Am Donnerstag traf ich im Bundestag eine Kollegin, deren Mutter ihr Leben selbst beendet hat. Sie litt an einer unheilbaren Krankheit und war entschlossen, die Leidenszeit am Lebensende zu verkürzen.

In Deutschland fand sie keinen Arzt, der bereit war, ihr tödliche Medikamente zu geben. Also fuhr sie gemeinsam mit ihrer Tochter zu einer der Organisationen in der Schweiz, die darauf spezialisiert sind. Meine Kollegin erzählte von den hohen Gebühren, die solche Schweizer Sterbehilfe-Vereine verlangen. Sie ist überzeugt, dass die Vereine die emotionale Ausnahmesituation der Sterbenden und ihrer Angehörigen knallhart ausnutzen.

Ich war dankbar für diese Information, denn während der Sterbehilfe-Debatte im Bundestag haben mich die Klagen vieler Abgeordneter über die angebliche "Geschäftemacherei" der Sterbehilfe-Vereine irritiert. Ich bin kein Fan dieser Vereine, auch wenn ich die Hilfe zum Suizid in Härtefällen für vertretbar halte. Aber darum geht es nicht. Mich stört, dass niemand von den vielen ökonomischen Interessen der anderen Seite spricht: Auch an den schwerkranken Patienten, die unter widrigen Bedingungen weiterleben, verdienen viele.

Die Rechnung mag herzlos wirken, aber für Pflegeheime sind alte Menschen besonders lukrativ, wenn sie sich kaum noch bewegen können, aber an lebenserhaltenden Geräten hängen. Der Aufwand für ihre Betreuung ist gering. Durch sie entstehen oft weniger Kosten als durch Patienten, die sich frei bewegen können, aber beispielsweise angezogen und bei den Mahlzeiten unterstützt werden müssen.

Auch Vertreter der momentan ständig gepriesenen schmerzlindernden Palliativmedizin verdienen an Menschen – je länger das Sterben dauert, desto mehr Geld bekommen sie.

Auch aus Krankenhäusern sind Fälle bekannt geworden, in denen insbesondere Privatpatienten unnötig lange im Koma lagen, weil die Kassen für die letzten Tage besonders viel überweisen.

Unabhängig davon gibt es ja eine ganze Branche, die Einkommen erzielt, wenn Menschen sterben: Bestattungsunternehmer, Sarghersteller, Nachlassverwalter. Diese Berufe gibt es seit Jahrhunderten.

Es ist deshalb etwas unlauter, über eine neue "Ökonomisierung des Sterbens" zu klagen. Es gibt viele gute Gründe, mit einer Liberalisierung der Sterbehilfe zu hadern. Und wenn trauernde Angehörige tatsächlich abgezockt werden, muss das bestraft werden. Aber das Geschäft mit dem Tod gibt es heute schon – und es wird von denen gemacht, die Leben verlängern, wie von denen, die Leben verkürzen.