Das Gefängnis von Brügge © Nicolas Maeterlinck/AFP/GettyImages

Ein belgischer Sexualstraftäter hat das Recht auf Sterbehilfe erhalten, um den nach seinem Bekunden "unerträglichen psychischen Qualen" in der Haft ein Ende zu setzen. Der 52-Jährige, der wegen mehrfacher Vergewaltigung und Mordes seit drei Jahrzehnten im Gefängnis ist, erfülle die rechtlichen Voraussetzungen, sagte sein Anwalt Jos Vander Velpen im belgischen Fernsehen. Eine Sprecherin des Justizministeriums bestätigte, dass der Mann in einem Krankenhaus sein Leben beenden dürfe.

Der Anwalt sagte weiter, sein Mandant werde in wenigen Tagen aus dem Gefängnis in Brügge in ein Krankenhaus verlegt, wo er sterben solle. Mehrere Ärzte und Psychiater hätten bestätigt, dass sein Mandant dauerhaft leide und es nichts gebe, was sein Leiden lindern könnte.

Der Straftäter betrachtet sich selbst als Gefahr für die Gesellschaft und will daher nicht freigelassen werden. Zugleich bezeichnet er seine Haftbedingungen als unmenschlich. Er beantragte daher gemäß geltender Gesetze, in einer niederländischen Spezialklinik behandelt zu werden oder Sterbehilfe in Anspruch nehmen zu dürfen.

Da die Justizbehörden eine Verlegung in die Niederlande nicht billigten und es in Belgien eine passende Klinik für eine Behandlung nicht gibt, entschied der Häftling letztlich, zum Sterben in ein Krankenhaus verlegt zu werden. Dort will er 48 Stunden mit seinen Angehörigen verbringen, bevor er mit ärztlicher Hilfe aus dem Leben scheidet. "Ich bin ein Mensch, und was auch immer ich getan habe, ich bleibe ein Mensch", sagte er in einem TV-Interview.

In Belgien war die Sterbehilfe im September 2002 per Gesetz zugelassen worden. Im Februar legalisierte das belgische Parlament auch die Sterbehilfe für Kinder, die unheilbar krank sind und unter schwersten Schmerzen leiden. Im vergangenen Jahr nahmen in Belgien 1.807 Menschen Sterbehilfe in Anspruch, so viele wie noch nie zuvor in einem Jahr.