Ein neuer Konkurrent drängt auf den Markt der Religionen: Das fliegende Spaghettimonster soll zur staatlich anerkannten Gottheit werden. Pastafari verehren das Wesen als Schöpfer, tragen ihm zu Ehren Nudelsiebe auf dem Kopf und feiern jeden Freitag Nudelmessen. Im Jenseits erhoffen sich die Jünger einen Biervulkan und eine Strippermanufaktur. Der Pastafarianismus ist eine Religionsparodie aus den USA mit weltweiten Ablegern und fordert mittlerweile mehrere Staaten heraus, ihr Verhältnis zu Religionen zu klären.

Vor drei Jahren sorgte der österreichische Unternehmer und Pastafari-Anhänger Niko Alm für Aufregung. Er setzte durch, dass ein Porträtfoto mit Nudelsieb seinen Führerschein zieren darf. Nun gehen er und seine Wiener Glaubensbrüder weiter: Vergangene Woche stellten sie den Antrag auf staatliche Anerkennung als Bekenntnisgemeinschaft, eine Vorstufe zur anerkannten Religionsgemeinschaft.

Auch in Polen möchten die Pastafari zur Religion werden. Das Gesuch wurde zwar vergangenes Jahr vom Ministerium für Verwaltung und Digitalisierung abgewiesen, ein Gericht in Warschau entschied Anfang April jedoch, der Antrag müsse noch einmal geprüft werden. Ein Etappensieg, der mit lauten "Pasta"-Rufen auf den Straßen gefeiert wurde.

Nudelsieb zur Vereidigung

In New York wurde im Januar der Pastafari Christopher Schaeffer zum Stadtrat von New York gewählt – und trug bei der Vereidigung die traditionelle Kopfbedeckung seiner Religion. In Moskau kam es vergangenes Jahr bei einem "religiösen Umzug" gar zu Auseinandersetzungen mit russisch-orthodoxen Aktivisten und einem Polizeieinsatz, bei dem mehrere Pastafari verhaftet wurden.

Die Religionsparodie wurde 2005 in den USA gegründet, in Zusammenhang mit dem Streit um die Einführung von Intelligent-Design-Unterricht an amerikanischen Schulen. Dessen Anhänger glauben, dass nur ein intelligenter Schöpfer Ursache des Universums und des Lebens in ihm sein könne.  

Mittlerweile wurde aus der Pastafari-Satire Ernst. "Die Rechtsordnungen stehen vor der Frage, dass sie abgrenzen müssen, was eine Religion ist und was nicht. Das wird immer schwieriger", sagt Richard Potz, Leiter des Instituts für Religionsrecht an der Universität Wien. "Mit der Pluralisierung der Gesellschaft und damit auch der Religionen entstehen neue Herausforderungen, das Problem wird sich zuspitzen."

Austesten, wie weit der Staat geht

450 Mitglieder hat die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters in Österreich. "Wir testen nun in demokratischer Form ab, wie weit es sich der Staat anmaßt zu entscheiden, was eine Religion ist", sagt Niko Alm, der als Abgeordneter der liberalen NEOS im österreichischen Parlament sitzt. "Wir gehen davon aus, dass wir anerkannt werden", sagt er. "Und wenn nicht, dann wird es interessant zu sehen, womit die Ablehnung begründet wird."

Mit Religion wird noch immer Politik gemacht

Mit Religion wird in konservativen Staaten noch immer Politik gemacht. Gernot Blümel, Generalsekretär der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) twitterte unlängst ein Bild mit dem Titel: "ÖVP-NEOS: Der kleine Unterschied". Links ist darauf Parteichef und Vizekanzler Michael Spindelegger zu sehen, wie er Papst Franziskus die Hand gibt. Rechts Niko Alm, wie er seinen Führerschein mit Nudelsiebfoto in die Kamera hält. Die Botschaft: Wir sind die papsttreuen, die anderen die Heiden.

Die Wogen schlugen hoch, Mandatsträger, Parteifunktionäre und selbst der streng katholische Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter lieferten sich einen digitalen Schlagabtausch. Was nach Provinzposse aussieht, ist für manche Ausdruck eines Mangels an Säkularismus.

Welche Religion ist schlechter?

Von den gereizten Reaktionen der vergangenen Tage ist selbst Philip Sager überrascht, oberster Maccherone der österreichischen Pastafari. "Wenn ich von meinem Glauben erzähle, dann kommen solche merkwürdigen Reaktionen. Aber wenn ich die katholische Kirche kritisiere, bin ich ein schlechter Mensch. Was macht meine Religion schlechter als andere?", fragt der 31-jährige Techniker.

Glaube sollte Privatsache sein, fordert Sager und Religionen keine staatlichen Privilegien genießen. Sollte es zur Anerkennung als Bekenntnisgemeinschaft kommen, wäre der nächste Schritt ein Antrag auf Zuerkennung des Status einer Religionsgemeinschaft. Dafür bräuchte man rund 16.000 Mitglieder. 

Schulen und Krankenhäuser eröffnen

Dann dürften die Spaghettijünger konfessionelle Schulen eröffnen, Seelsorger in Krankenhäuser schicken, müssten keine Grundsteuer bezahlen und die Herabwürdigung ihrer religiösen Lehren wäre strafbar.

Auch wenn Religionswissenschaftler Potz die Chancen einer Anerkennung für gering hält, so kann er der Debatte Positives abgewinnen. "Wir diskutieren wieder darüber, was Religionen ausmacht und welchen Stellenwert sie in einer Gesellschaft haben können."

Pastafari in Österreich und Polen haben derweil schon den Topf mit dem Nudelwasser aufgesetzt und halten die Siebe bereit. Am Freitag gedenken sie wieder dem Fliegenden Spaghettimonster.