Amnesty International hat einen umstrittenen Beschluss zum Umgang mit Prostitution getroffen. Die Menschenrechtsorganisation will sich künftig für die weltweite Entkriminalisierung bei einvernehmlichem Sex einsetzen. Dies sei der beste Weg, die Menschenrechte von Prostituierten zu schützen, hieß es.

Eine entsprechende Resolution verabschiedeten Teilnehmer aus aller Welt beim International Council Meeting (ICM) in Dublin. Das Treffen ist eine Art Hauptversammlung der internationalen Bewegung von Amnesty, bei dem die Organisation die Grundlinien ihrer Menschenrechtspolitik festlegt. Zuvor hatte Amnesty fast drei Jahre zum Thema Sexarbeit recherchiert.

"Prostituierte sind eine der am meisten vernachlässigten Gruppen in der Welt, die in den meisten Fällen ständig dem Risiko von Diskriminierung, Gewalt und Missbrauch ausgesetzt sind", sagte Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty. "Unsere weltweite Bewegung ebnete den Weg, dass wir eine Politik verfolgen können, die den Schutz der Menschenrechte von Prostituierten fordert."

Zahlreiche Betroffene wurden angehört

Die Entscheidung war im Vorfeld von prominenten Frauen wie Meryl Streep und Kate Winslet kritisiert worden. Der Ausbeutung von Frauen werde durch Entkriminalisierung Tür und Tor geöffnet, hieß es. Tausende Menschen unterstützten einen Aufruf an Amnesty, auf den nun vollzogenen Schritt zu verzichten.

Die Verfasser des Briefes hatten "tiefe Besorgnis" über die Beschlussvorlage geäußert. Amnestys Ruf würde irreparabel befleckt, heißt es in der Petition, "wenn es eine Politik annehmen sollte, die Partei ergreift für Käufer von Sex, Zuhälter und andere Ausbeuter, anstatt für die Ausgebeuteten". Zu den Unterzeichnern gehört neben Aktivisten, Politikern und Prominenten aus verschiedenen Ländern auch die deutsche Zeitschrift Emma

Amnesty selbst wies darauf hin, man habe vor dem Beschluss zahlreiche Betroffene angehört.