Nach dem Erdbeben suchen in Kathmandu Menschen nach Überlebenden. © Narendra Shrestha/EPA/dpa

Während des stärksten Erdbebens in der Region seit mehr als 80 Jahren sind in Nepal nach Angaben von Sicherheitskräften mehr als 1.500 Menschen gestorben. Die endgültige Zahl könnte bis zu dreimal höher liegen, viele Menschen werden noch unter den Trümmern der eingestürzten Häuser vermutet.

Mehr als 1.700 Menschen seien verletzt worden, sagte Polizeisprecher Kamal Singh Bam. Das Beben hatte eine Stärke von 7,8. Das teilten übereinstimmend das Deutsche Geoforschungszentrum und die US-Erdbebenwarte USGS mit. Das Epizentrum lag etwa 80 Kilometer westlich der Hauptstadt Kathmandu in 18 Kilometern Tiefe. Die Erde soll mehr als eine Minute gebebt haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der nepalesischen Regierung Hilfe zugesichert. Merkel habe dem nepalesischen Ministerpräsidenten Sushil Koirala ihr Mitgefühl übermittelt, teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz mit. Die Bundesregierung stehe bereit, nach Kräften zu helfen.

Straßen sind zerstört, Kommunikationsmittel unterbrochen

Deutsche und internationale Hilfsorganisationen bemühten sich derweil um eine Einschätzung des Bedarfs vor Ort. Die Organisation CARE teilte mit, sie plane 75.000 Menschen mit Notunterkünften, Nahrungsmitteln, Wasserreinigungstabletten und dem Bau von Latrinen zu unterstützen. "Unsere Priorität ist, den Bedarf so schnell wie möglich einzuschätzen und unsere Hilfe zu starten."

Der Direktor für die Region Asien/Pazifik des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Jagan Chapagain, sagte, das IKRK sei besonders besorgt um die Bewohner abgelegener Dörfer nahe dem Epizentrum des Bebens 80 Kilometer von der Hauptstadt Kathmandu entfernt. Straflen seien zerstört oder durch Erdrutsche verschüttet und Kommunkationsverbindungen seien unterbrochen.

In Kathmandu seien vor allem alte Häuser und historische Tempel eingestürzt, berichtet die BBC. Auch der um 1.800 gebaute und mehr als 60 Meter hohe Dharahara-Turm in der Altstadt ist kollabiert. Das Bauwerk war von der Unesco als historisches Denkmal eingestuft worden. Ein Fotograf sagte, vor ihm sei ein Hotel in sich zusammengesackt. Die Bewohner der Stadt seien auf die Straße geflüchtet. Offizielle Angaben über das Ausmaß der Schäden gab es zunächst nicht. In der dicht besiedelten Region leben 2,5 Millionen Menschen.

Die nepalesische Regierung rief in den betroffenen Regionen den Katastrophenzustand aus und bat um humanitäre Hilfe. Die indische Regierung entsandte daraufhin Einsatzkräfte und Material in das Land. Die Times of India twitterte Fotos, die eine Militärmaschine vor dem Start zeigen. In Deutschland bereitet das Technische Hilfswerk sich auf einen Einsatz vor. Auch die Welthungerhilfe will Einsatzteams in das Land schicken. "Zu unseren Kollegen besteht Kontakt, sie sind bereits auf Erkundung, um das Ausmaß der Katastrophe abzuschätzen", sagte Programmvorstand Mathias Mooge. Für Menschen, die Angehörige vermissen, hat Google einen Personenfinder erstellt.

Auch Bergsteiger auf dem Mount Everest wurden von dem Beben getroffen. Die Behörden berichteten von acht Toten. Ein Sherpa soll über Funk berichtet haben, dass knapp 80 Bergsteiger von einer Lawine erfasst worden seien; das sagte ein Bergsteiger der schwedischen Nachrichtenagentur TT. Auf Twitter wurden Fotos verbreitet, die zeigen, dass ein Basislager am Everest zerstört wurde. ARD-Korrespondent Gabor Halasz, der sich wegen Dreharbeiten am Fuße des höchsten Bergs der Welt befand, berichtete von einem lauten Knall und Erdrutschen.

Das Beben war auch in Indien zu spüren. Fotos aus den nordöstlichen Regionen des Landes zeigen zerstörte Häuser. Mehr als 30 Menschen seien in Indien gestorben, Hunderte seien verletzt, berichtet die Times of India. Zwölf Menschen seien in China, sechs in Tibet und vier in Bangladesch gestorben, schreibt der Guardian. Auch in Pakistan habe die Erde spürbar gezittert. Ein Einwohner von Lahore im Osten des Landes sagte, er habe in seinem Büro gesessen, als er merkte, wie die Erde bebte.