ZEIT ONLINE: Herr Lengemann, Sie gehen in Berlin zu einer Gartenparty mit der Queen. Wie kamen Sie zu dieser Einladung?

Martin Lengemann: Ich war gerade mit meinem Vater im Urlaub in Schottland, da klingelte das Telefon im Hotel und die britische Botschaft war dran. "Sie wissen bestimmt, warum wir anrufen", sagte die Stimme. "Nein", antwortete ich. "Der Botschafter hat Sie ausgesucht: Sie sollen die Queen treffen." Kollegen hatten mich auf der Facebook-Seite der Botschaft dafür vorgeschlagen. Ich war wirklich überrascht, dass man ausgerechnet mich ausgewählt hat.

ZEIT ONLINE: Sie und drei weitere Deutsche, die sich besonders um das deutsch-britische Verhältnis bemüht haben, wurden für ein Treffen mit der Queen während ihres Staatsbesuchs ausgewählt. Worin besteht ihr Engagement?

Lengemann: Ich bin Fotograf bei der Welt und bekam vor einem Jahr den Auftrag, zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs die ehemalige Westfront abzufahren, von der Schweizer Grenze bis nach Belgien. Auf dieser Reise habe ich so viele Geschichten und Erlebnisse gesammelt, dass ich in dem einen Text für die Welt gar nicht alles erzählen konnte. Also habe ich danach ein ganz eigenes Projekt daraus gemacht und dokumentiere meine Recherchen auf der Website die-narbe.net. Bald kommt auch ein Buch heraus und ein Dokumentarfilm, und es wird eine Ausstellung geben. Mir geht es mit dem Projekt vor allem um die Möglichkeit von Versöhnung und des gegenseitigen Verstehens.

ZEIT ONLINE: Ihr Urgroßvater war selbst als Soldat im ersten Weltkrieg.

Lengemann: Ja, er kam im Frühjahr 1918 als deutscher Soldat an die Somme, nach Nordfrankreich. Eines Tages begegnete er im Niemandsland zwischen den Fronten einem einzelnen britischen Soldaten. Die beiden Männer konnten nur kurz abwägen: Wer schießt zuerst? Wer muss sterben? Doch dann passierte das Wunder: Keiner von beiden schoss, sondern sie sprangen zusammen in einen Granattrichter. Da saßen sie dann, der eine sprach kein Wort Englisch, der andere kein Deutsch. Sie haben entschieden, sie wollen beide weiterleben, saßen da, rauchten, und vielleicht zeigten sie sich die Bilder ihrer Liebsten. Ein kleiner Waffenstillstand mitten im Krieg.

ZEIT ONLINE: Werden Sie diese Geschichte auch der Queen erzählen?

Lengemann: Die Frage stellt sich gar nicht. Es immer die Queen, die das Gesprächsthema bestimmt.

ZEIT ONLINE: Sind Sie überhaupt ein Fan der Queen?

Lengemann: Die Leute sagen jetzt zu mir, oh toll, du triffst die Queen, so einen Promi. Aber für mich ist es vor allem eine Belohnung für mein Projekt, für die ganze Mühe und Arbeit, die da drinsteckt. Dass da jetzt jemand kommt und sagt: "Das ist gut", da freue ich mich riesig drüber.

ZEIT ONLINE: Was ziehen Sie denn eigentlich zur Gartenparty an?

Lengemann: Das wird mir dank des vierseitigen Protokolls, das ich mit der Einladung bekommen habe, abgenommen: Lounge Suit ist angesagt, also Businessanzug. Und man solle auf jeden Fall einen Regenschirm mitbringen, steht da, denn die Queen wolle auch bei schlechtem Wetter durch den Garten des Botschafters gehen. Und wahrscheinlich werden wir alle zusammen singen, denn es wurde der Text der Nationalhymne mitverschickt. Und man kann davon ausgehen, dass es bei einer britischen Gartenparty Gin Tonic und Pimm's gibt.