In Deutschland wird laut einem Bericht des Spiegel im Durchschnitt an jedem fünften Tag eine Straftat begangen, die einen Bezug zur rechtsextremen Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) aufweist. Insgesamt 259 Fälle seien dem Bundeskriminalamt seit der Aufdeckung des NSU im November 2011 bekannt geworden, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Martina Renner.

Bei 120 Fällen handele es sich um Propagandadelikte – zum Beispiel 2013 in Düren, wo an einem Gebäude der islamischen Gemeinde folgender Schriftzug entdeckt wurde: "NSU lebt weiter und ihr werdet die nächsten Opfer sein." Die Ermittler registrierten neun Fälle "politisch motivierter Gewaltkriminalität" – von Brandstiftung bis zur gefährlichen Körperverletzung; in vier Fällen wurde der Einsatz von Waffen vermerkt.

Bezogen auf die Einwohnerzahl sind die meisten Fälle – nämlich mehr als doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt – in Sachsen und Thüringen zu verzeichnen, den beiden Heimatländern des NSU. Renner wird mit den Worten zitiert: "Die Zahlen sind alarmierend und verdeutlichen die unzureichende Auseinandersetzung in Behörden und Gesellschaft mit dem NSU-Skandal."

Die Staatsanwaltschaft München I geht laut einem Zeitungsbericht unterdessen dem Verdacht nach, dass Zeugen im NSU-Prozess falsche Angaben gemacht haben. Es gebe in fünf Fällen Vorermittlungen wegen des Verdachts einer uneidesstattlichen Falschaussage, zitierte die Thüringer Allgemeine einen Behördensprecher. Details zu den Verfahren wollte dieser demnach nicht nennen. Vor allem Vertreter der Nebenklage hatten mehrfach kritisiert, dass Zeugen – zumeist aus der rechtsextremen Szene – offensichtlich nicht die Wahrheit vor Gericht sagen würden. Auch der Staatsschutzsenat am Oberlandesgericht sowie die Vertreter der Bundesanwaltschaft wiesen mehrfach Zeugen darauf hin, welche Folgen falsche oder nicht gemachte Angaben haben könnten.