"Ne Gjermani nuk ka Azil ekonomik", steht in Versalbuchstaben auf den Anzeigen, die in dieser Woche in sechs großen albanischen Zeitungen erscheinen, "kein Wirtschaftsasyl in Deutschland". Mit einer groß angelegten Kampagne reagiert Deutschland so auf den wachsenden Zustrom von Asylsuchenden aus Albanien. In sechs Blättern, darunter die meistgelesenen Zeitungen Shekulli und Shqip, warnt die deutsche Botschaft in Tirana die Albaner vor "skrupellosen Geschäftemachern", die "aus Profitgier Märchen über Asylgewährung, Arbeitsstellen und Wohnungen in Deutschland verbreiten".

Die Aktion ähnelt einer Österreichs im Februar in kosovarischen Medien. Auch aus dem Kosovo und weiteren Westbalkanstaaten wollen viele Flüchtlinge nach Europa. Doch Albanien gilt inzwischen bei den deutschen Asylbehörden als "Hauptproblemland": Die Zahl der Asylantragsteller wächst gewaltig, die Anerkennungsquote ist außerordentlich gering. Im vergangenen Jahr lag die sogenannte Schutzquote bei 2,2 Prozent, in diesem Jahr bisher nur bei 0,6 Prozent.

Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) stellte im vergangenen Jahr fast die Hälfte der albanischen Asylbewerber in Europa ihren Asylantrag in Deutschland – insgesamt waren es in Deutschland 7.865 Erstanträge von Albanern, dazu 248 Folgeanträge. Im Mai dieses Jahres war Albanien Hauptherkunftsland bei den Asylanträgen. Es gab 4.743 Erstanträge. Im Vergleich dazu kamen 4.319 Anträge von Kosovaren und 4.224 von Syrern. In Sicherheitskreisen heißt es, Busunternehmen aus dem Kosovo haben sich im Norden Albaniens etabliert und bieten kostengünstige Reisen nach Deutschland, oft mit falschen Versprechungen wie einer sofortigen Chance auf Arbeitsaufnahme.

Auch gut Gebildete verlassen Albanien

Albanien gehört mit einem realen Pro-Kopf-Einkommen von 280 Euro im Monat zu den ärmsten Ländern Europas, die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 18 Prozent. Das Land kämpft mit großen Korruptionsproblemen. Entsprechend groß sind die Verlockungen, aus wirtschaftlichen Gründen einen Aufenthaltsstatus in Deutschland oder anderen EU-Ländern zu erlangen. Inzwischen verlassen auch gut gebildete Angehörige der Mittelschicht das Land.

Bereits Anfang Mai hatte das BAMF seine Prognose über die Asylanträge in diesem Jahr deutlich nach oben korrigiert und dabei auch auf die steigende Zahl von Anträgen aus Albanien hingewiesen. Der Präsident des BAMF, Manfred Schmidt, sagte damals, der "große Zustrom von Asylsuchenden aus Albanien" sei zunächst nicht absehbar gewesen.

Der deutsche Botschafter in Tirana, Hellmut Hoffmann, kommentierte die jetzt gestartete Anzeigenkampagne: "Wir beobachten immer wieder, dass sich viele Albaner aufgrund falscher Informationen auf den Weg Richtung Deutschland machen. Dem versuchen wir durch Fakten und Erklärung der tatsächlichen Rechtslage entgegenzuwirken." Gleichzeitig informiere die Botschaft über legale Möglichkeiten, nach Deutschland auszureisen und dort eine Arbeit zu suchen, versicherte er. "Es ist das gemeinsame Interesse der deutschen und der albanischen Behörden, zu verhindern, dass immer mehr Menschen ihrer Heimat den Rücken kehren. Albanien braucht gerade seine jungen Menschen, um das Land voranzubringen."

Falsche Versprechungen

Vor wenigen Tagen machte sich BAMF-Präsident Schmidt in der albanischen Hauptstadt Tirana selbst ein Bild von der Lage im Land. Er sagte dem Tagesspiegel im Zusammenhang mit der Kampagne: "Kaum ein albanischer Asylbewerber, der zu uns kommt, wird in seinem Land verfolgt." Deshalb hätten Albaner praktisch keine Aussicht auf einen Flüchtlingsschutz in Deutschland. "Viele werden von organisierten Schlepperbanden mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt." Geplant sei, im Zusammenhang mit der Anzeigenkampagne die Asylanträge aus Albanien noch schneller zu bearbeiten als bislang. "Beim Kosovo haben wir es mit ähnlichen Mitteln geschafft, die Zugänge zu senken. Das muss uns auch bei Albanien gelingen."

In den Anzeigen der deutschen Botschaft in den albanischen Zeitungen klingt das fast noch ein wenig undiplomatischer. "Aus wirtschaftlichen Gründen in Deutschland gestellte Anträge auf Asyl werden grundsätzlich abgelehnt", heißt es. "Suche nach Arbeit, Armut oder Krankheit werden als Gründe nicht anerkannt." Ausschließlich für anerkannte Akademiker und qualifizierte Fachkräfte in einzelnen Berufen gebe es die Möglichkeit, eine Arbeit in Deutschland aufzunehmen.

Drastisch warnt die Botschaft weiter: Wer einmal abgeschoben wurde, dürfe in der Regel mehrere Jahre nicht mehr in Deutschland und in den Schengen-Raum einreisen. "Ruinieren Sie daher nicht durch Aufgabe ihrer Lebensgrundlage an Ihrem Wohnort die Zukunft Ihrer Kinder! Nach Ihrer Rückkehr nach Albanien wird Ihre Situation nur noch schwieriger sein."