Die Nachrichtenwebsite Spiegel Online holt ihren Türkei-Korrespondenten Hasnain Kazim vorübergehend zurück nach Deutschland, nachdem dieser Morddrohungen erhalten hat. Das erklärte Florian Harms, der stellvertretende Chefredakteur, im Gespräch mit ZEIT ONLINE.

Kazim selbst sagte der Nachrichtenagentur dpa, er habe inzwischen rund 10.000 E-Mails, Tweets und Facebook-Nachrichten erhalten. Darunter seien Drohungen wie "Wenn wir Dich auf der Straße sehen, schneiden wir Dir die Kehle durch". In anderen Nachrichten werde er als "jüdischer Feind" Erdoğans beschimpft, außerdem werde sein Foto verbreitet.

Kazim hatte nach dem Grubenunglück in Soma über die Proteste gegen den türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan berichtet. Ein Artikel von ihm trug die Überschrift "Scher dich zum Teufel, Erdoğan!" – ein Zitat eines Grubenarbeiters. Anhänger Erdoğans und regierungsnahe Medien verbreiteten daraufhin, Spiegel Online selbst habe Erdoğan zum Teufel gewünscht.

Auf Twitter begann unter dem Hashtag #ScherDichZumTeufelDerSpiegel eine Kampagne gegen das Magazin und Kazim. Auf Karikaturen ist ein Spiegel-Titel zu sehen, auf der die deutsche Bundeskanzlerin in Uniform den Hitlergruß zeigt, neben dem Namenszug prangt ein Judenstern.

In einer Reaktion schreibt Kazim: "Der Ton unserer Kritiker erinnert an die Kampagnen der Erdoğan-Getreuen während der Gezi-Proteste, als ausländischen Journalisten vorgeworfen wurde, die Türkei wahlweise spalten oder zerstören zu wollen."

Viele der Nachrichten an Kazim stammten offenbar von AKP-Anhängern, sagte sein Chef Florian Harms. Auch Kazim hält die Kampagne für organisiert. "Das sieht man auch daran, dass einige Twitter-Accounts nur mir folgen und sonst keine Kontakte haben." Kazims Artikel, in dem er Stellung zu den Anschuldigungen nimmt, erschien auch auf türkisch auf Spiegel Online. Danach nahmen die Anfeindungen zu.

"Wir holen ihn nur für einige Tage zurück", sagte Harms. Kazim werde in den kommenden Tagen auch von Hamburg aus weiter über die Türkei berichten. "Es geht um die Sicherheit unseres Korrespondenten. Die geht immer vor."