In Jerusalem ist es erneut zu Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern gekommen. Eine 18-jährige Palästinenserin habe sich einem israelischen Mann von hinten genähert und ihm mit einem Messer in den Rücken gestochen, berichtete Polizeisprecherin Luba Samri. Der Mann habe daraufhin seine Waffe gezogen und auf die Angreiferin geschossen. Sie sei schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden.

Es ist bereits die dritte Messerattacke in Jerusalem innerhalb einer Woche. Am Samstagabend hatte ein Palästinenser zwei jüdisch-israelische Männer getötet. Am Sonntagmorgen war ein 15-jähriger jüdischer Israeli in Jerusalem mit einem Messer verletzt worden. Beide Angreifer wurden von israelischen Polizisten getötet.

Die Gewaltserie hatte am vergangenen Donnerstag begonnen, als ein jüdisches Siedlerpaar vor den Augen seiner vier kleinen Kinder von Attentätern erschossen wurde. Die Jerusalemer Altstadt wurde daraufhin für Palästinenser weitgehend gesperrt. Die Sperre war erst am Mittwochmorgen wieder aufgehoben worden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte als Reaktion auf die Attentate angekündigt, "die Gangart zu verschärfen". Israelische Streitkräfte hatten in Jerusalem die Häuser von zwei palästinensischen Attentätern abgerissen. Die Zerstörung der Häuser soll abschreckend auf potenzielle Attentäter wirken.

Offenbar plant Israel nun auch die Zerstörung weiterer Häuser von Palästinensern. Ein Verwandter eines mutmaßlichen Attentäters sagte am Mittwoch, Soldaten hätten Messungen ihrer Häuser vorgenommen – offenbar als Auftakt zu einem Abriss.

Menschenrechtsorganisationen bezeichnen die Strafmaßnahme der israelischen Regierung als Kriegsverbrechen. Meistens wohnen in den betroffenen Häusern die Familien der Attentäter. Sie werden nach der Zerstörung obdachlos. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas warf Israel bei einem Treffen mit seinen Sicherheitsberatern vor, "die Palästinenser in die Gewalt hineinzuziehen".

Die für Donnerstag geplanten deutsch-israelischen Regierungskonsultationen wurden aufgrund der angespannten Sicherheitslage verschoben. Außenamtssprecher Emmanuel Nachschon erklärte, die gemeinsame Kabinettssitzung solle möglichst im November nachgeholt werden.