Einen Islam, der rein faktisch zu Deutschland gehört, gibt es gratis. Entsprechend armselig ist bloß oft die Qualität der Lehre. Wer es zulässt, dass der saudische oder türkische Staat Imame in Deutschland finanziert, die weder Deutsch sprechen noch kritisch-aufgeklärt denken, darf sich nicht wundern, wenn die Glaubenspraxis vieler Muslime mit einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung weiterhin schwer vereinbar bleibt. Ein anderer Islam, einer, der auch normativ zu Deutschland gehörte, würde eine paar Euros kosten. Aber es wäre eine lohnende Investition.

Wie wichtig der Zusammenhang zwischen Geld und zeitgemäßer Religionsinterpretation ist, zeigt sich am Streit um das neue österreichische Islamgesetz. Es sieht eine Menge Rechte für Muslime vor (die staatliche Beachtung islamischer Feiertage und Speisegebote, Anspruch auf Seelsorge in Krankenhäusern oder beim Militär), aber auch eine Reihe von Pflichten und Einschränkungen. Die einschneidendste von ihnen ist das Verbot für islamische Gemeinschaften, künftig Geld aus dem Ausland anzunehmen. Diese Restriktion hat gute Gründe, wie Ednan Aslan hier vor ein paar Tagen darlegte, der Leiter der Islamischen Religionspädagogik und des Instituts für Islamische Studien an der Universität Wien: "Der in Österreich praktizierte Islam ist ein Islam türkischer, arabischer, pakistanischer oder tschetschenischer Prägung, nicht aber einer, der Elemente der Aufklärung auch nur ansatzweise aufgenommen hätte."

Das Problem dürfte allerdings sein, dass diese Regelung vor dem österreichischen Verfassungsgerichtshof nicht bestehen wird. Denn ein Verbot der Auslandsfinanzierung müsste schon für sämtliche Religionsgemeinschaften greifen, auch für christliche und jüdische. Alles andere wäre ein Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Es mag ja stimmen, was der Islam-Reformer Mouhanad Khorchide diese Woche im Spiegel sagt, nämlich dass eine religiös-fundamentalistische Bedrohung in Europa gegenwärtig vor allem von Islamisten ausgeht und dass militant-salafistische Vereine in Deutschland ohne Finanzierung aus Saudi-Arabien kaum überleben könnten. Aber die Rechtsstaatlichkeit würde es trotzdem gebieten, jeden Geldstrom und die Absichten dahinter einzeln zu prüfen. Ein generelles Verbot mag sinnvoll sein, ließe sich nur dann rechtfertigen, wenn man auch der jüdischen Gemeinde Zuwendungen aus Israel und Katholiken Geld aus Rom untersagen würde.

Das kann man natürlich machen. Bloß: Jede Menge Religionsgemeinschaften in Deutschland, vor allem muslimische, plötzlich in Armut zu werfen, kann auch nicht Sinn der Sache sein. Wenn Deutschland sich ein Beispiel an Österreich nehmen will, sollte es deshalb lieber gleich einen Schritt weiterdenken, und zwar in eine sehr grundsätzliche Richtung.

Es gibt letztlich keinen guten Grund dafür, dass – wenn der Staat schon eine Kirchensteuer eintreibt – er diesen Service ausschließlich für Protestanten und Katholiken leistet. Das deutsche Kirchensteuermodell war rechtlich schon immer fragwürdig. Mittlerweile hat die religiös-gesellschaftliche Wirklichkeit es komplett überholt.

Juristisch konsequent und gesellschaftlich zeitgemäß wäre es, die Kirchensteuer durch eine Religionssteuer zu ersetzen. Jeder Steuerzahler könnte dann ein Häkchen hinter diejenige Religionsgemeinschaft setzen, die er mit seinem Anteil bedenken möchte. Sicher, das wäre nichts anderes als eine staatlich unterstützte Spendenverteilung, die eigentlich auch jede Glaubensgemeinschaft für sich organisieren könnte. Aber die Abschaffung der Kirchensteuer ist, realistisch betrachtet, keine Alternative. Mit den knapp zehn Milliarden Euro jährlich werden in Deutschland so viele Kinderheime, Altenheime, Krankenhäuser und diakonische Dienste mitfinanziert, dass ohne diese verlässliche Finanzquelle eine essentielle Versorgungsstruktur wegbrechen würde.

Wer einen Islam möchte, der tatsächlich zu Deutschland gehört, wer deutsch sprechende Imame möchte, die an anspruchsvollen, kritischen Universitäten ausgebildet sind, der muss dafür auch deutsches Geld aufbringen. Eine allgemeine Religionssteuer mag nach Rückschritt klingen. Tatsächlich wäre sie ein wichtiger Fortschritt, nicht nur für die Integration, sondern auch für überfällige Innovation des Islam.