Das deutsche Schulsystem macht bei der Chancengleichheit nur langsam Fortschritte. Laut dem Chancenspiegel 2014 der Bertelsmann Stiftung hängt der Bildungserfolg von Schülern nicht nur stark von der sozialen Herkunft ab, sondern auch vom Wohnort. Dabei sei nicht nur das Bundesland entscheidend, sondern inzwischen auch, wo man innerhalb eines Bundeslandes zu Hause ist und zur Schule geht.

"Neu und im Ausmaß überraschend ist, dass Bildungschancen auch innerhalb der einzelnen Bundesländer regional höchst ungleich verteilt sind", schreiben die Autoren der Studie, die für die aktuelle Erhebung erstmals auch Kreise und kreisfreie Städte untersucht haben.

In Bayern etwa verlassen laut der Studie landesweit nur 4,9 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne einen Abschluss. Regional jedoch schwanke der Anteil zwischen 0,7 und 12,3 Prozent, auch bedingt durch das jeweilige Schulangebot vor Ort. Ein weiteres Beispiel: In Sachsen machen 44,7 Prozent der Schüler Fachabitur oder Abitur. Auf Ebene der Kommunen liegt die Spannbreite laut dem Chancenspiegel zwischen 32 und 63 Prozent.

Die Autoren der Studie fordern daher eine stärkere Unterstützung der regionalen Schulentwicklung durch die Länder. "So kann der Entstehung von Ungleichheit begegnet werden, unabhängig von den kommunalen Finanzlagen", sagt Mitautor Wilfried Bos, Professor am Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund. 

Die Autoren bemängeln, dass wegen ihrer sozialen Herkunft benachteiligte Kinder in der Schule weiter nicht ausreichend gefördert werden. "Neuntklässler aus höheren Sozialschichten haben in Mathematik bis zu zwei Jahre Vorsprung vor ihren Klassenkameraden aus bildungsferneren Familien", schreiben die Experten. Eine positive Entwicklung sei, dass weniger Jugendliche als in den Vorjahren die Schule ohne Abschluss verlassen und der Anteil der Schüler, die eine Zugangsberechtigung zur Hochschule schaffen, steigt.