Ein spanisches Einwandererpaar in München © Marcelo del Pozo/Reuters

Deutschland ist als Zielland für Zuwanderer in die Weltspitze aufgerückt. Bei der Immigration nach Deutschland könne ohne Übertreibung von einem Boom gesprochen werden, schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einem aktuellen Bericht. Mit rund 400.000 dauerhaften Zuwanderern im Jahr 2012 stehe Deutschland erstmals unter den 34 Mitgliedsstaaten in der OECD an zweiter Stelle hinter den USA und habe klassische Einwanderungsländer wie Kanada und Australien und alle anderen europäischen Länder deutlich hinter sich gelassen. Deutschland profitiere von diesem Anstieg.

Die OECD untersucht den Zustrom von Menschen, die mindestens ein Jahr bleiben. Deshalb liegen erst Zahlen für 2012 vor. Kein anderes OECD-Land weise dabei einen vergleichbaren Anstieg wie Deutschland auf, das 2009 lediglich Platz acht belegt habe, heißt es in dem Bericht. Allein von 2011 bis 2012 habe der Anstieg an Zuwanderern 38 Prozent betragen.

Ein Grund für den Zustrom sei, dass es zunehmend weniger Hürden beim Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt gebe. Die Einwanderung im Zuge der Personenfreizügigkeit innerhalb Europas macht laut dem Bericht mittlerweile mehr als drei Viertel der dauerhaften Zuwanderung nach Deutschland aus. Die Zusammenführung von Familien oder humanitäre Gründe spielen eine deutlich geringere Rolle. 

Rekordanstiege auch in anderen Ländern Europas

Laut OECD ist der Anstieg auch darauf zurückzuführen, dass die Migranten wegen der anhaltenden Krise vor allem in Südeuropa länger in Deutschland blieben als in den Vorjahren. Allerdings komme die größte Gruppe der Migranten weiterhin aus mittel- und osteuropäischen Ländern. Wer in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sei, habe eher einen Job und sei im Schnitt besser qualifiziert als die vor 2007 Eingewanderten.

Zuwanderer zahlten in den Einwanderungsländern mehr Steuern und Abgaben als sie umgekehrt Sozialleistungen in Anspruch nähmen, schreibt die OECD. Mit ihrer vergleichsweise guten Ausbildung trügen sie unter anderem zur Verjüngung der Arbeitnehmerschaft und zum technologischen Fortschritt der Länder bei.

Auch mehrere andere europäische Länder, darunter Frankreich, Schweden und Finnland verzeichneten der OECD zufolge 2012 im Vergleich zum Vorjahr Rekordzuwächse bei der Zuwanderung. Dagegen gab es in den Krisenländern Spanien (minus 22 Prozent) und Italien (minus 19 Prozent) deutliche Rückgänge (jeweils weniger als 300.000 Zuwanderer). Aber auch nach Großbritannien kamen weniger Migranten (minus elf Prozent). In der gesamten EU lag der Rückgang bei zwölf Prozent.