Malaysia-Airlines-Absturz: Separatisten behindern OSZE-Beobachter

Prorussische Kräfte haben die Oberhand an der Absturzstelle in der Ostukraine, OSZE-Experten werden behindert. Ein Abschuss der Maschine gilt als sicher. Der Tag im Blog
An der Absturzstelle: Alexander Hug, Chefinspektor der OSZE-Komission ©Maxim Zmeyev /Reuters
  • In der Nähe der russisch-ukrainischen Grenze ist ein Flugzeug der Malaysia Airlines abgeschossen worden. Alle 298 Menschen an Bord sind gestorben. Die meisten Opfer kommen aus den Niederlanden.
  • Die US-Regierung macht die Separatisten für den Abschuss verantwortlich. Obama fordert eine Waffenruhe für die internationale Untersuchung des Absturzes.
  • Ein Team von OSZE-Beobachtern ist an der Absturzstelle eingetroffen. Es bekommt keinen vollständigen Zugang zum Unglücksort.
  • Russlands Präsident fordert einen Waffenstillstand. Die selbsternannte Volksrepublik Donezk lehnt das allerdings ab.
  • Kanzlerin Merkel sieht "sehr, sehr viele Indizien" für einen Abschuss des Flugzeugs der Malaysia Airlines, die EU geht ebenfalls davon aus. Russland und die Ukraine beschuldigen sich gegenseitig.

Die Ereignisse des Tages:

  • (22:00) Auch David Cameron macht die Separatisten für den Flugzeugabschuss verantwortlich. Sein Sprecher erklärt: Solange nicht noch überwältigende anders lautende Beweise ans Tageslicht kämen, sei es zunehmend wahrscheinlich, dass eine von den Separatisten abgefeuerte Rakete das Flugzeug zum Absturz gebracht habe.

  • (19:00) Deutschland beteiligt sich an einem internationalen Einsatz zur Bergung und Identifizierung der Opfer und schickt dazu Experten des Bundeskriminalamts in die Ostukraine.

  • (18:30) Der amerikanische Präsident macht indirekt die Separatisten für den Abschuss des malaysischen Passagierflugzeuges verantwortlich und kritisiert Russland scharf für die Unterstützung der Rebellen. Obama sagte, das Flugzeug sei von einer Rakete getroffen worden, die in einem von den Rebellen kontrollierten Gebiet abgefeuert worden sei. Es sei noch unklar, aus welchem Grund auf die Maschine geschossen worden sei. Dies müsse nun in einer glaubwürdigen internationalen Untersuchung geklärt werden.

  • (18:20) Internationale Airlines meiden den Flugraum über der Ukraine. Das zeigen Zeitraffer-Aufnahmen mit den Daten von FlightRadar24. Auf den Bildern ist deutlich zu erkennen, dass der Flugraum über dem Osten der Ukraine vollständig gesperrt wurde – aber auch die restliche Ukraine wird nur sporadisch überflogen.

  • (17:40) Immer mehr Opfer werden identifiziert, die meisten der 298 Menschen an Bord der Maschine kamen aus den Niederlanden – es waren 189. Zudem 44 aus Malaysia, darunter 15 Besatzungsmitglieder, 28 aus Australien, zwölf aus Indonesien. Neun Passagiere waren Briten, vier Deutsche, vier Belgier, drei Philippiner, ein Kanadier, ein Neuseeländer und ein Fluggast kam aus China. Zwei Nationalitäten sind noch unbestätigt. 

  • (17:20) Kanzlerin Angela Merkel hat mit dem ukrainischen Präsident Petro Poroschenko über die Lage nach dem Flugzeugabsturz am Telefon beraten. Merkel und Poroschenko seien sich einig gewesen, dass gerade jetzt ein "nachhaltiger beidseitiger Waffenstillstand geboten" sei, um das Unglück restlos aufklären zu können und weitere zivile Opfer zu vermeiden, teilte Merkels Sprecher Steffen Seibert mit. Poroschenko sei zu einem Waffenstillstand "unverändert bereit".

    Nach Seiberts Angaben telefonierte Merkel auch mit dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk und dem niederländischen Regierungschef Mark Rutte. Alle seien sich einig gewesen, dass die Tragödie "umgehend und gründlich durch eine unabhängige Untersuchung aufzuklären" sei.

  • (17:00) Die Passagiermaschine der Malaysia Airlines ist nach Informationen der USA wahrscheinlich von einer Boden-Luft-Rakete aus dem von prorussischen Separatisten besetzten Gebiet abgeschossen worden. Das sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power. Nach Informationen des Wall Street Journal geht die US-Regierung nun davon aus, dass die Separatisten verantwortlich seien.

    Zudem halten die USA
    eine Beteiligung russischer Waffenexperten am mutmaßlichen Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs über der Ukraine für denkbar. „Wir können nicht ausschließen, dass russisches Personal beim Betrieb dieser Systeme geholfen hat“, sagte Power. Aufgrund des technisch hochkomplexen Systems der Luftabwehrraketen sei es unwahrscheinlich, dass die Separatisten dieses ohne Unterstützung durch geschultes Personal hätten einsetzen können.

  • (16:25) Berichte über anhaltende Gefechte im Osten der Ukraine: Bei Kämpfen in Luhansk seien allein am Freitag mehr als 20 Zivilisten getötet worden, teilte die Stadtverwaltung mit. In Lissitschansk bei Luhansk geriet nach Artilleriebeschuss eine Raffinerie in Brand. Die Aufständischen sprachen ebenfalls von Raketenwerfersalven im benachbarten Ort Sewerodonezk.

    Nach dem Beschuss eines Umspannwerks in Luhansk sei in 85 Prozent der Großstadt der Strom ausgefallen, hieß es. Die fehlende Energie habe zum zeitweiligen Ausfall der Wasserversorgung geführt, teilte die Stadtverwaltung mit. Die Regierungstruppen würden den Ring um die Stadt immer enger ziehen, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Andrej Lyssenko.

    In Marinowka nahe Donezk versuchten Regierungstruppen, zu eingeschlossenen Einheiten vorzudringen. Die Sicherheitskräfte sollen nahe der Grenze zu Russland von Aufständischen eingekesselt sein.

  • (16:05) Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) fordert eine umfassende und unabhängige internationale Untersuchung des Absturzes. Die 15 Mitgliedsländer des Sicherheitsrates riefen zudem "alle Parteien" dazu auf, den Ermittlern "sofortigen Zugang" zu der Absturzstelle zu gewähren.

  • (15:45) Internationale Experten erreichen Absturzstelle: Etwa 30 Mitarbeiter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sind nach deren Angaben per Hubschrauber am Ort des Absturzes im Osten der Ukraine eingetroffen.

  • (15:40) Der Ort des Flugzeugabsturzes im Osten der Ukraine:

  • (15:03) Die prorussischen Separatisten wollen nach eigenen Angaben Experten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und der ukrainischen Regierung nun den Zugang zum Absturzgebiet gewähren.

  • (14:55) Das über der Ukraine abgestürzte Passagierflugzeug ist nach Angaben von US-Geheimdiensten sehr wahrscheinlich von prorussischen Separatisten abgeschossen worden. Das geht nach Angaben des Senders CNN aus einem vorläufigen Geheimdienstbericht hervor. Der Sender beruft sich auf einen Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums, der Zugang zu den neuesten Informationen habe.

    Ein Reporter des Wall Street Journal hat diese Information bestätigt bekommen, twitterte Dion Nissenbaum. Separatisten hätten das Buk-Raketensystem zum Abschuss benutzt.

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