Während die internationale Politik über Waffenlieferungen an den Irak verhandelt, hat Papst Franziskus ein deutliches Zeichen gesetzt: Auf dem Rückflug von Korea nach Rom sagte er: "Wir erleben jetzt einen Dritten Weltkrieg – wenn auch verstreut über die Welt. Aber der Krieg ist überall."

Der Papst erklärte, die weltweit grassierende Grausamkeit sei eine Todsünde. "Grausame Angreifer wie im Irak müssen gestoppt werden." Er plädiere nicht für Bombardierungen oder Kriegseinsätze gegen die Milizen des Islamischen Staates (IS). "Aber sie müssen gestoppt werden." Der Papst rief die Weltgemeinschaft auf, sich für einen gemeinsamen Weg zu entscheiden. "Die Vereinten Nationen müssen zusammen handeln, nicht nur ein einzelner Staat."

Damit spielte er auf die Bombardierungen durch die USA an, die derzeit im Irak die kurdischen Peschmerga-Kämpfer unterstützen. Die Peschmerga waren die Einzigen, die dem Terror des IS gegen Christen, Jesiden und Schiiten in den vergangenen drei Wochen entgegentraten.

Die Forderung des Papstes nach einem UN-Einsatz markiert in ihrer Deutlichkeit eine neue Qualität: Bislang hatte sich der Vatikan meist gegen den "gerechtfertigten Krieg", also gegen Militäreinsätze zur Befriedung von Konflikten, ausgesprochen. Wie in Somalia, dem ehemaligen Jugoslawien oder Libyen hatte der Vatikan allerdings Interventionen zur Verhinderung von Menschenrechtsverbrechen in Einzelfällen gut geheißen. Franziskus stellt nun den Schutz der Opfer über einen christlichen Pazifismus aus Prinzip. Damit befindet er sich im Gegensatz zu Teilen der deutschen Kirchen, die, wie die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann, jegliche Militäreinsätze ablehnen.

Der Papst bot sich selbst als Friedensmissionar für den Irak an. "Ich bin bereit, zu den Christen nach Kurdistan zu gehen." Der Hintergrund: Hunderttausende vertriebener Christen fanden seit Ende Juli Zuflucht vor den Kämpfern des IS in den kurdisch kontrollierten Gebieten im Norden des Irak. Die Lage spitzte sich in den vergangenen Tagen jedoch zu, weil der IS weit ins Kurdengebiet vorrückte und viele Flüchtlinge abermals vertrieb. Am Wochenende hatten die Peschmerga mehrere Städte und einen Staudamm zurückerobert. Doch die Situation in der Region bleibt unwägbar.

Nicht mehr nur strikte Gewaltlosigkeit

Der Papst ermahnte die Völker der Welt, sich zu versöhnen. Er selbst sei bereit zum Dialog mit allen. "Ich würde auch sofort nach China gehen." Der Einsatz für den Frieden sei der Auftrag der Kirche, und sie habe alle Freiheit, ihn zu erfüllen.

Damit sprach sich der Papst für eine politisch-interventionistische Kirche aus, die sich aus Weltkonflikten nicht heraushält, indem sie sich auf das Prinzip der Gewaltlosigkeit zurückzieht. Kirche, wie Franziskus sie versteht, kann sich nicht mit wohlfeilem Pazifismus begnügen, wenn militante religiöse Gruppen wie der IS Massen von Menschen vertreiben und mit dem Tode bedrohen. Es gibt auch eine moralische Pflicht zum Eingreifen: Das ist die Botschaft des Papstes.

Franziskus denkt an Rücktritt

Und dann zeigte Franziskus auch beim Umgang mit seinem Amt einen neuen Umgang, ganz im Sinne seines Vorgängers Benedikt XVI.: "Wenn ich eines Tages meine Aufgabe nicht mehr erfüllen kann, werde ich dasselbe tun wie mein Bruder Papst Benedikt, der emeritierte Papst. Emeritus zu sein ist seit seinem Rücktritt keine Ausnahme mehr, sondern eine Option, ja eine Institution."

Franziskus war im März 2013 zum Nachfolger Benedikts gewählt worden, der im Februar seinen Amtsverzicht erklärt hatte. Benedikts Amtsverzicht hatte weltweit für Aufsehen gesorgt: Es war der erste Rücktritt dieser Art seit 700 Jahren.

Im Moment, so Franziskus, lebe er von seiner eigenen Popularität. "Aber ich weiß, das wird nicht von Dauer sein. Vielleicht zwei oder drei Jahre. Dann kehre auch ich in das Haus des Herrn zurück."