichnete daraufhin eine Rücktrittserklärung.

Während die Staatsanwaltschaft vorläufige Ermittlungen zu dem Vorfall aufnahm, verurteilten Journalistenverbände, die Menschenrechtsorganisation Amnesty International und Politiker die Aktion. Übergangsregierungschef Arseni Jazenjuk sprach von "untragbaren Handlungen", Innenminister Arsen Awakow bezeichnete sie als "ungeheuerlich". Präsidentschaftskandidat Vitali Klitschko rief die Abgeordneten zum Rücktritt auf.

Auch Swoboda-Chef Oleh Tjahnibok, dessen Partei an der Koalition in Kiew beteiligt ist, wies seine Abgeordneten zurecht: "Uns muss klar sein, dass wir nicht mehr in der Opposition, sondern an der Macht sind. Wir verfügen über andere Kampfmittel, selbst gegenüber Verrätern", sagte er.

Der an der Gewaltaktion beteiligte Miroschnitschenko entschuldigte sein Verhalten später damit, dass er von seinen "Gefühlen übermannt" worden sei. Einen Rücktritt lehnte der ehemalige Sportjournalist jedoch ab. Nach Angaben von Amnesty International gehört Miroschnitschenko ausgerechnet dem parlamentarischen Ausschuss an, der sich mit der Pressefreiheit beschäftigt. Die Menschenrechtsorganisation rief die Behörden auf, sicherzustellen, dass "ein derartiges Verhalten in der Ukraine nicht toleriert wird".

In einem Schreiben an Übergangspräsident Alexander Turtschinow wies die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) darauf hin, dass es schon der zweite Vorfall dieser Art binnen weniger Tage sei. Nach ihren Angaben war vor Kurzem eine Gruppe in die Büros des Staatssenders in der nordukrainischen Stadt Tschernigiw eingedrungen, um dessen Direktor Arkadi Bilibajew zum Rücktritt zu zwingen.