In Dresden ist ein Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft verübt worden. Unbekannte warfen in der Nacht vier Molotowcocktails auf ein leerstehendes Gebäude auf dem Gelände einer Grundschule im Neubauviertel Prohlis, wie das für extremistische Straftaten zuständige Operative Abwehrzentrum (OAZ) mitteilte. Die Stadtverwaltung will Asylbewerber in dem Gebäude unterbringen.

Den Tätern gelang es laut Polizei nicht, das Gebäude in Brand zu setzen. Es entstand Sachschaden. 

Die Polizei teilte mit, ein rechtsextremistischer Hintergrund sei sehr wahrscheinlich. Man ermittele in alle Richtungen. Oberbürgermeister Dirk Hilbert und lokale Politiker von Linken und Piraten verurteilten den Anschlag. "Mit Gewalt – egal ob gegen Sachen oder Menschen – ist eine Grenze überschritten", sagte Hilbert. Er warne auch diejenigen, "die vielleicht heimlich Beifall klatschen": Der Schaden solcher Taten sei für die Stadt weit größer, als kaputte Türen und Fensterscheiben. In diesem Fall trügen nicht Asylbewerber und Flüchtlinge die Gewalt auf die Straße, sondern radikalisierte Gruppen, die meinen, im Namen der "besorgten Bürger" zu handeln.

Ende vergangener  Woche war der Plan, das ungenutzte Gebäude als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen, bekannt geworden. Eltern der benachbarten Grundschule protestierten daraufhin. Die Sicherheit der Kinder sei nicht zu gewährleisten, hieß es in Berichten lokaler Medien. Eine eilig gegründete Elterninitative rief dazu auf, die Kinder nicht mehr in dieses Schulgebäude zum Unterricht zu schicken, sondern anderorts zu unterrichten. Man befürchte, dass die Kinder miterleben, wie Gegner der Unterkunft dort aufmarschieren oder Schüler unter Polizeischutz zur Schule gehen müssen, hieß es. Das Schulgebäude wird derzeit nur als Interims-Schule genutzt, da am eigentlichen Unterrichtsort der Schüler noch bis Februar 2016 Bauarbeiten laufen.

Sprecher der Elterninitiative ist Frank Hannig, der als Rechtsanwalt für Konten des Pegida-Fördervereins als Treuhänder fungiert und in Prohlis wohnt. Hannig bezeichnet sich selbst als konservativ, aber ohne politische Nähe zu Pegida. Er sagte ZEIT ONLINE, die Initiative verurteile den Brandanschlag. Der Vorfall zeige jedoch, dass die Eltern mit ihren Befürchtungen Recht hätten.

Auch aus der CDU-Fraktion im Stadtrat kam Protest: "Schule muss ein geschützter Raum bleiben: Flüchtlingsunterkünfte auf Schulgeländen bei laufendem Betrieb lehnen wir als CDU-Fraktion ab", sagte Stadträtin Heike Ahnert.

Am Montag hatten sich laut DNN etwa 50 zum Teil alkoholisierte Gegner der Unterkunft vor dem Gebäude versammelt. Die Polizei griff ein und sprach Platzverweise aus. Parallel fand in dem Ortsteil eine Ortsbeiratsversammlung statt. Die Veranstaltung verlief laut Teilnehmern sehr emotional, ein Beirat der CDU soll die Argumente eines Redners der NPD unterstützt haben, der sich darüber beklagte, dass die Schüler nun Asylbewerbern weichen müssten. Sicherheitskräfte mussten einige Teilnehmer aus dem Saal führen.