Der Lehrerverband VBE hat vor großen Risiken für den Bildungsbereich beim geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) gewarnt. "Würde der Marktzugang barrierefrei, könnten die Möglichkeiten der EU-Mitgliedsstaaten zur Sicherung der Qualität privater und gewinnorientierter Schulen eingeschränkt werden", sagte der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. "Zugespitzt besteht die Gefahr, Lehrer durch eine App zu ersetzen." 

Die Verhandlungen höhlten insbesondere den in der EU geltenden Grundsatz aus, "dass der Bildungsbereich in Verantwortung der Mitgliedsstaaten ausgestaltet wird und in Deutschland die Länder zuständig sind", sagte Beckmann.

TTIP berge zudem die Gefahr, dass der Staat seine öffentlichen Bildungsetats zugunsten privater Finanzierung herunterfahren könnte, sagte Beckmann. "Mit Blick auf die Schuldenbremse ein gefährliches Szenario."   

Beckmann nannte die mangelnde Transparenz der Verhandlungen über das TTIP einen "Skandal". Er forderte eine Mitwirkung der nationalen Parlamente. "Die nationalen Bildungsinteressen dürfen nicht in Hinterzimmern verhökert werden", sagte er. Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft bedrohe den Bildungsbereich, weil der gesamte öffentliche Dienst von den Verhandlungen über das Freihandelsabkommen eingeschlossen ist. 

Nicht nur aus Deutschland kommt Kritik. Kürzlich appellierten Lehrerverbände in Europa und den USA in einem gemeinsamen Schreiben an US-Präsident Barack Obama und den EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso, Bildungsdienstleistungen aus der Transatlantischen Handelspartnerschaft auszuschließen. 

Kürzlich hatten sich bereits Vertreter der Kulturbranche dafür ausgesprochen, aus den geplanten TTIP-Vereinbarungen ausgenommen zu werden. Sie befürchten, amerikanische Unternehmen könnten staatliche Kulturförderung für unzulässig erklären und so der Kultur ihre Finanzierungen streitig machen.