Im Vatikan beginnt heute ein zweiwöchiges Bischofstreffen. Papst Franziskus hat 191 Bischöfe aus aller Welt eingeladen, über die Lehre der katholischen Kirche zu Familie, Ehe und Sexualität zu diskutieren. Dabei geht es auch um Reizthemen wie Scheidung, Abtreibung oder die Homo-Ehe. Papst Franziskus eröffnet die außerordentliche Synode mit einer Messe im Petersdom.

Vor der Synode hatte der Papst alle Katholiken aufgefordert, ihre Meinung zum Thema Familie kundzutun und damit erstmals auch die "einfachen" Kirchenmitglieder befragt. Aus den Umfragen entstand das Arbeitspapier Instrumentum Laboris. Es hatte gezeigt, dass für viele Gläubige eine Kluft zwischen ihrer Lebenswirklichkeit und der Lehre der katholischen Kirche besteht. Hinter verschlossenen Türen werden die Bischöfe nun über das Arbeitspapier diskutieren. Sie werden von Laien beraten.

Die Ergebnisse der anstehenden Beratungen sollen in ein Abschlussdokument einfließen. Konkrete Beschlüsse sind nicht zu erwarten. Das Treffen dient zur Vorbereitung einer weiteren Synode im kommenden Jahr zum gleichen Thema.  Allgemein wird erwartet, dass Franziskus in zwei Jahren nach einer weiteren Synode ein päpstliches Schreiben zu dem Thema veröffentlicht.

Gerade für wiederverheiratete Geschiedene erwarten sich viele Katholiken Lösungen - doch daran entzündete sich bereits im Vorfeld ein scharfer Streit. So lehnen konservative Vertreter etwa die Zulassung von Gläubigen zur Kommunion ab, die nach einer Scheidung wieder geheiratet haben. Andere hatten hier eine mögliche Lockerung der kirchlichen Lehre angedeutet. 

Laien erhoffen eine positive Wende in der Kirchengeschichte

Die Laien in der katholischen Kirche erhoffen sich von der Bischofssynode frischen Wind und Reformimpulse. Die grundlegenden kirchlichen Aussagen zum Thema Ehe und Familie dürften nicht länger durch einzelne Verbote verstellt werden, sagte der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper. "Ich hoffe, dass pastorale Wege möglich gemacht werden können, damit wiederverheiratete Geschiedene an den Sakramenten teilnehmen können", sagte Vesper. "Ich bin zuversichtlich, dass die Synode erkennen wird, dass dies nicht nur ein Problem einiger weniger Länder in Europa ist, sondern dass das ein weltweites Problem ist." 

Das ZdK mit Sitz in Bonn ist das oberste Gremium der 24 Millionen Laien in der katholischen Kirche in Deutschland. "Das ängstliche Starren auf Rom muss vorbei sein", sagte Vesper. "Es gibt eine Atmosphäre des Aufbruchs in der Kirche."

Die Laienbewegung "Wir sind Kirche" hofft auf eine "positive Wende in der Kirchengeschichte". Lange sei der Dialog unterdrückt worden, so die Organisation. 

Aus Deutschland nehmen der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx und die Berliner Familienberaterin Ute Eberl teil.