Pegida-Demonstration in Dresden © Hannibal Hanschke/Reuters

Die Initiative Pegida hat weiter starken Zulauf. In Dresden sammelte sich eine gewaltige Menschenmenge von fast 10.000 Menschen, um gegen eine angebliche "Islamisierung des Abendlandes" zu demonstrieren. Auf einen Demonstrationszug hatten die Initiatoren im Gegensatz zu vergangener Woche verzichtet, sie hielten nur eine Kundgebung ab. Zugleich gingen in dem Bereich vor dem Rathaus der Stadt etwa 9.000 Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus auf die Straße.  

Die Kundgebung löste sich gegen 20 Uhr auf. Vereinzelt gerieten danach Gegendemonstranten mit den Islamkritikern aneinander, laut Teilnehmern flogen Böller. Die Polizei war in Dresden mit 1.200 Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz.

In Düsseldorf beteiligten sich an einer Pegida-Kundgebung nur 400 statt der erwarteten 2.000 Menschen. Zu Gegendemonstrationen kamen nach Polizeiangaben dagegen fast dreimal so viele: etwa 1.100.

Das Bündnis tritt für eine Verschärfung des Asylrechts ein, hält die Medien für einseitig und manipuliert und warnt vor kriminellen Ausländern. Dabei kommen dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration zufolge in diesem Jahr nur etwa 200.000 Asylbewerber nach Deutschland. Sachsen nahm mit etwas mehr als vier Millionen Einwohnern etwa 12.000 davon auf. 2,2 Prozent der Einwohner Sachsens sind Ausländer.

Mittlerweile forschen Politiker nach den Ursachen des Zulaufs. Laut derzeitiger Analyse lassen sich Bürger von den Veranstaltern für ihre Ziele benutzen. "Die Initiatoren schüren mit ausländerfeindlicher Hetze und islamfeindlicher Agitation Vorurteile und Ängste", sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Ralf Jäger (SPD), der Neuen Osnabrücker Zeitung. Mit Blick auf die ebenfalls antiislamisch auftretende Gruppe Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa) kündigte der nordrhein-westfälische Ressortchef eine Untersuchung zur Zusammensetzung und Motivation der Protestierer an. 

Initiator ist vorbestraft

Das Thema steht auch auf der Tagesordnung der Innenministerkonferenz in dieser Woche. Auch Neonazis und andere radikale Kräfte mischten sich in den vergangenen Wochen unter die Demonstranten. Am Montagabend waren sie in Dresden aber nicht gesondert auszumachen.

Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach warnte die Bürger vor einer Teilnahme an den Pegida-Demos: "Man sollte sich nicht für extreme politische Ziele instrumentalisieren lassen, die man selbst nicht teilt", sagte er der Rheinischen Post.

Hauptinitiator von Pegida ist Lutz Bachmann. "Unser Ziel sind 10.000", hatte der 41-jährige Dresdner Werbefachmann vergangene Woche der rechtskonservativen Wochenzeitung Junge Freiheit gesagt. Offenbar unter dem Eindruck der Radale der vergangenen Wochen von Kurden und Salafisten in Köln hatte er für den 20. Oktober die erste Demonstration angemeldet. Es kamen nur wenige Hundert Menschen. Der Initiator ist vorbestraft, saß mehrfach in Haft und ist zurzeit aufgrund einer Verurteilung wegen Drogenhandels nur auf Bewährung frei. Er geht offen mit seiner Einstellung um: Im vergangenen Jahr hatte er bei Facebook geschrieben,  "Claudia Fatima Roth" und die "Öko-Terroristen" gehörten "standrechtlich erschossen".

Organisator des Sternlaufs der Gegendemonstranten in Dresden war ein breites Bündnis – daran beteiligt unter anderem die Kirchen, das Islamische Zentrum, die Jüdische Gemeinde, der Ausländerrat, das Bündnis Dresden Nazifrei, die Studierendenschaften und die Technische Universität. Zum Protest gegen Pegida aufgerufen hatten auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und sein sozialdemokratischer Stellvertreter, Martin Dulig.