Frauen in Ugandas Hauptstadt Kampala werden über einen HIV-Test aufgeklärt. ©Edward Echwalu, Reuters

Drei HIV-positive Frauen haben in Namibia einen weiteren Sieg vor einem Gericht errungen. Sie hatten gegen ihre Zwangssterilisation geklagt. Der Oberste Gerichtshof bestätigte jetzt ein Urteil, dass die Persönlichkeits- und Menschenrechte der hochschwangeren Frauen verletzt wurden.

Im Kreißsaal waren sie gezwungen worden, eine Einverständniserklärung zur Zwangssterilisation zu unterschrieben, falls sie per Kaiserschnitt entbinden wollten. Ein Kaiserschnitt reduziert das Risiko einer Übertragung des HI-Virus auf das Neugeborene.

Das Gericht bestätigte damit das Urteil einer niedrigeren Instanz aus dem Jahr 2012. Das Krankenhaus habe "grob fahrlässig" gehandelt, erklärte das Gericht. Es sprach den Frauen Schadenersatz zu. Die Höhe ist allerdings noch unklar. Die drei Frauen hatten vom Staat Schmerzensgeld in Höhe von umgerechnet rund 100.000 Euro gefordert.

"Diese Entscheidung durch das höchste Gericht des Landes ist ein Sieg für alle HIV-positiven Frauen", erklärte die Direktorin der Frauenorganisation Namibian Women’s Health Network, Jennifer Gatsi Mallet. Dennoch sei dies nur die Spitze des Eisberges. "Wir haben Dutzende von Fällen dokumentiert, in denen Frauen zur Sterilisation gezwungen wurden", fügt sie hinzu. Seit 2007 klagt die Organisation nach eigenen Angaben immer wieder Zwangssterilisationen an, fand aber bei den staatlichen Gesundheitsbehörden wenig Gehör.  

Nach Einschätzung der Nichtregierungsorganisation Southern Africa Ligiation Centre wird mit der Entscheidung des Gerichts in Windhoek die Position von Frauen in ganz Afrika gestärkt. "Das Urteil sendet ein klares Signal an alle Regierungen, dass konkrete Schritte zur Beendigung dieser Praktiken unternommen werden müssen", heißt es in einer Erklärung.

Rund 250.000 Namibier und damit mehr als zehn Prozent der Bevölkerung leben laut der Organisation UNAIDS mit dem HI-Virus. Die Dunkelziffer dürfte aber höher liegen, da viele Menschen keine Tests machen. Armut und mangelnde Bildung besonders in ländlichen Regionen fördern die Ausbreitung des Virus. Immer mehr Frauen sind betroffen, die allerdings häufig erst bei Schwangerschaftsuntersuchungen von ihrer Infektion erfahren.

Antiretrovirale Medikamente sind in Namibia kostenlos. Allerdings gibt es in ländlichen Regionen oftmals keine Hospitäler oder Gesundheitsstützpunkte. HIV-Infizierte werden zudem häufig ausgegrenzt und diskriminiert.