Eine Frau im Zentrum von Loitz in Mecklenburg-Vorpommern: Viele Kommunen schrumpfen. © Stefan Sauer/dpa

Die Einwohnerzahl Deutschlands wird bis zum Jahr 2030 um mehr als eine halbe Million sinken – dabei werden die Städte eher wachsen, während im ländlichen Raum immer weniger Menschen leben wollen. Die Folge: Auf dem Land wird es schwieriger, eine funktionierende Infrastruktur etwa im Nahverkehr oder bei ärztlicher Versorgung sicherzustellen. Darauf weist die Bertelsmann Stiftung in einer Untersuchung hin.

Demnach werden in 15 Jahren trotz zu erwartender hoher Zuwanderung in Deutschland nur noch 79,97 Millionen Menschen leben, 0,7 Prozent weniger als 2012. Während Sachsen-Anhalt (minus 13,6 Prozent) und Thüringen (minus 9,9) stark verlieren, können sich die Stadtstaaten Berlin und Hamburg mit 10,3 und 7,5 Prozent über große Zuwächse freuen. Zudem steige das Durchschnittsalter der Bevölkerung.

Die Stiftung warnt vor dramatischen Folgen für den ländlichen Raum. "Es wird für schrumpfende und alternde Regionen immer schwieriger, eine gute Infrastruktur zu gewährleisten", sagte Brigitte Mohn vom Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Denn auch einwohnerschwache Regionen müssten flexible Mobilitätsangebote, schnelles Internet und eine angemessene medizinische Versorgung bieten. Besonders stark betroffen sind laut Studie Hoyerswerda in Sachsen, Bitterfeld in Sachsen-Anhalt und Roßleben in Thüringen. Dort soll in 15 Jahren ein Viertel weniger Menschen leben als noch vor drei Jahren. Einen Bevölkerungszuwachs um mehr ein Viertel prognostiziert die Studie dagegen für Unterföhring bei München, Ilvesheim im Rhein-Neckar-Gebiet und im brandenburgischen Ort Teltow im Berliner Speckgürtel.

München, Unterföhring und Münster für Junge attraktiv

Mit Blick auf die Altersstruktur der Bevölkerung warnt die Studie vor Versorgungslücken für ältere Menschen. Kommunen müssten sich auf einen erhöhten Pflegebedarf einstellen. 2030 ist demnach mehr als die Hälfte der Deutschen älter als 48,1 Jahre. 2012 lag dieses sogenannte Medianalter noch bei 45,3 Jahren. Auch dieser Wert zeigt laut Studie große Schwankungen je nach Region. In Berlin und Hamburg wird das Medianalter 2030 mit 43 Jahren am niedrigsten sein, am höchsten soll es in Brandenburg, Sachsen-Anhalt (beide 53) und Mecklenburg-Vorpommern (52,6) sein.

Der Blick in einzelne Kommunen zeigt: München, Unterföhring und Münster in Westfalen werden die jüngsten Städte sein. Eine besonders alte Bevölkerung sollen 2030 Bad Füssing in Bayern, Guben in Brandenburg und Grömitz in Schleswig-Holstein haben. Die Zahl der über 80-Jährigen steigt bis dahin bundesweit um fast 50 Prozent auf über 6,3 Millionen. Auch Städte wie Berlin mit einer jungen und wachsenden Bevölkerung müssen sich auf ein starkes Plus in dieser Altersgruppe einstellen. 2030 wird die Hauptstadt rund drei Viertel mehr Einwohner über 80 haben. Einen starken Anstieg bei dieser Altersgruppe gibt es auch in Schleswig-Holstein (plus 69 Prozent) und Brandenburg (plus 61 Prozent). Geringer ist der Anstieg im Saarland (plus 32) und in Nordrhein-Westfalen (plus 36). 

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