Im politischen Diskurs gewinnen Stimmen an Einfluss, die nicht mehr die Situation der Flüchtenden – die Flüchtlingskrise – als zentrale Herausforderung begreifen, sondern die Grenzen der Aufnahmefähigkeit und Aufnahmebereitschaft ins Zentrum stellen. Der nunmehr zwischen der EU und der Türkei vereinbarte Aktionsplan ist ein weiteres Element einer Entwicklung, in der die Kontrolle der Flüchtlingsmigration stärker gewichtet wird als die Achtung menschenrechtlicher und rechtsstaatlicher Prinzipien. 

Flüchtlinge werden als Bedrohung von Wohlstand und Sicherheit inszeniert. Die Flüchtlingskrise wird von einer humanitären Katastrophe in eine Krise der staatlichen Kontrolle der Außengrenzen umdefiniert. Das mündet logisch konsequent in die Forderung, ein Regime der Grenzkontrollen zu errichten, das für unerwünschte Flüchtlinge undurchlässig ist. Denn nur so ließen sich eine konsequente Steuerung von Zuwanderung und eine numerische Obergrenze auch wirksam durchsetzen.

Unter deutschsprachigen Migrations- und Flüchtlingsforschern unterschiedlicher Disziplinen ist es jedoch bislang Konsens, dass eine totale Kontrolle von Zuwanderung, unter Achtung menschenrechtlicher Prinzipien und völkerrechtlicher Grundsätze, nicht möglich ist. Denn eine solche Kontrolle würde erfordern, dass Migranten der Zugang zum Staatsgebiet verwehrt wird, ohne dass sie Anspruch auf eine rechtsstaatliche Überprüfung ihres Anspruchs haben, als Asylberechtigte, Flüchtlinge oder nachrangig Schutzberechtigte anerkannt zu werden. Das heißt: Ohne Zäune oder Mauern, die bewacht und bei Bedarf auch bewaffnet verteidigt werden, lassen sich eine umfassende Regulierung sowie eine absolute Begrenzung der Zahl aufzunehmender Flüchtlinge nicht durchsetzen.

Internierung von Kindern und Jugendlichen

Eine andere Position nimmt der US-amerikanische Flüchtlingsforscher Demetrios Papademetriou, Mitbegründer der in Washington angesiedelten Denkfabrik Migration Policy Institute ein. In einem Interview mit der ZEIT behauptet er dezidiert, dass eine effektive Grenzkontrolle praktisch machbar und rechtlich legitim sei. Als Erfolgsmodell wird dargestellt, wie unerwünschte minderjährige Flüchtlinge an der Südgrenze der USA an der Einreise gehindert werden. Dafür wurden Kinder und Jugendliche interniert und sowohl die Prüfverfahren als auch die Abschiebung der Abgelehnten beschleunigt.