Bei dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft Ende August in Nauen (Havelland) sind die Täter offenbar besonders heimtückisch vorgegangen. Nach Tagesspiegel-Informationen hat sich der Verdacht erhärtet, bei dem Anschlag handle es sich um rechten Terror. Offenbar vermuten die Ermittler inzwischen, dass die mutmaßlich rechtsextremen Täter Gas in die Turnhalle eingeleitet haben.

Dafür spricht auch die Spurenlage am Tatort. Die Polizei fand an der Turnhalle eine Gasflasche und Autoreifen, die angesteckt wurden. Aus Sicht der Ermittler war der Anschlag besonders perfide. Die Täter hätten ihr Vorgehen offenbar detailliert und professionell geplant – während es sich bei anderen Brandanschlägen auf Flüchtlingsheime oft um spontane Taten gehandelt habe, bei denen Täter häufig Brandsätze warfen oder direkt in Gebäuden Feuer legten.

Für die Annahme, dass Gas eingeleitet wurde, spricht auch das Brandgeschehen selbst. In der Nacht zum 25. August war die Feuerwehr um 2.22 Uhr alarmiert worden. Als sie zwölf Minuten später eintraf, brannte die Halle bereits lichterloh. Schon zu dieser Zeit hatten erfahrene Feuerwehrleute gesagt, die Brandentwicklung spreche für eine gut vorbereitete Brandstiftung und den Einsatz von Brandbeschleunigern. Die Einsatzkräfte konnten das Gebäude nur kontrolliert abbrennen lassen.

Der Umstand, dass das massive Bauwerk so schnell Feuer fing, der Brand sich gleichmäßig in der Turnhalle ausbreitete und alles nieder brannte, deutet nach Angaben von Experten darauf hin, dass die Täter zuvor Gas in das Gebäude eingeleitet haben. Einen Tag nach dem Brand hatte die Polizei lediglich mitgeteilt, dass Brandbeschleuniger gefunden worden seien. Zudem seien am Tatort Dinge gefunden worden, "die da nicht hingehören". Offenbar wurden außerdem Einbruchsspuren entdeckt.

Mehr rechte Gewalt, mehr Angriffe auf Asylheime und Flüchtlinge

Die Polizei hat eine Sonderkommission mit 40 Beamten gebildet. Die Landesregierung lobte für Hinweise, die zur Feststellung der Täter führen, eine Belohnung in Höhe von 20 000 Euro aus.

Übergriffe auf Asylunterkünfte und Flüchtlinge steigen in alarmierende Höhe, wie die Potsdamer Beratungsstelle "Opferperspektive" jüngst berichtete. Laut ihrer Statistik gab es in Brandenburg in den ersten sieben Monaten dieses Jahres fast so viele Übergriffe wie im gesamten Jahr 2014. Allein bis Ende Juli waren es 88, im vergangenen Jahr insgesamt 92. Auch Brandenburgs Sicherheitsbehörden beobachten eine Zunahme "aktionsorientierter rechter Gewalt".

Daneben machen Neonazis weiterhin ganz offen gegen Flüchtlinge und Asylunterkünfte mobil. Für den heutigen Mittwochabend rufen sie zu einer Kundgebung in der Nähe der Zentralen Aufnahmestelle des Landes für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) auf. Verschiedene rechte Gruppen haben im Internet entsprechende Flyer veröffentlicht. Aber auch Gegenproteste wurden bereits angekündigt: Neonazi-Gegner haben zu einer Kundgebung unter dem Motto "Eisenhüttenstadt für Menschlichkeit, Respekt und Solidarität" aufgerufen.

Erst am Montag war ein Zug mit Flüchtlingen in Eisenhüttenstadt angekommen, die tagelang auf dem Budapester Ostbahnhof ausharren mussten. Um 8 Uhr erreichte der Zug den Bahnhof und sorgte für Chaos auf den Bahngleisen. Reisende waren vorab nicht informiert worden und auch die Helfer kritisierten die schlechte Informationspolitik. Während in anderen Städten viele Menschen die Flüchtlinge an den Bahnhöfen willkommen hießen, war der Bahnhof in Eisenhüttenstadt abgesperrt. In der Stadt wurde die Anreise dennoch durch Neonazis beobachtet, wie Fotos in sozialen Netzwerken zeigen.

Zerstrittene rechte Szene bei Aktionen vereint

Immer wieder kommt es in Brandenburgs Orten zu Kundgebungen vermeintlicher Bürgerinitiativen, hinter denen oft rechtsextreme Parteien stecken. Dabei kommen die Veranstaltungen selten über eine zweistellige Teilnehmerzahl hinaus. Auch für den morgigen Mittwoch in Eisenhüttenstadt sind bei der Polizei nur 20 Anti-Asyl-Demonstranten angemeldet. Der Anmelder ist noch nicht mit politisch motivierten Straftaten aufgefallen.

Erst am Sonntag demonstrierten 60 Personen in Beeskow gegen Asylunterkünfte. Dort sprachen Redner mehrerer rechtsextremer Parteien, darunter Maik Eminger von der Splitterpartei "Der III. Weg" und der NPD-Landesvorsitzende Klaus Beier. Ihnen gegenüber standen bei den Gegenprotesten etwa doppelt so viele Menschen.