Mehrere Tausend Menschen sind bundesweit bei den traditionellen Ostermärschen für Frieden und den Stopp von Rüstungsexporten auf die Straße gegangen. So demonstrierten in Berlin unter dem Motto "Krieg wird gemacht –  wir stellen uns dagegen" nach Angaben der Veranstalter rund 1.000 Menschen. Damit sei die Beteiligung etwas besser als im vergangenen Jahr, sagte ein Sprecher. 

Der Protest richtet sich dieses Jahr unter anderem gegen Atomwaffen, US-Militärbasen in Deutschland und den Einsatz von Kampfdrohnen. In Schleswig-Holstein demonstrierten nach Polizeizählung rund 600 Menschen in Kiel, Wedel bei Hamburg und Flensburg. Mehrere Hundert Teilnehmer kamen auch in Niedersachsen und Bremen zusammen. In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden plädierten nach Angaben der Organisatoren rund 300 Teilnehmer für die friedliche Lösung von Konflikten.

Während sich in den 1980er Jahren bundesweit noch bis zu einer Million Menschen an den Ostermärschen beteiligten, nehmen heute nur noch wenige Menschen an diesen traditionellen Kundgebungen teil. Die Aktionen im Ruhrgebiet sind dabei noch die umfangreichsten in Nordrhein-Westfalen.  

Kundgebungen schwächeln seit dem Ende des Kalten Krieges

Nach Ende des Kalten Krieges sei das Gefühl der direkten Bedrohung weggefallen, so Manfred Stenner aus Bonn, Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative. "In den Achtzigern dachten die Menschen, ihnen fällt der Himmel auf den Kopf, dann war der Dritte Weltkrieg auf einmal abgesagt." 

"Am Ende des Ost-West-Konflikts fällt die Positionierung schwerer", sagt Thorsten Bonacker vom Zentrum für Konfliktforschung der Marburger Universität. Die Friedensbewegung habe ihre politischen Forderungen immer vor allem an die westliche Seite gerichtet. Beim Ostermarsch in Duisburg steht nun der Ukraine-Konflikt im Fokus. Dort stünden sich zwei "imperialistische Machtblöcke" gegenüber, heißt es von Veranstalterseite.

Anfangs vor allem Anhänger des ethisch-religiösen Pazifismus

Die Ostermarsch-Bewegung entstand in den 1950er Jahren in Großbritannien. In Deutschland fand der erste Ostermarsch 1960 statt. Hier erlebten die Märsche 1968 und 1983 ihre Höhepunkte mit Hunderttausenden Demonstranten.

Der Bewegung gehörten zunächst vor allem Anhänger eines ethisch-religiösen Pazifismus an. Schon bald wurde sie zu einer außerparlamentarischen Bewegung, die jedoch 1970 mit dem Austritt führender Mitglieder, unter anderem wegen der Haltung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) zur Intervention der Warschauer-Pakt-Truppen in der Tschechoslowakei, zerfiel. 1982 lebte die Ostermarsch-Bewegung mit der Diskussion über die Nachrüstung der NATO wieder auf. Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall des Ostblocks ließ das Interesse an den Ostermärschen wieder nach.