Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat die Pegida-Demonstrationen auf Fehler der Politik zurückgeführt. "Ich sehe, dass viele Menschen das Gefühl haben, dass sie sich in der institutionell verfassten Politik nicht wiederfinden. Das muss man erst nehmen", sagte Schäuble der Rheinischen Post. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte, ausländerfeindliche Bedrohungsszenarien und islamfeindliche Angriffe auf Flüchtlinge seien unvereinbar mit dem christlichen Glauben.

"Wer entsprechende Parolen mitskandiert oder ihnen zustimmt und dann noch das Wort christlich in den Mund nimmt, der sollte heute nur mal einen Moment auf die Weihnachtsbotschaft hören", sagte Bedford-Strohm dem Kölner Stadt-Anzeiger. "Das Kind in der Krippe hat nur überlebt, weil seine Eltern in Ägypten Asyl gefunden haben."

Dass Pegida davor warne, dass Deutschland überfremdet werde, deute auf soziale Ängste hin, sagte Schäuble. "Eine moderne, freiheitliche Gesellschaft hängt davon ab, dass die Menschen das Gefühl haben, es geht in ihr fair zu. Wenn diese Grundvoraussetzung für sozialen Zusammenhalt verloren geht, wird das Gesamtsystem geschwächt."

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) forderte, Deutschland müsse langfristig solidarischer gegenüber Flüchtlingen sein. "Es werden in Zukunft noch mehr Menschen fliehen. Experten sprechen allein von 200 Millionen Klimaflüchtlingen", sagte Müller der Leipziger Volkszeitung. Deshalb müssten "alle viel, viel mehr Solidarität üben".

Auch die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs kritisierte in ihrer Weihnachtspredigt am Heiligen Abend fremdenfeindliche Proteste. "Mich erschrecken die Bilder von Demonstrationen, bei denen Tausende von Menschen schweigend durch die Straßen ziehen und signalisieren: Wir wollen hier weniger Flüchtlinge, am liebsten gar keine. Mir fehlt jedes Verständnis dafür", sagte die evangelische Bischöfin.

Sachsen will sich für die Einstufung Tunesiens als sogenanntes sicheres Herkunftsland starkmachen. Das heißt, dass Asylanträge von Tunesiern in der Regel als unbegründet abgelehnt werden könnten. Zur Begründung sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU), Tunesien habe als einziges arabisches Land erfolgreich einen Transformationsprozess hinter sich gebracht. "Dort gibt es demokratische Wahlen und eine vernünftige Verfassung. Es gibt keine politische Verfolgung. Wir haben eine Anerkennungsquote von praktisch null."