Es lief gerade so gut für Russlands traditionelle Werte: Wladimir Putin, ihr Hüter und Bewahrer, stellte sich mit nackter Brust allen entgegen, die es auf sie abgesehen hatten: Schwulen, Punksängerinnen, Ukrainern, dem Westen. Als Training erlegte er ein paar Bären und Lachse, dabei waren die wertemäßig eigentlich nicht zu beanstanden.

Nun ist ein neuer Gegner identifiziert: Flüche. Schimpfwörter kosten in russischen Medien, im Theater, im Kino oder in der Kunst seit gestern bis zu 1.065 Euro Strafe.

In seinem Jagdeifer hat der Präsident der traditionellen Werte offenbar übersehen, dass Flüche zu den traditionellsten Werten überhaupt zählen. Schon die satisfaktionsfähigen Nationaldichter Puschkin und Lermontow liebten die Schmähungen. Bisher hat das nicht gestört, ein Puschkin-Institut wacht über die russische Sprache.

Die Werte Familie und Religion wirken ja auch etwas mickrig verglichen mit dieser Sprache, in der sich ganze Unterhaltungen mit dem Wort Schwanz führen lassen. Als Pronomen, Verb oder Adjektiv: chuj ist der Omnipotente, der Held, der Putin unter den russischen Vokabeln.

Die Russen müssen sich nach Ersatz für dieses Superwort umsehen. Und da kommt nur eines infrage. Du Putin, was putinst du mich hier an, geh die putinmäßigen Putinkinder da drüben vollputinen! Auf Russisch klänge das natürlich besser.

Die Sprachwächter arbeiten dann am Putin-Institut, auch wenn Russland gegen den Puschkin-Wodka aus dem Emsland keine Handhabe hat.

Dem Gesetz fallen wahrscheinlich auch Fremdsprachen entlehnte Wörter zum Opfer. Macht vielleicht nichts. Putin Riot ist eigentlich ein schöner Name für eine Punkband.