هنا تجدون النسخة العربية

Read the English version of this article here.

Derzeit wird die Bundeskanzlerin von allen Seiten attackiert. Ihre Umfragewerte sinken. Sie bleibt aber weiter von sich überzeugt: Wir schaffen das! "Ich habe einen Plan", sagte sie im Interview mit Anne Will. Wie dieser Plan konkret aussieht, das weiß bis jetzt nur sie. Deshalb schlage ich einen Plan vor, obwohl ich noch kein Bundeskanzler bin. Ich glaube auch daran, dass wir es schaffen können.

Liebe Frau Merkel,

die neue Willkommenskultur in Deutschland ist super! Jetzt kommt es aber darauf an, daraus Politik zu machen. Viele haben Panik, aber so schwierig ist das mit der Integration nun auch wieder nicht. Aus meiner Sicht ist die Herausforderung zu meistern, mit einer Bedürfnispyramide nämlich, Maslow lässt grüßen. Ich nenne sie Jaafars Integrationspyramide und sie hat fünf Stufen:

Sicherheit - Akzeptanz - Vertrauen - Freiheit - Heimat

Jaafars Integrationspyramide

Diese Bedürfnisse müssen erfüllt werden, eine Stufe nach der anderen. Unsere Aufgabe besteht darin, die höchste Stufe zu erreichen – und zwar gemeinsam. Das heißt, Flüchtlinge und Einheimische zusammen. Erst dann wird die Integration funktionieren.

Wichtig ist das nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für die deutsche Gesellschaft, auf die Sie auch Rücksicht nehmen müssen. Vor allem auf die Skeptiker, deren Zahl steigt.

Sicherheit

Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, ist völlig verunsichert. Die Menschen sind traumatisiert von den Erlebnissen in ihren Heimatländern und von der Flucht. Jetzt sind sie hier, ganz ohne Sprachkenntnisse, in einer total fremden Welt!

Die ersten Begegnungen mit dieser neuen Welt hatten die Flüchtlinge an deutschen Bahnhöfen, und diese Welt hieß sie mit großer Herzlichkeit willkommen. Doch danach folgt unweigerlich die Realität der deutschen Behörden. Wie sozial geht es dort zu? Ein freundlicher Beamter kann Wunder wirken, glauben Sie mir! Ich kann mich noch sehr gut an meine Stunden in der Ausländerbehörde erinnern. Ein Lächeln gab mir das Gefühl: "Cool, ich darf weiter hier bleiben!" Zwar war ich kein Flüchtling, denn ich kam zum Studieren und konnte schon Deutsch. Eigentlich hätte ich keine Angst haben müssen. Als Migrant hat man trotzdem das unschöne Gefühl, das eigene Leben läge in den Händen dieser Menschen.

Vor ein paar Tagen war ich beim Lageso, der Registrierungsstelle für Flüchtlinge in Berlin, und habe selbst erlebt, wie schlimm die Zustände dort sind, obwohl die Beamten ihr Bestes geben. Die Flüchtlinge dort sind wütend. Ein Kind lag am Boden und fror. Ein junger Mann kommt seit 20 Tagen täglich her und weiß nicht, wann er endlich dran kommt. Ich hätte nie gedacht, dass ich sowas je in Berlin erlebe. Am dringlichsten wäre daher ausreichendes Personal, damit die Beamten nicht total überfordert sind, nicht irgendwann, sondern jetzt!

Frau Merkel, Sie bewegen sich auf dünnem Eis, das jeder Zeit brechen kann. Ich mache mir Sorgen wegen des kommenden Winters. Wenn die Flüchtlinge dann noch immer nicht winterfest untergebracht sind, werden die schönen Selfies von Bildern mit frierenden Kindern abgelöst. Wenn diese Bilder erst durch die Medien gehen, werden alle noch unsicherer.

Und dann ist noch ein anderer Punkt wichtig, der sofort angegangen werden sollte. Je mehr wir aktiv den Neuankömmlingen Deutschland beibringen, umso sicherer werden diese sein. Deshalb sollten Deutsch- und Integrationskurse sofort nach der Ankunft verpflichtend sein. Die Flüchtlinge sitzen in ihren Sammelunterkünften und haben sehr viel Zeit, die genutzt werden sollte.