Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen zum Attentat auf das Oktoberfest von 1980 wieder aufgenommen. Als Grund nannte Generalbundesanwalt Harald Range eine neue, bislang unbekannte Zeugin. "Ich habe heute angeordnet, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden", sagte er. Die Ermittlungen werden sich demnach nicht allein auf die eine Zeugin beschränken. "Wir werden allen Ansatzpunkten erneut und umfassend nachgehen", sagte er. Es gebe Hinweise, die auf "bislang unbekannte Mitwisser" hindeuten könnten. 

Ein Opferanwalt hatte eine neue Zeugin ausfindig gemacht. Medienberichten zufolge nannte die Frau in ihrer Aussage bei der Bundesanwaltschaft einen mutmaßlichen Mittäter des bisher als Einzeltäter geltenden Gundolf Köhler mit Namen. Die Behörde bestätigte im November, dass sie eine Wiederaufnahme der Ermittlungen prüfe.

Jetzt "stehen wir vor einer neuen Situation", sagte Range. Die Aussage der Zeugin sei werthaltig. Zum Inhalt äußerte er sich nicht.

Bei dem Anschlag auf der Wiesn waren 13 Menschen getötet und 200 verletzt worden. Unter den Toten war auch der Mann, den die Ermittler lange für den einzigen Täter hielten. Der 21-jährige Köhler war Anhänger der rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann. Range bezeichnete den Anschlag als das "schwerste rechtsextremistische Attentat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland".

Die Ermittlungen wurden zwei Jahre nach dem Anschlag beendet, weil die Bundesanwaltschaft keine weiteren Tatbeteiligten ausfindig machen konnte. Doch gab es immer wieder Zweifel an der Theorie vom Einzeltäter.

Range sagte nun: "Eine Einzeltätertheorie haben wir niemals verfolgt." Von Anfang an sei nach möglichen Mittätern oder Verschwörern gesucht worden. Wiederholt habe die Bundesanwaltschaft die Wiederaufnahme der Ermittlungen geprüft, unter anderem auch nach Auswertung von Stasi-Unterlagen.