Die Politik der langen Leine hat versagt: Trotz Appellen, Kampagnen und kostenlosen Plastiktüten bekoten Hunde noch immer täglich millionenfach bundesdeutsche Gehwege und Grünanlagen, ohne dass ihre Besitzer die Exkremente ordnungsgemäß entsorgen. Ein Rechtsbruch, der in den meisten Fällen auf Grund des hohen Ermittlungsaufwands ungesühnt bleibt.

Immer mehr Kommunen wollen sich mit der anhaltenden Gesetzesübertretung durch diesen Teil der Hundehalter nicht abfinden und fordern den Einsatz forensischer Molekularbiologie zur Überführung der achtlosen Tierhalter: In einer DNA-Datenbank sollen Hunde registriert und so unbeseitigten Kothaufen zugeordnet werden.

In einigen US-Städten wird bereits mit dieser Methode nach Hunden gefahndet, in London startet im kommenden Jahr ein Pilotprojekt. Ginge es nach Politiker Franz-Josef Jung aus Leichlingen bei Köln, würde seine bergische Heimatstadt Vorreiter. "Wenn demnächst London und schon seit einiger Zeit auch Neapel auf diese Weise massiv gegen das Hundekotproblem vorgeht, warum sollte das dann nicht in deutschen Städten funktionieren?", fragte Jung, Fraktionschef der Bürgerliste. 

Städte- und Gemeindebund dämpft Erwartungen an bundesweites Kot-Ermitlungssystem

"In den Kommunen wird das Hundekot-Problem als größeres Ärgernis beschrieben. Das Thema der DNA-Analyse kommt immer wieder hoch", sagte Ulrich Mohn vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Der Aufbau einer Datenbank sei allerdings aufwendig. Große Hoffnungen auf eine bundesweite, flächendeckende Lösung hat der Verband daher nicht. "Aber dass einige Kommunen vorangehen wollen und dezentral so etwas ausprobieren, verfolgen wir mit Interesse."

Handlungsbedarf sieht man in vielen Städten und Gemeinden – da ist Jung aus Leichlingen mitnichten der einzige. "Eltern beklagen sich, weil ihre Kinder mit den Rollern im Hundekot am Wegesrand landen oder weil die Kleinen auf dem Spielplatz mit den Händen im Sand in einen Haufen greifen." Sein Vorstoß im Stadtrat, eine DNA-Datenbank zu prüfen, hat auch damit zu tun: "Da sitzt ein Herr um die 80 abends auf einem Spielplatz und siebt Kot-Krümel aus dem Sand, damit die Kinder morgens ekelfrei spielen können."

Selbst Hundehalter sagen, sie würden bei einer Datenbank mitmachen. Monika Jansen begründete das so: "Die Leute auf frischer Tat zu ertappen ist schwierig." Sie selbst beseitige das Geschäft ihres Hundes ausnahmslos – zum Beweis hebt sie mehrere Kotbeutel in die Höhe. 

70-80 Euro für Registrierung in Kot-Datei

Biologe Andreas Wende aus dem bergischen Burscheid bietet ein solches DNA-Verfahren an und ist nach eigenen Worten schon mit mehreren Kommunen im Gespräch. "Aktiv praktiziert wird das DNA-Verfahren in Deutschland noch nicht, aber das Interesse ist da." Wie das funktioniert? "Wir bevorzugen einen Maul-Abstrich und isolieren daraus DNA", sagte Mende. Aus einer Haufen-Probe werde DNA extrahiert. Mit hoher Trefferquote lasse sich der Täter so ermitteln. Kosten: 70 bis 80 Euro pro Hund für die Datenbank-Anlage. Und dieselbe Summe für eine Extremente-Analyse, Einsammeln inklusive.

"Wir wollen anbieten, dass die Stadt den DNA-Abgleich nur bei Überführung des Übeltäters zahlt – und diese Kosten bekommt sie dann über das Bußgeld wieder mehr als rein", sagte Mende. Bei den Kommunen gebe es aber Bedenken, ob man Hundebesitzer zur DNA-Abgabe verpflichten dürfe.

Diese hätten durchaus die Möglichkeit, das vorzuschreiben, meint Rechtsexperte Mohn vom Städte- und Gemeindebund. "Wenn man eine solche Maßnahme gut begründen kann und sie verhältnismäßig ist, spricht nichts dagegen. Das kann man im Bereich der kommunalen Selbstverwaltung regeln." Jung sagte: "Wer Kot nicht beseitigt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und gefährdet die Gesundheit anderer. Wir sollten in die Offensive gehen."