Dimitri Metzler ist Spätaussiedler. Er lebt schon lange in Deutschland, macht aber keinen Hehl daraus, dass sein Herz für Russland schlägt. Von seiner Düsseldorfer Wohnung aus koordiniert er nach Feierabend Spendensammlungen von bundesweit über 100 Aktivisten der russischen NOD-Bewegung. Mit dem Geld unterstützt NOD die prorussischen Soldaten im Donbass.

Die Nationale Befreiungsbewegung, nach ihren russischen Anfangsbuchstaben abgekürzt NOD, hat in Russland 170.000 Mitglieder. In Deutschland sucht sie vor allem unter russischsprachigen Spätaussiedlern Mitstreiter. Metzler hilft dabei als Koordinator. Auf der offiziellen russischen NOD Webseite wird er als "Redakteur" für Deutschland genannt. Auf Anfrage erklärt er, weder er noch NOD bekämen Geld von der russischen Regierung für ihre Arbeit.

Fest steht allerdings, NOD hat eine enge ideologische Anbindung an den von Wladimir Putin bestimmten politischen Kurs Russlands. Ihr Slogan lautet "Heimat, Freiheit, Putin". Anführer ist der rechts-nationalistische Duma-Abgeordnete Ewgeni Fedorow. 

Die Bewegung zieht ihr Mobilisierungspotenzial daraus, dass die Menschen glauben, Russland sei bedroht, sagt der Soziologe Lew Gudkow vom Moskauer Lewada-Institut. Der Wissenschaftler vertritt die Auffassung, die Aktivitäten des NOD würden von der russischen Präsidialverwaltung geplant, organisiert und durch Polizei und den Inlandsgeheimdienst FSB koordiniert. "Da ist nichts spontan. Das ist eine gezielte, durchdachte Tätigkeit, die im Übrigen auch sehr viel Geld kostet", sagt Gudkow.

Hauptgegner von NOD sind Oppositionelle, die als fünfte Kolonne der USA angeblich eine "ausländische Intervention" in Russland vorbereiten. Immer wieder kommt es vor, dass NOD-Anhänger Demonstrationen von Organisationen wie Solidarnost oder Für die Rechte der Arbeiter angreifen, ihre Teilnehmer zusammenschlagen oder Putin-kritische Plakate herunter reißen. Kern der NOD-Ideologie ist die Annahme, dass Russland in den Wirren zum Ende der Sowjetunion seine Souveränität verloren habe.

In dieser Annahme liegt die ideologische Schnittmenge zwischen dem deutschen NOD Ableger und der rechtsradikalen Reichsbürger-Bewegung, die in Deutschland politisch und organisatorisch bei einzelnen Veranstaltungen zusammenarbeiten. Die Anhänger der Reichsbürger-Bewegung verhielten sich lange unauffällig. "Sie wurden als bloße Spinner verharmlost", erklärt Jan Rathje, der für die anti-rassistische Amadeu Antonio Stiftung eine Broschüre über das Thema geschrieben hat. Mit ihren Welterklärungsmodellen und den regelmäßigen Montagsdemonstrationen fänden sie allerdings ein immer größeres Publikum, das sich von der demokratischen Teilhabe ausgeschlossen fühle und seine Frustration auf andere Gruppen projiziere.

Dass diese Verschwörungsansätze der Reichsbürger durchaus Anhänger findet, zeigt das Beispiel des Sängers Xavier Naidoo. In der aktuellen Ausgabe des Stern verteidigt er seinen Auftritt bei den Reichsbürgern im vergangenen Herbst vor dem Berliner Reichstag, Motto: "Deutschland ist kein souveränes Land. Wir sind nicht frei". Der Sänger hatte an einer Anti-Maidan Kundgebung teilgenommen, die in Russland von NOD organisiert wurde und in mehr als 200 Städten Europas Tausende Anhänger für Putins Ukraine-Kurs mobilisierte. In Berlin hatten Reichsbürger und NOD zusammen zur Demonstration aufgerufen.