Mit Religion wird in konservativen Staaten noch immer Politik gemacht. Gernot Blümel, Generalsekretär der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) twitterte unlängst ein Bild mit dem Titel: "ÖVP-NEOS: Der kleine Unterschied". Links ist darauf Parteichef und Vizekanzler Michael Spindelegger zu sehen, wie er Papst Franziskus die Hand gibt. Rechts Niko Alm, wie er seinen Führerschein mit Nudelsiebfoto in die Kamera hält. Die Botschaft: Wir sind die papsttreuen, die anderen die Heiden.

Die Wogen schlugen hoch, Mandatsträger, Parteifunktionäre und selbst der streng katholische Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter lieferten sich einen digitalen Schlagabtausch. Was nach Provinzposse aussieht, ist für manche Ausdruck eines Mangels an Säkularismus.

Welche Religion ist schlechter?

Von den gereizten Reaktionen der vergangenen Tage ist selbst Philip Sager überrascht, oberster Maccherone der österreichischen Pastafari. "Wenn ich von meinem Glauben erzähle, dann kommen solche merkwürdigen Reaktionen. Aber wenn ich die katholische Kirche kritisiere, bin ich ein schlechter Mensch. Was macht meine Religion schlechter als andere?", fragt der 31-jährige Techniker.

Glaube sollte Privatsache sein, fordert Sager und Religionen keine staatlichen Privilegien genießen. Sollte es zur Anerkennung als Bekenntnisgemeinschaft kommen, wäre der nächste Schritt ein Antrag auf Zuerkennung des Status einer Religionsgemeinschaft. Dafür bräuchte man rund 16.000 Mitglieder. 

Schulen und Krankenhäuser eröffnen

Dann dürften die Spaghettijünger konfessionelle Schulen eröffnen, Seelsorger in Krankenhäuser schicken, müssten keine Grundsteuer bezahlen und die Herabwürdigung ihrer religiösen Lehren wäre strafbar.

Auch wenn Religionswissenschaftler Potz die Chancen einer Anerkennung für gering hält, so kann er der Debatte Positives abgewinnen. "Wir diskutieren wieder darüber, was Religionen ausmacht und welchen Stellenwert sie in einer Gesellschaft haben können."

Pastafari in Österreich und Polen haben derweil schon den Topf mit dem Nudelwasser aufgesetzt und halten die Siebe bereit. Am Freitag gedenken sie wieder dem Fliegenden Spaghettimonster.