In der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist der prominente russlandfreundliche Journalist und Regierungsgegner Oles Busina vor seinem Haus erschossen worden. Die beiden Täter seien maskiert gewesen, teilte das ukrainische Innenministerium mit. Weitere Details seien bisher nicht bekannt.

Busina galt als Gegner der proeuropäischen Proteste auf dem Maidan. Im vergangenen Jahr kandidierte er ohne Erfolg für die Partei Russischer Block bei der Parlamentswahl. Der 45-Jährige polarisierte seit Jahren mit seinen auflagenstarken Büchern zu Geschichtsthemen. Er war Chefredakteur der Tageszeitung Segodnja von Rinat Achmetow, dem reichsten Mann der Ukraine und Hauptfinanzier der Partei des gestürzten prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch.

Auf seiner Website hatte Busina der neuen Regierung von Präsident Poroschenko vorgeworfen, sie wolle "die russische Kultur zerstören". Zuletzt hatte er die "Zensur" durch die prowestlichen Machthaber sowie ein Auftrittsverbot im Fernsehen kritisiert. Unlängst hatte er seinen Posten als Chefredakteur von Segodnja niedergelegt.  

Poroschenko fordert "transparente Untersuchung"

Erst am Vorabend war der frühere Parlamentsabgeordnete Oleg Kalaschnikow von Janukowitschs Partei der Regionen bei einem ähnlichen Attentat vor seiner Wohnung getötet worden. Nach Angaben aus dem Innenministerium nahm die Polizei wegen des Todes Kalaschnikows Mordermittlungen auf. Auch er wurde offenbar erschossen. Es werde sowohl in Richtung einer politisch motivierten Tat, als auch eines Raubmordes aus wirtschaftlichen Gründen ermittelt, hieß es. Kalaschnikow soll während der Proteste der proeuropäischen Opposition gegen Janukowitsch Gegenkundgebungen organisiert haben.

Poroschenko verurteilte die offenkundigen Morde als "absichtliche Provokation", die "Öl auf die Mühlen unserer Feinde gießen und die Lage in der Ukraine destabilisieren". Er forderte seine eigenen Behörden zu einer "transparenten Untersuchung" auf.

In Moskau äußerte sich Präsident Wladimir Putin bei seiner Fernsehsprechstunde Direkter Draht besorgt über die Vielzahl von politischen Verbrechen in der Ukraine. Er sprach von einer politisch motivierten Tat. In der Ukraine geschähen eine ganze Reihe solcher Morde. Der Westen sehe über diese Fälle hinweg, kritisierte Putin.

Ungeklärte Mordserie gegen Oppositionspolitiker

Die Zahl der Fälle, in denen Unterstützer von Ex-Präsident Janukowitsch ums Leben gekommen sind, erhöhte sich mit den beiden neuen Opfern auf fünf. Beobachter beklagen eine ganze Serie ungeklärter Mordfälle. Der ehemalige Gouverneur Olexandre Peluschenko sowie der frühere Abgeordnete Stanislaw Melnik wurden beide tot in ihrem Haus gefunden. Beide Politiker sollen sich das Leben genommen haben. Michailo Tschetschetow, ein hoher Parlamentsmitarbeiter der Partei der Regionen, war Ende Februar aus einem Fenster im 17. Stock gestürzt.

Zudem war Ende März der jüngste Sohn Janukowitschs mit einem Kleinbus auf dem zugefrorenen Baikal-See in Sibirien eingebrochen und ertrunken. Auch wenn Vertraute des Ex-Präsidenten von einem Unfall sprachen, wurde der Vorfall von manchen Beobachtern als verdächtig bewertet.

Janukowitsch war im Februar 2014 nach monatelangen Protesten ins russische Exil geflohen. Zwei Monate später begannen die Gefechte zwischen ukrainischen Streitkräften und prorussischen Rebellen im Osten des Landes, durch die nach Angaben der Vereinten Nationen bislang mehr als 6.000 Menschen getötet wurden.